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Alt 25.12.2020, 16:16  
Otocinclus2
 
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Standard Heft 93 Januar/Februar 2021

Die AMAZONAS ist, wie meistens, ihrer Zeit mal wieder ein wenig voraus und ins nächste Jahrzehnt gestartet: Das Heft 1/2021 ist bereits erschienen.

Titelthema: Chinesische Fische
Subtitelthemen: Apistogramma baenschi, Naturaquarien und Wasserschnecken


In der Rubrik Magazin (Seiten 6 und 7) berichtet der Chefredakteur Friedrich Bitter darüber, dass eine Neue Barbenart aus Indien beschrieben worden ist, nämlich die Nördliche Filamentbarbe (Dawkinisa uttara). Filamentbarbe deshalb, weil ihre Rückenflosse Filamente aufweist. Ein durchaus attraktives Tier, wie auf dem beigefügten Foto zu sehen ist.

Und er will uns auch nicht vorenthalten, dass eine Blinde Krabbe in China entdeckt worden ist. Diese pigmentlose blinde Krabbe wurde in einem Höhlensystem entdeckt und wird z.Z. wissenschaftlich untersucht und vermutlich als neue Art beschrieben.

Zu Tieren in Höhlen gibt es nachher noch mehr.


So, nun geht’s aber mit dem Titelthema los:

Drake Shaw und Nathan Chiang geben uns Eine kleine Einführung: Microphysogobio tafangensis. Auf 6 attraktiv bebilderten Seiten vermitteln uns die beiden Autoren, dass Microphysogobio fafangensis zwar schon 1935 erstmals wissenschaftlich beschrieben worden ist, sich aber erst jetzt anschickt, in der Aquaristik eine Rolle zu spielen. Allerdings ist der Start einer aquaristischen Karriere z.Z. noch etwas gehemmt, denn es gibt aktuell Fangbeschränkungen in den Verbreitungsgebieten, die wohl auch noch einige Jahre andauern werden.

Ohnehin sind aber die Segelflossengründlinge, deren Männchen stark vergrößerte, farbenprächtige Flossen tragen, nicht unbedingt für jeden Aquarianer geeignet. Die Fische stammen aus den relativ kühlen Zuflüssen des Jangtse, schnell fließende, klare Gewässer mit sandigem bis felsigem Grund. Für die rund 12 bis 13 cm groß werdenden Tiere muss man also versuchen, in nicht zu kleinen Becken (mindestens 200 l) entsprechende Verhältnisse zu schaffen.


Drake Shaw macht dann auch gleich weiter und bietet uns nun auf den Seiten 14 - 21 Etwas ganz Besonderes: Höhlenfische in China.

Bizarre Gestalten bekommen wir da zu sehen: Pigmentlose und ganz oder fast augenlose Fische und Garnelen. Der Artikel mag für die Aquaristik wohl nur eingeschränkt gewinnbringend sein (von einigen Spezialisten mal abgesehen), aber es ist ja immer wieder interessant, zumindest gelegentlich auch einmal ein wenig über den Tellerrand hinauszuschauen.


Die Nasengrundeln aus China leben nicht in Höhlen, was sie denn auch gleich mit ihrer durchaus ansprechenden Färbung postulieren. Sie gehören hierzulande zwar nicht zum Standartsortiment, werden aber hin und wieder doch im Handel angeboten, entweder als deutsche Nachzuchten oder als Importe, dann meist aus Honkong.

Wie uns Nathan Chiang auf 8 Seiten näherbringt, ist die Haltung der verschiedenen Arten der Gattung Rhinogobius gar nicht so schwer (auch wenn sie Lebendfutter und Frostfutter bevorzugen und nur selten auch Trockenfutter annehmen), die Zucht aber schon eher. Denn die Jungen der meisten Arten benötigen am Anfang sehr feines Lebendfutter - selbst frisch geschlüpfte Artemien sind da schon zu groß. Infusorien wie Pantoffeltierchen kommen da gerade recht. Aber immerhin: Dann kann auch die Nachzucht gelingen!


