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Alt 29.01.2016, 21:05  
Schneckinger
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Standard He, Ihr richtet eure Becken ja alle falschrum ein!

Hi Leute,

mir fällt immer wieder auf, das viele (vor allem Neu-)Aquarianer ihre Becken“falschrum“ einrichten


Meist beginnen Anfängerthreads im Besatzforum so:
Ich habe ein Becken mit xy Litern, ein paar Pflanzen und Wurzeln, mittelfeinem Kies. Was kann ich da für Fische einsetzen?
Ich finde, so zäumt man das Pferd komplett von hinten auf. Auf diese Art ist es ja gar nicht (mehr) möglich bei der Beckeneinrichtung intensiver auf die Bedürfnisse der Fische einzugehen.

Bei mir läuft das Ganze genau umgekehrt:

-Irgendwann beginne ich mich für einen Fisch zu interessieren. Vielleicht habe ich ihn im Zoohandel gesehen, beim Blättern in einem Buch, in einer Netzdatenbank oder in einer Vorstellung hier im Forum.

-Dann beginnt die Informationsphase 1. Ich versuche alle erreichbaren Quellen zu durchforsten. Eigene und Bibliotheksbücher, Netzdatenbanken, Forum, Aquarianer aus dem Bekanntenkreis... Dann kann ich ziemlich schnell abschätzen, ob der Fisch überhaupt in Frage kommt.
-Ist mein Leitungswasser geeignet, oder kann ich es wenigstens mit vertretbaren Aufwand geeignet machen?
-Kann ich ihm ganzjährig geeignetes Futter bieten?
-Wie bringe ich diese Art über meine Urlaubszeit?
-...

Informationsphase 2: Wie sieht das optimale Becken für diesen Fisch aus.

-Daraus folgt dann die erste Entscheidung: Was für eine Beckengröße kann/muss ich diesem Fisch bieten. Dabei sollte es nicht nur auf die Literzahl ankommen, sondern auch auf die Abmessungen. Bei Skalaren z.B. ist die Höhe sehr wichtig. Schmerlen oder Panzerwelsen kommt es mehr auf die Grundfläche an.

-Was brauchen die geplanten Fischarten an Technik:
Licht, Heizer, Filterung/Strömung?

-Jetzt erst beginne ich mir genauere Gedanken über die Einrichtung zu machen:
Bodengrund und Hardscape suche ich genau entsprechend des geplanten Besatzes aus. Z.B. Für Corys Sand, Für Sewellias dagegen groben Kies und Steinbrocken als Bodengrund, Für Malawi-Mbunas vorwiegend grobes Geröll.

-Auch die Bepflanzung versuche ich passend auf die Bedürfnisse der geplanten Fische abzustimmen. Beispiele:
-Im Tanganjikabecken fast gar keine
-Für Skalare vorwiegend lange, wenig verzweigte Pflanzen (Valisnerien!, Echinodoren)) zwischen denen sie sich einstellen können. Alternativ schöne Wurzeln.
-für kleine Bärblinge oder gar Garnelen einige Pflanzendickichte mit feinfiedrigen, stark verzweigten Pflanzen als Deckung und Laichgrund.
-Für Schattenliebhaber Schwimmpflanzen.
-...

Und jetzt besorge ich mir (endlich) meinen „Traumfisch“.

Als allerletzten Schritt überlege ich mir dann, ob ich dem „Hauptbewohner“ und mir noch ein-zwei passende Arten dazu gönne ;-)

Auf diese Art entstehen dann Becken, die halbwegs gut auf die Bedürfnisse der Tiere abgestimmt sind.

In ein fertig/standardmäßig eingerichtetes Becken passen dann meist auch nur die „Standard"fische. Wenn es wenigstens ein bisschen in Richtung Biotop/Lebensraumbecken gehen soll, muss man aber schon ganz am Anfang überlegen, was die neuen Mitbewohner brauchen werden.

Also noch mal kurz und knapp:

-Erst den Traumfisch aussuchen
-Abklären, ob man ihm artgerechte Bedingungen bieten kann
-Becken und Technik passend zu diesem Hauptfisch aussuchen.
-Hardscape und Bepflanzung ebenfalls auf den „Star“ des Beckens ausrichten.
-Jetzt kann der Boss/die Bosse einziehen.
-Ganz am Schluss (wenn überhaupt) Gedanken über Mitbewohner machen.

Und ganz wichtig:
Lasst Euch richtig viel
Zeit.
Vor allem in der Planungsphase. Wenn das Becken funktioniert, wird es viele Jahre bei Euch stehen. Vielleicht sogar Jahrzehnte. Da sollten ein paar Wochen oder manchmal sogar Monate für die Planung eines Beckens doch kein Problem sein.

Mein aktuelles Wohnzimmerbecken ist mindestens ein Jahr in meinem Kopf gereift. Immerhin musste dafür mein Wohnzimmerdschungel mit meinen geliebten Skalaren weichen. Die eigentliche Einrichtung und der Besatz erfolgten dann ruckzuck.

Wenn Ihr bei der Planung und Einrichtung zu hektisch seid, werden Euch Fehler jahrelang ärgern. Oder sie können nur mit viel Aufwand und Stress (sowohl für Euch, als auch für Eure Fische) korrigiert werden.

Bodengrundwechsel sind da ein gutes Beispiel. Wer einmal einen kompletten Bodengrund in einem „laufenden“ Aquarium gewechselt hat, plant das nächste Becken wahrscheinlich von vornherein besser
Und ein Hamburger Mattenfilter klebt sich auch besser, bevor schon Fische im Becken sind

Natürlich entwickelt sich ein Becken später auch noch. Aber die Grundidee solte schon lange vor dem Einzug der ersten Tiere stehen.

Tschüß,
Schneckinger


Geändert von Schneckinger (29.01.2016 um 21:10 Uhr)
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