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| Gast
Beiträge: n/a
| Hallo. Hab da gerade nen Text bekommen. Ziemlich lang, manchmal auch überzogen, aber ich finde ihn gut. Grüße Holger PS: Wenns das schon mal gegeben hat, bitte Bescheid sagen, dann lösche ich das Mammut-Teil wieder. ______________________________________________ Wißt Ihr noch, damals Wir haben es tatsächlich geschafft. Kaum zu glauben, aber es ist so. Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft, speziell was der Gesetzgeber und die Bürokraten, die Medien und die Informationsgesellschaft uns täglich vorbeten und verbieten, müssten wir alle, die in den Sechzigern bis Anfang der Achtziger aufgewachsen sind, längst tot sein. Unsere Kinderbetten waren mit bleihaltigen Farben bemalt und Formaldehyd sickerte aus jeder Pore. Ganz zu schweigen vom Tapetenleim, dem Kleber des Linoleums oder den PVC-Dämpfen des Stragula. Wasserfeste Filzstifte hatten Ausdünstungen die benebelten und wer erinnert sich noch an den leicht salzigen Geschmack des abzuleckenden Tintenkillers? Steckdosen, Medizinflaschen, Schranktüren und Schubladen waren noch nicht kindersicher. Messer, Schere, Gabel und Licht wurden uns zwar verboten, aber meistens mussten wir uns erst einmal daran verletzten um es zu glauben. Unsere Fahrräder, Roller und Rollschuhe fuhren wir ohne Schützer und Helme. Die Risiken per Anhalter in den nächsten Ort zu fahren waren uns unbekannt! Zum Thema Auto erinnere ich mich weder an einen Sicherheitsgurt, noch an Airbags, ABS oder ähnliche Sicherheitsvorrichtungen im Wagen meines Vaters. Man saß zwar hinten, aber an einem heißen Sommertag gab es doch nichts schöneres als seinen Kopf aus dem Fenster (das man damals noch komplett runterkurbeln konnte) des fahrenden Autos zu stecken und sich den Fahrtwind ins Gesicht blasen zu lassen, daß man kaum noch Luft bekam. Wasser haben wir direkt aus dem Gartenschlauch getrunken und nicht aus einer Flasche. Wahnsinn! Wir aßen fettige Schmalznudeln und frischgebackenes Brot mit fingerdick Butter drauf, dazu gab es überzuckerte Limonaden oder künstlich gefärbtes Tri Top. Fett geworden sind wir deswegen nie, weil wir immer draußen waren. Wir haben zu fünft aus einer Limoflasche getrunken und es ist tatsächlich keiner daran gestorben. Wir haben stunden- und tagelang an Seifenkisten oder ähnlichen Gefährten geschraubt, die wir aus rostigem Schrott und splitterigem Holz konstruiert hatten. Dann sind wir den Hügel damit runtergebrettert nur um festzustellen, daß wir die Bremsen vergessen hatten. Nachdem wir ein paar Mal in der Böschung gelandet waren, haben wir gelernt auch dieses Problem zu lösen. Wir gingen in der Früh raus und haben den ganzen Tag gespielt, höchstens unterbrochen von Essenspausen und kamen erst wieder rein, als es dunkel wurde und man den Fußball nicht mehr richtig sehen konnte. Wir waren nicht zu erreichen. Keine Handys! Wenn es regnete spielten wir bei Freunden Monopoly oder Mensch ärgere dich nicht, Mühle oder Dame und bauten mit Matchbox Autos ganze Städte auf. Wir hatten weder Playstations oder Nintendo, X-Boxen oder Videospiele, keine PCs, keine 50 Fernsehkanäle oder Surround Anlagen. Ins Kino zu gehen war ein Ereignis, für das man sich herausputzte und das einem vor Vorfreude den Magen kribbeln ließ. Es gab noch Vorfilme, die immer eine Überraschung waren, weil keiner wußte was zu erwarten war und wenn zufällig ein Donald Duck oder Micky Maus Film dabei war, hatte man das ganz große Los gezogen. Wir hatten Freunde! Wir gingen raus und haben uns diese Freunde gesucht. Wir haben Fußball gespielt mit allem was sich kicken ließ und wenn einer einen echten Lederball hatte war er der King und durfte immer mitspielen, egal wie schlecht er war. Um im Verein mitspielen zu dürfen gab es Aufnahmeprüfungen, die nicht jeder bestanden hat. Wer es nicht geschafft hat, lernte mit der Enttäuschung umzugehen. Wir spielten Völkerball bis zum Umfallen und manchmal tat es weh, wenn man abgeworfen wurde. Wir sind von Bäumen und Mauern gestürzt, haben uns geschnitten, aufgeschürft und haben uns Knochen gebrochen und Zähne ausgeschlagen. Wir hatten Unfälle! Es waren einfach Unfälle an denen wir Schuld waren. Es gab niemanden, den man dafür verantwortlich halten konnte und vielleicht sogar noch vor den Kadi zerrte. Wer erinnert sich noch an Unfälle? Unsere Knie und Knöchel waren von Frühjahr bis Herbst lädiert und ein Schienbein ohne blaue Flecke gab es nicht. Wenn wir uns an Brennesseln gebrannt haben, oder uns eine Mücke gestochen hatte, haben wir entweder drauf gespuckt, oder den Nachbars Hund drüber lecken lassen oder drauf gepinkelt. Geholfen hat alles. Wir haben gestritten und gerauft, uns gegenseitig grün und blau geprügelt und gelernt damit zu leben und darüber weg zu kommen. Wir haben Spiele erfunden mit Stöcken und Bällen, haben mit Ästen gefochten und Würmer gegessen. Und obwohl es uns immer wieder prophezeit wurde, haben wir kaum ein Auge ausgestochen und die Würmer haben auch nicht in uns überlebt. Wir sind zu einem Freund geradelt, haben an der Tür geläutet und sind dort geblieben nur um mit ihm zu reden. Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere, also haben sie eine Klasse wiederholt. Sie sind nicht durchgefallen, sondern wurden von den Lehrern einfach zurückgestuft. Zensuren bei Proben wurden nie manipuliert, egal aus was für Gründen. Wir waren für unsere Aktionen selbst verantwortlich. Konsequenzen waren immer zu erwarten, wenn wir Schei.sse gebaut hatten. Der Gedanke, daß ein Elternteil uns rausklopft wenn wir mit dem Gesetz in Konflikt geraten waren, war undenkbar. Im Gegenteil, die Eltern stellten sich auf die Seite des Gesetzes. Stellen Sie sich das einmal vor! Unsere Generation hat einige der größten Enterpreneure und Erfinder hervorgebracht. Die letzten 50 Jahre waren eine wahre Explosion an Innovationen und Ideen. Wir hatten Freiheit und Zwang, Erfolg und Misserfolg, Verantwortung und Konsequenz. Und wir haben gelernt damit umzugehen. Erinnere Dich daran, wie Du aufgewachsen bist und Du wirst sehen, was unseren Kindern heute fehlt. Als die Eltern einmal ein Auge zudrückten, anstatt die Kinder mit übergroßer Vorsicht zu erdrücken. Unsere Eltern trauten uns zu die richtigen Entscheidungen zu treffen. Meistens hat es geklappt. Die paar Mal, die daneben gingen zählen wir zu unseren Lebenserfahrungen. |
| | #2 |
| Hallo Holger wie wahr, wie wahr! Konnte mich mit allem ausser dem Fußballspielen identifizieren. Werde mir den Text gleich kopieren und meiner Schwägerin und meiner Schwester (beides Mütter) zukommen lassen. Viele Grüsse von Tina die sich immer noch wundert, daß sie trotz dieser 'widrigen' Umstände 42 Jahre alt geworden ist :wink: | |
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| | #3 |
| Registriert seit: 24.08.2002
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| Hallo! Ich find das ja immer wieder gut: http://www.berndnordberg.de/ueberflu...?vid=3Xng4559n Grüße Ingrid |
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| | #4 | |
| Registriert seit: 18.01.2003
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| Zitat:
Gruß | |
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| | #5 |
| Registriert seit: 05.12.2002
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| Hallo! Wenn ich mir die letzten 6 LKW-Unfälle in nur 2 Tagen auf deutschen Autobahnen ansehe, dann weiss ich wer in die Klapse gehört..... :roll: Einer von denen fuhr seit 24h am Stück.... ...und wenn Dir so ein Vieh am Stauende ins Heck kracht beerdigen die Dich mit dem Auto, egal ob Airbag oder nicht... Grüße! Andreas |
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| | #6 | |
| Registriert seit: 23.10.2002
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| Zitat:
2002 waren es ca. 6800 Verkehrstote gesamt in Deutschland, davon 10 000 Kinder??? Es träumt bestimmt niemand von Autos ohne Airbags, es ging wohl mehr um die Gesamtheit Ich weiß nicht wie alt du bist, ich habe mich jedenfalls wiedererkannt und gern erinnert. An meinen Kindern sehe ich aber auch das es heute völlig anders ist. Leider. Allerdings haben sich auch manche Dinge, sei es Schule oder dergleichen schon mächtig verändert seit dieser Zeit. Diese, sagen wir mal "Sorglosigkeit" von damals gibts nicht mehr, weil auch die Eltern mehr oder andere Probleme als damals haben denk ich. Gruß Hannes | |
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| | #7 |
| Registriert seit: 18.01.2003
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| Die 10.000 muß ich korrigieren. Eine Auswertung der Verkehrsunfallstatistik ergibt, daß jährlich etwa 50.000 Kinder in Verkehrsunfälle verwickelt sind. Mehr als 300 Kinder, im Alter bis zu 15 Jahren, kommen dabei Jahr für Jahr zu Tode, rund 40 % im Auto und je etwa 30 % als Fußgänger und als Radfahrer. |
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| | #8 | |
| Registriert seit: 20.11.2002
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| Zitat:
Heute ist die "gute, alte Zeit" von morgen. Schon vergessen? | |
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| | #9 | |
| Registriert seit: 18.01.2003
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| Zitat:
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| | #10 |
| Registriert seit: 25.06.2003
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| Hallo, ich finde es immer wieder amüsant wie diese Generation ihre Kindheit und deren erfolge rühmt(konsequenz etc), und sie dann ironischerweise unsere, angeblich so dermaßen verzogene und verhätschelte Generation hervorgebracht hat. mfg Melanie |
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