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Alt 05.09.2019, 20:06  
Otocinclus2
 
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Standard Süßwassernadeln: Die süßen Seepferdchen

Durch die Berichte von Hans T haben wir hier ja schon viel über Süßwassernadeln lernen können. Und Hans wird bei der Lektüre der nachfolgend von mir verlinkten Seite wohl auch kaum Neues zu lesen bekommen. Aber für alle anderen hier ist es m.E. eine interessante und lehrreiche Zusammenfassung:

https://www.aqualog.de/blog/suesswas...-seepferdchen/

Das Wichtigste zur Haltung von Süßwassernadeln wird gleich zu Beginn hervorgehoben:

"Die erste und wichtigste Grundregel für die Pflege von Nadeln: alle Arten brauchen Lebend**futter als Nahrungsgrundlage. Bei kleinen Arten reichen als Nahrungsgrund*lage Artemia-Nauplien. Zur Züchtung sind sie allerdings als all*eini*ges Futter auf Dauer nicht aus*rei*chend. Bei etwas größeren Arten müssen zudem größere Futtertiere her."

Es folgen Ausführungen dazu, welche Futtertiere für die verschiedenen Artrn geeignet sind. Und in dem Zusammenhang wird auf eine Besonderheit hingewiesen, die unbedingt beachtet werden muss:

"Nadeln sind Pirschjäger, die sich an ein potentielles Beutetier heranschleichen und dann überraschend zuschnappen.
Der Magen von Nadeln ist kaum dehnbar, die Tiere können daher nicht auf Vorrat fressen. Die Haupt-Todesursache für Nadeln im Aquarium dürfte der Hungertod sein. Man kann Nadeln leider nur sehr schlecht an*sehen, in welchem Ernährungszustand sie sich befinden. Denn genau wie die See*pferdchen haben sie ein knöchernes Außenskelett und sehen daher nie mager aus. Es ist absolut notwendig, Nadeln so zu füttern, dass sie ganztägig Futterorganismen finden. Mit 1-2 Fütterungen mit abgezählten Futtertieren pro Tag kommt man nicht aus. Auch wenn die eine oder andere Nadel lernen mag, tote Futtertiere (Frostfutter, ent*kapselte Artemia-Eier etc.) zu akzep*tieren: darauf verlassen kann man sich nicht!"


Es wird kaum überraschen, dass Nadeln nicht für das Gesellschaftsbecken geeignet sind. Und doch ist es sinnvoll, ihnen einige (natürlich passende) "fischige Mitbewohner" mit ins Becken zu geben. Warum? Nun, auf den Grund kommt man vielleicht nicht sofort von allein, aber er leuchtet ein:

"Die Pflege im Artenbecken ist also grundsätzlich Mittel der Wahl, aber es ist trotzdem sinnvoll, einige klei*ne fischige Mitbewohner im Aquarium zu haben. Der Grund hierfür liegt darin, dass Nadeln einerseits vergleichsweise em*pfindlich auf Wasserverschlechterungen (Schadstoffbelastung, Bakteriendichte, Sauer*stoffgehalt, pH-Wert-Schwankungen etc.) reagieren, andererseits aber über wenig Möglichkeiten verfügen, Unbehagen auszu*drücken. Flossenklemmen, schaukelnde Schwimmbewegungen, Lustlosigkeit beim Fressen, kurz, die ganze Körpersprache mit der ein „normaler“ Fisch dem Aquarianer zeigt, dass ihm etwas nicht passt und eine Katastrophe im Anzug ist, wird von Nadeln nicht betrieben. Am besten pflegt man da*her einige wenige Guppys als Bioindikatoren mit den Nadeln. Je nach Größe der Nadeln wählt man dazu wenige Tage alte, halb*wüchsige oder erwachsene Guppys. Guppys können problemlos auch Brackwasser ver*tragen."

Eine weitere Eigenart der Nadeln muss ebenfalls unbedingt beachtet werden, insbesondere im Krankeitsfall:

"Nadeln können alle Krankheiten be*kommen, die andere Fische auch bekom*men, aber auf eine Besonderheit muss aufmerksam gemacht werden: Niemals dürfen Nadeln hart angefasst werden. Die Haut über dem den Körper umhüllenden Knochenpanzer ist sehr dünn. Kommt es hier zu Quetschungen, stirbt die Haut ab, eine bakterielle Infektion ist die Folge, die prak*tisch immer zum Tod des betroffenen Tieres führt. Besonders gefürchtet ist in diesem Zusammenhang das Absterben der Schwanz***spitze, das eine unaufhaltsame, fortschreitende Nekrose zur Folge hat. Tiere mit diesem Symptomen sind unrettbar verloren."

Dass die Nadeln Brutpflege betreiben, und dass es die Männchen sind, die die Eier in ihrer Bruttasche ausbrüten, hat Hans uns ja schon in vielen interessanten Beiträgen in Wort und Bild nahegebracht. Bemerkenswert ist dabei noch Folgendes:

"Es gibt Hinweise darauf, dass die Eier und Embryonen in der Bruttasche vom Männchen ernährt werden. So paradox es klingt: je schlechter das Männchen während der Trächtigkeit gefüttert wird, desto größer scheinen die Jungen beim Schlupf zu sein. Der biologische Sinn dieses Paradoxons mag darin begründet sein, dass eine Fütterung während der Trächtigkeit dem Männchen das Signal gibt „hier gibt es reichlich Futter, produziere viele und kleine Jungtiere“, indes Hunger während der Trächtigkeit das biologische Signal funkt „wenn Deine Jungen hier durchkommen sollen, müssen sie groß und kräftig sein.“"

Noch mal ein genereller abschließender Hinweis:

"Aus dem bisher Gesagten dürfte schon hervorgegangen sein, dass Süßwassernadeln besondere Aufmerksamkeit verlangen und sich auf gar keinen Fall für irgendwelche Gesellschaftsaquarien eignen. Dennoch ist die erfolgreiche Pflege und Zucht auch Anfängern in der Aquaristik möglich, wenn man nur bereit ist, die sehr speziellen Ansprüche dieser Fische zu erfüllen."

Sodann werden einige Arten in Wort und meist auch Bild vorgestellt:
  • Doryichthys boaja
  • Doryichthys martensii
  • Hippichthys spicifer
  • Microphis brachyurus
  • Ichthyocampus carce
  • Microphis cuncalus
  • Microphis deocata
  • Microphis cf. dunckeri
  • Syngnathoides biaculeatus
  • Micophis lineatus
  • Pseudophallus mindii oder P. brasiliensis
  • Enneacampus ansorgii
  • Enneacampus kaupi
  • Microphis aculeatus
Und schließlich noch ein Literaturhinweis:

"Damit endet dieser Streifzug durch die Welt der Süßwassernadeln. Wer sich intensiver mit diesen Tieren beschäftigen möchte, dem sei Heft 5 der Zeitschrift „Amazonas“ empfohlen, in dem sich viele, sehr lesenswerte Aufsätze zu dem Thema finden."

Das Heft 5 ist auch jetzt noch für nur 3,60 € zu erwerben:

https://www.ms-verlag.de/magazine/am.../16-einzelheft



Gruß
Otocinclus2

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