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Alt 24.06.2018, 18:57   #1
Algerich
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Standard Dekoration: Farbe und Wirkung

Hallo,

eine Vorbemerkung, die eigentlich gar nichts mit Aquaristik zu tun hat: Vor einiger Zeit habe ich die Wohnung eines Bekannten besichtigt, der die Wände mit einer dunkelbraunen Tapete gestaltet hatte. Zu meiner Überraschung machte das den Raum nicht kleiner, sondern eher weiter, was meine Einstellung zu dunklen Wandfarben durchaus veränderte (nicht freilich meine Einstellung zum Renovieren, aber das ist ein anderes Thema).

Was ich eigentlich fragen wollte: gibt es für die Wirkung von Farben von Dekorationsgegenständen irgendwo fassbare Regeln? Ein Handbuch der Innenarchitektur oder so etwas?

Speziell für das Aquarium geht die allgemeine Tendenz in diesem Forum natürlich zu naturnahen Gestaltungen und Farben, aber dennoch, was ist der optische Effekt von

- rotem, blauem oder schwarzem Gestein auf hellem, dunklem oder farbigem Grund?
- oder abstrakt gefragt: welcher Kontrast (hell/dunkel, warm/kalt, komplementär) hat welche Wirkung auf den Betrachter?
- welche farbliche Umgebung betont welche Wurzelart?
- mit welcher farblichen Umgebung bringe ich eine grüne oder rote Solitärpflanze am besten zur Geltung?
- bei (vor allem bodenorientierten) Tieren: Welche Farbe unterstreicht die Schönheit des Individuums?
- oder im Umkehrschluss: Will das Tier ds überhaupt? Von Garnelen etwa wird berichtet, dass sie sich durch Ihre Farbe tarnen wollen und deswegen vor allem auf dunklem Bodengrund ihre volle Pracht entfaltenm während sie auf hellem Sand eine Tarnung für nicht so wichtig halten und blass bleiben. Wenn das so ist: Fühlen sich Garnelen dort, wo sie sich nicht so sehr tarnen müssen, vielleicht wohler?

Zusammengefasst: Ist das alles Unsinn, was mir durch den Kopf geht, oder lohnt es sich, hierüber nachzudenken?

Beste Grüße!

Algerich

Geändert von Algerich (24.06.2018 um 21:07 Uhr)
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Alt 25.06.2018, 17:06   #2
Fischfan55
 
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Hi!

Naja, bin kein Innenarchitekt, aber eine dunkle Rückwand läßt das Becken tiefer wirken. Wenn dazu noch ein dunkler Bodengrund kommt, wirken auch die übrigen Farben der Pflanzen und Fische sehr viel besser als mit weisser Raufaser hinterm Becken und hellem Sand.
Zudem kommt so eine Einrichtung auch den Bedürfnissen der Fische eher entgegen.

Gruss Gregor

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Alt 25.06.2018, 21:56   #3
Öhrchen
 
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Hi,

ich habe noch einen netten Farbvergleich von Red Fire Garnelen auf braunen, bzw anthrazitfarbenen Bodengrund. Auf letzterem "knallt" die Färbung der Garnelen deutlich mehr.

Click the image to open in full size.

Click the image to open in full size.

Schwarzer Hintergrund muß nicht unbedingt sein, auch eine weiße oder Milchglasfolie kann sehr gut aussehen. Es kommt auf die Bepflanzung an, und natürlich den Besatz.

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Alt 25.06.2018, 22:09   #4
Rainer F.
 
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Hallo,

was letztendlich gefällt ist eine ziemlich individuelle Ansichtssache, die sich durchaus auch mal ändern kann.

Über diese Frage von Dir "Will das Tier das überhaupt?" habe ich sehr lange nachgedacht und tue es noch immer.
Weder wir selbst, noch einer der sogenannten "Experten" auf dem Gebiet der artgerechten Tierhaltung im allgemeinen und in der Aquaristik im speziellen, hat jemals das Tier gefragt was ihm gefällt oder eben nicht. Es ist der Mensch der dies alles festlegt.
Und genau damit habe ich wirklich ein Problem. Gut man kann annehmen, wenn die Fische munter dahin schwimmen und gut fressen und aussehen, dass es ihnen gut geht. Nur ist das wirklich so?
Wenn ich als kleines Beispiel manchmal lese, wer wie oft und wie viel Wasser pro Woche wechselt, dann muss ich schon sagen, dass es dem Fisch in einem sauberen Gewässer in einem Amazonasnebenfluss in der Regel bedeutend besser geht. Da wird er nämlich jede Sekunde von was weis ich wieviel Liter frischem Wasser umspült.

