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Alt 25.08.2017, 21:06  
Otocinclus2
 
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Hallo Algerich,

eine gute Idee, mal über den Aquarienrand hinauszuschauen und unserem feuchten Hobby die (oft nur auf den ersten Blick) "trockene" Juristerei zur Seite zu stellen.

Denn wie sagt man so schön: Unverhofft kommt oft.
Und es kann jederzeit jeden hier treffen. Vor allem dann, wenn man sich selbst alles andere als geschickt verhält.

Denn Ungemach in Form einer Schadensersatzpflicht oder anderweitiger rechtlicher Weiterungen kann nicht nur in Form plötzlich berstender Aquarienscheiben oder langsam vor sich hin dröppelnder Becken eintreten. Nein, auch bei einem auf den ersten Blick völlig ordnungsgemäßen Ablauf/Verhalten können Konsequenzen eintreten, die einen dazu nötigen, die Wohnungsanzeigen zu studieren.

Der BGH hatte am 11.06.2012 (VIII ZR 138/11) über einen recht lebensnahen Fall zu entscheiden.
Dort hatten die Mieter eines Einfamilienhauses wegen Schimmelbildung es für angemessen gehalten, die Miete zu mindern. Das löste bei den Vermietern nur verhaltene Begeisterung aus. Wie so oft in solchen Fällen: die Parteien stritten über die Ursache der Schimmelbildung. Die Mieter meinten natürlich, das Haus sei mangelhaft, die Vermieter hielten den Mietern fehlerhaftes Heiz- und Lüftungsverhalten vor.

Man wurde sich nicht einig. Die Mieter minderten weiter. Die Vermieter kündigten. Der Streit ging vor die Gerichte bis hin zum BGH.


Das erstinstanzliche Amtsgericht hatte ein Gutachten eingeholt. (Das machen Gerichte gerne und kann den Verlierer richtig teuer kommen)

Diese Beweiserhebung hatte u.a. zutage gefördert, dass die Mieter zwei Aquarien unterhielten.
Dem Urteil sind zwar nähere Angaben zu den beiden Becken nicht zu entnehmen, aber ich vermute mal, dass es Warmwasserbecken waren und es die Mieter nicht zuletzt deshalb kalt erwischt hat.

Der BGH hat jedenfalls die Mieter in der Verantwortung für die Schimmelpilzbidung gesehen.
Zitat:

"Vorliegend entfällt der Zahlungsverzug nicht wegen fehlenden Ver-schuldens der Beklagten. Dass sie bei Anwendung verkehrsüblicher Sorgfalt nicht hätten erkennen können, dass die Ursache der Schimmelpilzbildung in ihrem eigenen Wohnverhalten lag, ist von ihnen nicht dargetan worden und auch sonst nicht ersichtlich. Im Gegenteil haben die Beklagten selbst einge-räumt, dass sie wegen der Haltung mehrerer Katzen, die das Haus nicht verlas-sen sollten, in ihrem Lüftungsverhalten eingeschränkt waren; zudem musste sich ihnen die Vermutung aufdrängen, dass das Vorhandensein von zwei Aqua-rien sowie eines Terrariums mit Schlangen eine die Schimmelbildung begünsti-gende höhere Luftfeuchtigkeit in der gemieteten Wohnung bedingte und somit an das Lüftungsverhalten entsprechend höhere Anforderungen zu stellen wa-ren."

Und deshalb kam es dann auch so, wie es kommen musste:

"Das Mietverhältnis der Parteien ist durch die fristlose Kündigung der Klägerinnen vom 7. Januar 2010 beendet worden. Der Räumungsanspruch der Kläger ist daher gemäß § 546 Abs. 1 BGB begründet."

Volltext des Urteils:
http://juris.bundesgerichtshof.de/cg...06&pos=0&anz=1


Fazit für alle Aquarianer:

Ausreichend beheizen und belüften!


Und diejenigen unter uns, die eines oder gar mehrere der gerade in den letzten Jahren so beliebt gewordenen oben offenen Becken betreiben, sollten bedenken, dass sich dann selbst bei viel Heizen und häufig Lüften Schimmelbildung nicht immer vermeiden lässt, was dann zeigt, dass die vertragsgerechte (= zulässige) Nutzung der Wohnung überschritten ist - mit womöglich bösen Konsequenzen!

In diesem Sinne: Bleibt trocken!
Otocinclus2

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