Jetzt lassen wir das Titelthema hinter uns und wenden uns anderen Gefilden zu:

Fischnachwuchs - manchmal muss man Geduld mitbringen! Meint jedenfalls Norbert Knaak. Und wer hat ihn da so auf die Folter gespannt? Knaak verrät es uns auf den Seiten 30 - 33 mit relativ knapp gehaltenem Text, dafür aber mit umso mehr aufschlussreichen Bildern: Der Störwels Lamonthichtys llanero war es, der ihm da einiges abverlangt hat. Aber es hat geklappt, und nun sieht er der nächsten Aufzucht schon etwas gelassener entgegen.


Nun zu einem der Subtitelthemen: Naturaquarien und Aquascaping.
Im 1. Teil einer beginnenden Serie erklärt uns Jörg Buhlmann (unterstützt mit Fotos von ADA aus Japan) den Ursprung des Naturaquariums.

In seinen immerhin 8 Seiten umfassenden, attraktiv bebilderten Ausführungen verkennt er dabei keineswegs, dass das, was wir mittlerweile unter dem Begriff Naturaquarium verstehen, nicht die identische 1 : 1 Abbildung eines Ausschnitts eines natürlichen Biotops ist, sondern eine zwar von der Natur inspirierte, aber nach ästhetischen Gesichtspunkten erfolgte Einrichtung eines Aquariums. Entsprechend wortreich fallen seine Erklärungen aus.
Natürlich findet da auch Takashi Amano Erwähnung, den man ja wohl als „Erfinder“ der Naturaquarien bezeichnen darf. Amano hat dabei die japanische Gartenbaukunst auf Aquarien übertragen.
Das verdeutlicht Buhlmann mit einem Foto auf den Seiten 38 - 39 besonders ausdrucksstark: Auf diesem Foto (das tatsächlich rund das untere 3/4 der beiden Seiten einnimmt) sieht man einen sehr großen Raum in Amanos Haus. Der Raum selbst ist ausgesprochen spartanisch eingerichtet: Ein Boden aus Holzdielen, ein großer Tisch aus Holz (an dem Amano sitzt) und ein Aquarium. Mehr nicht.
Eine Wand (wohl eine Längswand) dieses Raumes ist entweder offen oder besteht aus einer vollflächigen, nahtlosen Fensterfront. Im rechten Winkel dazu befindet sich an der Stirnwand dieses Raumes ein riesiges Aquarium (Länge: 4,00 m, Höhe: ca. 1,00 m, Tiefe nicht sicher erkennbar). Der Garten und das Aquarium harmonieren wie eine Einheit.

Man darf wohl auf die nächsten Folgen gespannt sein.


Das nächste Subtitelthema wird von Friedrich Bitter bedient:

Unbeachtet, unbeliebt? Welch harsche Worte!

Und dabei sollte doch jeder Aquarianer wissen, dass Schnecken in jedes Aquarium gehören! Und es müssen (oder sollten!) keineswegs nur die in den letzten Jahren in Mode gekommenen farbenprächtigen und teilweise bizarr aussehenden Renn- und Geweihschnecken oder die Tylomelania-Turmdeckelschnecken sein. Nein - Bitter stellt uns hier Erfahrungen mit heimischen Wasserschnecken vor, nämlich mit Blasenschnecken und Spitzschlammschnecken. Auf den Seiten 44 - 49 erfahren wir, wie wertvoll gerade diese Schnecken für die Beckenbiologie sind. Und das sie optisch kaum weniger attraktiv sind, wie ihre tropischen Geschwister, sehen wir auch - dank einiger sehr schöner Fotos. Man muss manchmal halt ein wenig genauer hinschauen!


Das dritte Subtitelthema wird von Erich Sosna beigesteuert:

Apistogramma baenschi - der Zwerg aus dem Inka-Reich. Auf 4 Seiten erfahren wir viel über seine natürlichen Lebensräume sowie über die Pflege im Aquarium.


