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Alt 29.05.2002, 10:15  
Ralf Rombach
Gast
 
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Hallo,

Ich kopiere mal einen längeren text von Lars Dettmann, erstmals gepostet in d.r.t.a. hier rein.

Bauchwassersucht

Die Prophylaxe

umfaßt sämtliche Fragen der Haltungsbedingungen. Du spielst aber sicher auf eine Therapie der Symptomatik an.

Über die "Bauchwassersucht" wird seit Jahren viele Zeug´s geschrieben, was eindeutig in die Rubrik Ammenmärchen gehört. Den Erreger der "Bauchwassersucht" gibt es nicht, da es sich hier um eine Sammlung von Symptomen handelt, die man unter dem Begriff Bauchwassersucht zusammenfaßt. Dieser Begriff stammt ursprünglich aus der Karpfenteichwirtschaft. Hat man dort früher noch Aeromonas punctata & Co. für den Erreger gehalten, läuft die gleiche Erkrankung heute unter dem Begriff SVC (Spring Viremia of Carp) und wird als meldepflichtige Fischkrankheit einem Virus zugeordnet. Wie der Name SVC schon sagt, handelt es sich um ein Krankheitsbild, was hauptsächlich im Frühjahr auftritt. Durch die Überwinterung ausgezehrte Fische haben bei einem raschen Anstieg der Wassertemperaturen nicht mehr die nötigen Energiereserven, um die nötigen Umstellungen im Organismus zu bewerkstelligen. Sie werden somit zum potentiellen Opfer latent vorhandener Erreger. In Kenntnis dieser Zusammenhänge wird jeder Teichwirt versuchen, die Fische nicht an den Punkt kommen zu lassen, an dem er aus konditionellen Mängeln ins Schleudern kommt. In den letzten Jahrzehnten hat man diese Problematik über eine verbesserte Konditionierung der Fische vor und während der Winterung in den Teichwirtschaften relativ gut im Griff.

In der Aquaristik ist man dagegen weder von der Witterung abhängig, noch gibt es so gravierende Störfaktoren wie Kormorane oder Schlittschuhläufer ... Wenn im AQ also diese Symptomatik auftritt, klemmt es also zu 99,9% bei den Haltungsbedingungen. Die bei Untersuchungen betroffener Fische nachgewiesenen Bakterien gehören in der Regel zum Standartsortiment der AQ-Biologie. Diese dramatisch hohe Infektionsgefahr ist also eher eine Frage des Zustandes der Fische, als der "Gefährlichkeit" des Erregers. - Damit soll aber keinesfalls das Risiko eines erhöhten Infektionsdruckes durch bereits akut erkrankte Tiere bagatellisiert werden.

Hintergrund der Symptomatik ist die Ansammlung von Flüssigkeit in Teilen des bzw. im gesamten Organismus. Eine Ursache dafür sind in der Hauptsache Erreger, die in betreffenden Bereichen und/oder aber direkt in der Niere für Entzündungen sorgen. Aber auch Vergiftungen mit Schädigungen der Niere führen über eine eingeschränkte Wasserausscheidung zu gleichen oder ähnlichen Symptomen. Hast Du bei einem Fisch schon die entsprechenden Merkmale von Aufgedunsen bis Glotzaugen mit Schuppensträube, sind zwei Probleme zu knacken. Auf der einen Seite sollte die Ursache der Flüssigkeitsansammlung ausgeschaltet werden, auf der anderen Seite sollte das "Wasser" aus Gewebe/Organismus raus. Das doppelt Dumme daran, die Niere als Ausscheidungsorgan für Wasser ist in aller Regel schon angegriffen. Tötest Du nun via Medikament die Bakterien, die die Entzündung verursachen, belasten deren Reste neben dem Medikament (?) eben auch wieder die Niere, weil der Müll ja irgendwie aus dem Körper muß. Es gab wie in diesem Thread schon mehrfach Postings, in denen Salzbäder als eine Therapiemöglichkeit genannt wurden. Neben einer kurzfristigen Veränderung der osmotischen Verhältnisse wirkt Kochsalz (wie auch immer vitalisierend auf Fische. Den Versuch ist´s Wert. Primär muß es aber darum gehen, die eigentlichen Faktoren zu finden, die den Fisch daran gehindert haben, an sich nicht ungewöhnliche oder gar seltenen Erreger daran zu hindern, seinen Organismus auf den Kopf zu stellen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Bauchwassersucht ist ein Sammelbegriff und keine Krankheit, die einem Erreger zuzuordnen ist. Auslösende Ursache ist vor allen Dingen die mangelnde Kondition des Fisches. Als Erreger kommen sowohl biotische, als auch abiotische Faktoren in Betracht. Eine Therapie ist deshalb verdammt knifflig, weil Ursache (Haltungsfehler), deren primäre Folge (Infektion) und die sekundäre Folge (unter anderem ! Flüssigkeitsansammlung) möglichst zeitgleich in den Griff zu bekommen sind. Der Prophylaxe kommt daher größte Bedeutung zu. Das fängt beim Thema Wasserparameter (GH, KH, LF, CO2/O2) an und hört bei Futterzusammenstellung und Vergesellschaftung längst noch nicht auf.
 
Sponsor Mitteilung 29.05.2002   #0 (permalink)
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