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Alt 22.10.2001, 02:48  
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GElias schrieb am 2001-10-21 19:33 :

Hi Gunter,

> Aber ich denke, man sollte die gezüchteten
> Fischis doch auch mal wieder aussetzen, um
> die Population in der Natur wieder langsam
> in Ordnung zu bringen.

Das ist im Detail recht schwierig und nur dann erfolgversprechend, wenn entsprechende Ersatzlebensräume existent oder die ehemaligen Lebensräume wieder für die Tierart gut genug sind, d.h. ihre Lebensraumansprüche in Quantität und Qualität erfüllen. Das setzt im Detail viel Wissen über die Tierart voraus. Tatsächlich gibt es solche Projekte schon einige, wenn auch weniger bisher bei Fischen. So wird schon aus regelrecht aus Not wegen beginnender Domestikation unter Leitung des Kölner Zoos versucht, Prezwalski-Pferde in der ungarischen Puszta auszusetzen. Diese Wildpferde stammen zwar ursprünglich aus der Mongolei, leider ist die westliche Unterart dieses Art im Mittelalter ausgerottet worden. Dieses Ausbürgerungsprojekt sieht auch schon ganz erfolgversprechend aus (Infos dazu findest Du auch unter http://www.zoo.koeln.de unter Artenschutz - Przewalskipferde in der Hortobágy Puszta). Die Wiedereinbürgerung des Uhus in der Eifel hat gut funktioniert, der Bestand der Art scheint gesichert. Die Einbürgerung des Lachses im Rhein und seinen Nebenflüssen läuft auf Hochtouren, auch wenn die Rasse des Rheinlachses definitiv ausgerottet ist und als Ersatz norwegische Lachse Verwendung finden - erste Erfolge von rückkehrenden laichbereitenden LAchsen haben sich auch schon eingestellt). Aber der technologische und wissenschaftliche Aufwand ist aber nicht so ganz ohne. Wenn Du auf http://www.guenter-ellenberg.de unter Zuchtbuchprojekt Zoogeneticus tequila nachschaust, so ist dort zumindest für eine nähere oder eher fernere Zukunft die Wiederausbürgerung vorgesehen.

Es macht langfristig nicht den geringsten Sinn, Tierarten nur in Gefangenschaft zu halten, weil wir als Mensch in der Zucht unbewußt und oft unerkannt Einfluß auf die Evolution der Art als ganzes ausüben oder auf der anderen Seite durch zu strenge Zuchtauswahl und Linienzucht die Inzucht erhöhen und damit auch ein Stück evolutionsbremsend wirken können. Tiere können auf Dauer kaum ohne Veränderungen in ihrem Genpool gehalten werden, wobei es da natürlich schon Unterschiede gibt je nach Tiergruppe.


> Es ist für mich aber unbegreiflich, dass
> wir schon zu solchen Mitteln greifen
> müssen, um unsere kaputte Natur (die du,
> ich, wir alle ruiniert haben) wieder ins
> Lot zu bringen.

Ja, aber was bleibt oft übrig. Gäbe es die wenigen Bemühungen nicht, gäbe es auch heute kein Prezswalskipferd mehr, so konnte ein Restbesatnd aus zwei Zuchtlinien gerettet werden und heute leben wenigstens etwa 1.200 Tiere in den Zoos der Welt und wie schon erwähnt, die Einbürgerung in Ersatzlebensräume hat begonnen - aber es ist und bleibt ein Tropfen auf den heißen Stein.


> Leider, aber wir sollten alle irgendwie
> versuchen ein wenig bewusster zu Leben.

Absolute Zustimmung. Ich kann einfach diese Verbrauchsmentalität nicht ab, oder nicht mehr ab :wink: Und daher habe ich diesen Thread hier angefangen mit den Gedanken zum Fischhandel und wünsche mir nur, daß ihn viele lesen werden und vielleicht auch den Link bei Interessierten weiterreichen. Damit wäre schon ein kleines Stück gewonnen - hoffe ich zumindest. Damals im Welsforum, wo der Text ursprünglich gepostet wurde, gab es so gut wie keine Resonanz - gut, in dem Forum ist auch weniger los als hier. Aber dann denke ich, gehört das Thema erst Recht auch hier hin.