Ein weiterer Barsch, allerdings noch kleiner. Und nicht aus Südamerika, sondern aus Asien, und hier speziell Bangladesch: Badis pallidus - Eine Blaubarsch-Rarität aus Bangladesh.
Torsten Kortum stellt uns diese Neuheit (es werden schon seit Jahren immer wieder neue Arten der Gattung Badis beschrieben) auf 3 Seiten in Wort und Bild vor. Dabei lässt er nicht unerwähnt, dass diese hübschen Kerlchen im Aquarium nur mit Lebendfutter überleben können. An Trockenfutter gehen sie nicht, eher verhungern sie.


Kaum bekannt: die „Teufelsangel“ Satanoperca curupira aus dem Madeira-Einzug.
Uwe Werner versucht, unsere von ihm konstatierte Unwissenheit über diesen den Erdfressern zuzurechnenden Buntbarsch zu beheben. Und dabei betreibt er einigen Aufwand. Immerhin 8 Seiten des Heftes nimmt er dafür in Beschlag.
Um ehrlich zu sein: Dass Satanoperca curupirahierzulande kaum bekannt ist, wundert mich nicht. Denn unter all den anderen, hierzulande durchaus schon bekannten Erdfressern, sticht diese Art m.E. nicht besonders hevor.
Aber das sage ja auch nur ich, der Ignorant, der Satanoperca curupiranicht kennt!



Über den BIOTOPE AQUARIUM Contest 2020 berichtet nun Natasha Kardina. Untertitel: Ein neues Fenster in die Natur.

Und ja:

Diese Art von Aquarien darf m.E. schon sehr viel eher die Bezeichnung „Natur-Aquarien“ für sich in Anspruch nehmen, als die oben angesprochenen Aquarien von Amano. Denn hier wird wirklich versucht, einen Ausschnitt aus einem natürlichen Biotop nachzubilden.

Ich will gar nicht verhehlen, dass ein durchgestyltes Scaper-Becken nach Amano-Manier durchaus eine starke Wirkung auf mich entfaltet. Aber die insgesamt 8 Becken, die hier auf den Seiten 66 - 69 vorgestellt werden, sprechen mich doch sehr viel direkter und intensiver an! Wirklich herrliche Becken, wie ich es zugegebenermaßen so noch nie hinbekommen habe.

Mein Tipp: Schon allein um diesen Vergleich ziehen zu können, lohnt sich der Kauf des Heftes für jeden halbwegs ernsthaften Aquarianer. Und dann wird sicherlich jede/r leichter entscheiden können, in welche Richtung sie/er lieber gehen möchte. Wobei natürlich beide Richtungen ihre Berechtigung haben - Warum also nicht beides machen? Wer’s kann!

Vom Becken-Layout wieder zu den Fischen:

Eleganter Räuber in neuem Gewand. Der zu den Killifischen gehörende Streifenhechtling (Aplocheilus lineatus - früher Panchax lineatum) ist schon seit mehr als 100 Jahren in der Aquaristik vertreten, wie Friedrich Bitter uns in der Rubrik 100 plus noch einmal in Erinnerung ruft.

Im neuen Gewand allerdings deshalb, weil im Handel fast nur noch Zuchtformen im Angebot sind, und kaum noch die eigentlich nicht weniger attraktive Naturform (Seiten 70 - 74). Dass der Räuber übrigens durchaus auch schon mal mit Trockenfutter vorlieb nimmt, erfahren wir dort auch.


Kurz vorgestellt werden von Friedrich Bitter dann noch der Dreieckspanzerwels (Corydoras eques), der Kupferpanzerwels (Corydoras duplicareus) und der Stachelaal (Macrognathus pavo).


So, das war es für dieses Mal.
Mein Fazit: Klare Kaufempfehlung für dieses Heft!


Vorschau auf das nächste Heft:
Titelthema: Sommerfischler (nein, kein Druck-/Schreibfehler...)
Subtitelthemen: Buschfische, Lebendfutter und Blaubarsche


Gruß
Otocinclus2

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