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Alt 14.03.2018, 00:49  
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Standard Verschlusszeit

1.3 Verschlusszeit

Die Verschlusszeit oder Belichtungszeit ist recht einfach erklärt. Es ist die Zeit, die die Blende für einen Aufnahme geöffnet ist. Je kürzer die Verschlusszeit, desto weniger Licht fällt auf den Sensor und umgekehrt.

Eine Verdoppelung der Verschlusszeit entspricht einem doppelt so hellem Bild, eine Halbierung einem halb so hellen Bild.
Wir erinnern uns, dass eine Blendenstufe mehr oder weniger ebenfalls eine Halbierung bzw. Verdoppelung der Helligkeit zur Folge hatte.
Kombiniert man das Ganze, dann stellt man fest, dass z.B. die Kombination von Blende F2 mit 1/100s Verschlusszeit ein genauso helles Bild erzeugt wie Blende F2.8 mit 1/200s oder F4 mit 1/400s.

Beispielbilder dazu spare ich mir mal, denn eine Bildreihe mit jeweils der halben Verschlusszeit von Bild zu Bild, würde ziemlich genau die Ergebnisse aus "Blende (Teil 2)" liefern und die obige Kombination auf Blendenwerten und Verschlusszeit immer gleich helle Bilder.

Kurze Zusammenfassung: Eine Erhöhung des Blendenwertes um eine Blendenstufe halbiert die Bildhelligkeit. Ebenso führt eine Halbierung der Verschlusszeit zu einer Halbierung der Bildhelligkeit. Eine Halbierung (bzw. Verdoppelung, je nach dem von von aus man es betrachtet), entspricht also einer Blendenstufe.

Man kann also eine kleine Blendenöffnung (große Blendenzahl) durch eine längere Belichtungszeit kompensieren. Das Ganze zumindest in einem gewissen Rahmen. Wenn man Belichtungszeiten von einigen Sekunden oder sogar Minten wählt, kommt es zu weiteren Effekten. Wenn man sich nicht gerade mit Astrofotografie oder Nachtaufnahmen bei fast vollständiger Dunkelheit beschäftigt, hat das allerdings keine allzu große Praxisrelevanz.

Natürlich hat auch diese Sache wieder einen Haken. Wenn man z.B. bei F2 mit 1/64s belichtet, muss man für die gleiche Helligekit bei Blende F16 eine ganze Sekunde lange belichten, um die kleinere Blendenöffnung zu kompensieren. Eine ganze Sekunde lang kann man die Kamera aber nicht einfrieren, selbst das leichteste Zittern für zu einem "verwackelten" Bild.

Wie lange man ohne Verwackelungen belichten kann, hängt ein wenig von der Übung und auch von der Brennweite ab. Da bei großer Brennweite der Sichtwinkel sehr klein ist, für selbst die kleinste Bewegung der Kamera zu einer deutlichen Verschiebung des Bildausschnitts.
Während man im Weitwinkelbereich von ca. 24mm-50mm mit etwas Übung 1/20s Sekunde ohne Verwackelungen belichten kann, gelingt dies bei Brennweiten von 50-100mm vielleicht noch bei 1/40s, im Telebereich müssen die Belichtungszeiten dann nochmals deutlicher kürzer werden.

Abhilfe kann da ein Stativ oder ein in der Kamera (oder dem Objektiv) eingebauter Bildstabilisator bringen, der die Bewegungen der Kamera durch gegenläufige Bewegungen des Sensors oder der optischen Elemente ausgleicht. Durch so eine optische Stabilisation kann man die Verschlusszeit ohne Verwackelungsgefahr verlängern. Die Hersteller sprechen dabei von einer Kompensation von "Blendenstufen". Eine Kompensation von z.B. 2 Blendenstufen heißt dabei wieder, dass man 4 mal so lange belichten kann ohne zu verwackeln. 5 Blendenstufen, mit denen einige Hersteller sogar werben, würde eine 2*2*2*2*2=32 mal so lange Belichtungszeit erlauben. In der Realität kann man meistens aber nur von 2 oder maximal 3 Blendenstufen ausgehen.

Hier kommt aber auch wieder ein großes ABER: Mit Stativ oder optischem Stabilisator kann man die Kamera stabilisieren, aber natürlich nicht die Objekte, die man fotografiert. Der schiefe Turm von Pisa wird sich während der Aufnahme nicht bewegen, einen Fisch im Aquarium wird man am Weiterschwimmen aber nicht durch eine Stabilisation der Kamera aufhalten. Der Hintergrund wird dann zwar scharf sein, der Fisch aber trotzdem nur verschwommen auf dem Bild zu sehen sein.

Hier habe ich vorhin mal zwei Beispielbilder geschossen, mit 70mm leichte Tele-Brennweite damit der schnell schwimmende Fisch (er hat gedacht es gibt was zu fressen, wenn ich vor dem Becken auftauche ) sich schnell durch den dann kleineren Bildwinkel bewegt:

Blende F2.8, Verschlusszeit 1/160s
Grundlagen der (Aquarien-)Fotografie-dsc06359.jpg

Blende F8 (also 3 Blendenstufen = 2*2*2 = 8 mal kleinere Fläche des "Lochs" als bei F2.8) , Verschlusszeit 1/20s (8 mal länger als 1/160s)
Grundlagen der (Aquarien-)Fotografie-dsc06361.jpg

Man sieht deutlich, dass es für sich bewegende Objekte, vor allem Tiere, die nicht einfach still stehen wollen, deutlich kürzerer Belichtungszeiten bedarf, als wenn man Landschaften oder Personen fotografiert.

Je nach Fisch und Brennweite arbeite ich mit Verschlusszeiten von ca. 1/80-1/320s (flinke Salmler) und 1/30s-1/60s (rumliegender L-Wels).
Angehängte Grafiken
Dateityp: jpg DSC06359.jpg (39,9 KB, 55x aufgerufen)
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