So, bevor ich jetzt noch auf andere Gedanken in diesem Zusammenhang komme, höre ich lieber auf.

Entschuldigt, mein Beitrag ist ein wenig vom eigentlichen Thread abgedriftet und soll keinem sein "Hobby" verderben, höchstens zum nachdenken ein wenig anregen.


Gruss Rainer

Danke: (2)
Rainer F. ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.06.2018, 12:27   #5
Hero
 
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Hallo Algerich,

welche Farbzusammenstellungen "gut wirken" und welche Hintergrundfarben geeignet sind, farbige Pflanzen und auch Fische gut zur Geltung kommen zu lassen, liegt im Auge des Betrachters und ist damit zumindest teilweise subjektiv.

Wenn man "im Auge des Betrachters" wörtlich nimmt, zeigt sich aber, dass es durchaus eine physiologische Ursache für das subjektive Empfinden gibt.
Das menschliche Auge und die Verarbeitung im Gehirn bevorzugen bestimmte Dinge.

Zum einen ist das Auflösungsvermögen beim Helligkeitsunterschieden viel größer als bei Farbunterschieden. Zum anderen werden nicht alle Farben gleich intensiv wahrgenommen. Rot wird ca. 2,5-3 mal intensiver wahrgenommen als Blau und Grün wiederum fast 2 mal so intensiv wie Rot. Rote Schrift auf grünem Hintergrund kann man z.B. auch ohne Rot-Grün-Schwäche sehr schlecht lesen, weil die Helligkeitsunterschiede nicht so groß sind und das geringere Farbauflösungsvermögen die Erkennung von Kontrasten erschwert.
Diese Unterschiede macht man sich z.B. auch bei Bildkomprimierungsverfahren (z.B. JPEG-Komprimierung) zu Nutze.


Gelb-Grüne Töne werden am intensivsten wahrgenommen und das sind genau die Farben die grüne Pflanzen reflektieren. Die Helligkeitswahrnehmung eines grünen Blattes erreicht daher fast 75% eines weißen Blattes. Damit ein Objekt sich vom Hintergrund signifikant abhebt, muss ein signifikanter Helligkeitsunterschied wahrgenommen werden.

Eine grüne Solitärpflanze wirkt daher vor einem dunklen Hintergrund am Besten. Bei Rot kann es sowohl ein dunkler als auch ein heller Hintergrund sein, Blau wirkt vor einem hellen Hintergrund am Besten.


Was das "Wohlfühlen" der Tiere angeht: Die Instinkte der Tiere sind darauf ausgerichtet, dass "oben = hell" und "unten = dunkel". Ein sehr heller, Licht reflektierender, Bodengrund kann Fische durchaus irritieren.
Kleine Fische die sich in relativ flachem Wasser gerne über hellen Sandflächen tummeln werden gegenüber ihren Kollegen, die dunklere Bereiche bevorzugen, von der Natur eher ausselektiert, weil sie gefressen werden.

Auch die Farbgebung der meisten Fische, die wir halten, folgt diesem Schema. Die Oberseite des Fisches ist dunkel, der Bauch hell. Auch das ist eine Anpassung an ein eher dunkles "Unten" und ein helles "Oben".

Kurz zusammengefasst zum Hintergrund/Bodengrund: "Black is beautifull"

Danke: (2)

Geändert von Hero (26.06.2018 um 12:31 Uhr)
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Alt 26.06.2018, 14:49   #6
Algerich
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Hallo,

danke für Eure Antworten, und natürlich dafür, dass Ihr Euch Zeit für mein Problem genommen habt. Die Ergebnisse finde ich sehr interessant. Ein paar Gedanken dazu:

@Rainer:
Du hast natürlich vollkommen recht. Wenn wir für uns in Anspruch nehmen, das Beste für unsere Tiere zu wollen, ist die zentrale Frage diejenige, wie wir denn überhaupt merken, ob das Tier sich wohl fühlt. Der Vergleich mit der Natur ist da vielfach aber nicht immer der beste Weg: ein Gegenbeispiel sind etwa Saisonfische, denen wir unter aquaristischen Bedingungen zumindest ein längeres Leben ermöglichen können.
Und natürlich stimme ich Dir auch weiterhin zu, dass auch die Beckengestaltung einschließlich der Farbthemen zunächst auf das Wohlergehen der Tiere bedacht sein muss.

@Hannes
Danke auch für die Objektivierung des Themas. Natürlich kann man stundenlang völlig unsinnig darüber diskutieren, ob Kardinalfische oder Keilfleckbarben die "schöneren" Tiere sind, oder ob einem ein felsiges Beckenlayout besser gefällt als eine grüne Hölle oder was auch immer. Trotzdem gibt es Regeln, die ihre Ursache entweder wie von Dir geschildert in den organischen Vorgaben des Sehens oder auch in kulturellen Traditionen usw. finden. Deswegen ja auch mein Hinweis auf die Innenarchitektur. Man könnte auch die Werbung nehmen, weil die Auswahl der richtigen Zentralfarbe für ein Produkt offensichtlich von großer Bedeutung ist. Dein Hinweis, dass Kontraste in der Helligkeit sehr viel deutlicher wahrgenommen werden, als solche in der Farbe ist da für mich sehr weiterführend.

@Stefanie
Deine Bilder sind natürlich ein schlagender Beweis. Trotzdem darf ich hier noch einmal nachhaken: "Wirkt" die Garnele auf dem dunkeln Bodengrund kräftiger gefärbt oder "färbt" sie sich trächtiger, weil sie sich dann besser getarnt fühlt? In letzterem Falle bliebe nämlich offen, ob das Tarnen nicht zugleich auch Stress bedeutet.
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Alt 26.06.2018, 16:55   #7
Fischfan55
 
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Hi!
Zitat:
Zitat von Algerich Beitrag anzeigen
Trotzdem darf ich hier noch einmal nachhaken: "Wirkt" die Garnele auf dem dunkeln Bodengrund kräftiger gefärbt oder "färbt" sie sich trächtiger, weil sie sich dann besser getarnt fühlt? In letzterem Falle bliebe nämlich offen, ob das Tarnen nicht zugleich auch Stress bedeutet.
Wenn Du den Beitrag von Hannes richtig gelesen hättest, hätte sich diese Frage selbst beantwortet. Bei dunklem Untergrund ist Tarnung nicht nötig. Wobei ich den terrakottafarbenen Sand auch noch als mäßig dunkel ansehe (habe selbst Granatsand in fast allen Becken, da ich kein Fan des unnatürlich Schwarzen bin ) der den Tieren genügend Sicherheit gibt.
Die Garnelen auf den beiden Fotos zeigen die gleiche normale Farbe, also weder Stress noch Entspannung. Habe jedenfalls bei meinen Red Fire Garnelen noch nie eine Veränderung feststellen können. Aber es gibt Tiere, die sind einfach intensiver gefärbt.

Gruss Gregor
Fischfan55 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.06.2018, 21:52   #8
Öhrchen
 
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Die Garnelen sind gleich intensiv gefärbt, würde ich auch sagen. Man nimmt die Farbe auf dem dunkleren Bodengrund nur besser wahr.

Danke: (1)
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Alt 26.06.2018, 22:19   #9
Algerich
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Hallo,


@Stefanie:
Vielen Dank für die ergänzende Erklärung


@Gregor
ich könnte jetzt beigehen und ein Thema aus dem Forum "Wirbellotse" zitieren, in dem ein "Mehr" an Farbe bei dunkelm Bodengrund für ein "Mehr" an Tarnung angeführt wird, aber um ehrlich zu sein, so etwas wie



Zitat:
Zitat von Fischfan55 Beitrag anzeigen
Wenn Du den Beitrag von Hannes richtig gelesen hättest, hätte sich diese Frage selbst beantwortet.

brauche ich einfach nicht. Bleibe also dabei, meine Lesekompetenz zu bezweifeln und überlege, ob es Dir möglich ist, Dich aus Themen, die ich in der Hoffnung erstelle, sie mögen von allgemeinen Interesse sein, künftig herauszuhalten.


Meinen Dank noch einmal an Rainer, Hannes und Stefanie, und so weit es auf mich ankommt, ist dieses Thema damit auch erledigt.


Beste Grüße


Algerich

Danke: (2)
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Alt 26.06.2018, 22:56   #10
Otocinclus2
 
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Zitat:
Zitat von Fischfan55 Beitrag anzeigen
Wenn Du den Beitrag von Hannes richtig gelesen hättest, hätte sich diese Frage selbst beantwortet. Bei dunklem Untergrund ist Tarnung nicht nötig.

Hallo Gregor,


vielleicht ist meine Lesekompetenz ja auch nicht besonders ausgeprägt, aber offenbart sich da nicht ein Denkfehler von dir?
Denn wenn

Zitat:
Zitat von Öhrchen Beitrag anzeigen
...Red Fire Garnelen auf braunen, bzw anthrazitfarbenen Bodengrund. Auf letzterem "knallt" die Färbung der Garnelen deutlich mehr.
das so ist, ist zumindest in diesem Fall auf dunklem Grund Tarnung nötiger, als auf hellem.


Ob ein Tier auf dunklem Grund besser getarnt ist, als auf hellem, hängt also (wie überraschend!) von der Färbung des Tieres ab!


Gruß
Otocinclus2
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