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Alt 15.03.2018, 00:35   #21
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Standard ISO-Wert und Zusammenfassung Kapitel 1

1.4 ISO-Wert

Heute komme ich zum letzten grundlegenden Parameter, der die Helligekit einer Aufnahme beeinflusst: Der ISO-Wert.

Der ISO-Wert gibt an, wie empfindlich der Sensor auf Licht reagiert. Ein hoher ISO-Wert lässt das Bild heller werden, ein kleiner ISO-Wert macht das Bild dunkler. Früher gab es analoge Filme mit unterschiedlichen ASA-Werten, die so ungefähr den ISO-Werten entsprechen. Früher musste man den Film wechseln, womit dann i.A. keine weiteren Aufnahmen mehr mit dem Film möglich waren, heute kann eine Digitalkamera die Empfindlichkeit von Bild zu Bild frei einstellen.

Mit dem ISO-Wert lässt sich sehr einfach rechnen: Sein Wert ist proportional zur Bildhelligkeit. ISO 800 ergibt also ein achtmal so helles Bild wie ISO 100 und ISO 12800 eine 128-mal so helles Bild.

Auch hier wird wieder in Blendenstufen gezählt (1 Blendenstufe = doppelte Helligkeit):
ISO 50, 100, 200, 400, 800, 1600, 3200, 6400, 12800 etc.

Meistens kann man an der Kamera aber genauso wie bei der Blende auch Zwischenstufen wie ISO 640 oder ISO 5000 einstellen. Mit einem hohen ISO-Wert kann man also auch eine zu kleine Blendenöffnung (hoher Blendenwert) oder eine zu kurze Belichtungszeit kompensieren, um ein ausreichend belichtetes Bild zu schießen.

Hier mal wieder ein Beispiel. Beide Aufnahmen sind frei Hand mit Blende F4, 155mm Brennweite bei ziemlich bescheidenen Lichtverhältnissen aufgenommen. Das erste Bild mit einem ISO Wert von 800 und einer Verschlusszeit von 1/25s. Das zweite Bild mit einer 16-mal kürzeren Verschlusszeit von 1/400s aber dafür mit einem 16-mal so hohen ISO-Wert von 12800.

1/25s, ISO 800
Grundlagen der (Aquarien-)Fotografie-dsc06380.jpg
1/400s, ISO 12800
Grundlagen der (Aquarien-)Fotografie-dsc06382.jpg

Auf den ersten Blick sehen beide Bilder gleich aus und die zweite Aufnahme konnte mit einer sehr kurzen Belichtungszeit gemacht werden. sollte der ISO-Wert also der Schlüssel zu einer ausreichend hellen Aufnahme ganz ohne Nachteile sein ?

Leider nicht ganz. Man kann hier ja nur Fotos mit einer Auflösung von 800x600 Pixeln (0,5 Megapixel) hochladen, die tatsächliche Auflösung des Fotos liegt aber bei 6000x4000 Pixel (24 Megapixel). Ich habe daher aus beiden Bildern einen 800x600 Pixel großen Bereich ausgeschnitten, so dass bei der Anzeige des Bildes auf dem Computer-Monitor, ein Pixel des Bildes auch genau einem Pixel der Aufnahme entspricht. So etwas nennt man einen "100% Crop", da sieht man dann den Unterschied deutlich.

100% Crop, 1/25s, ISO 800
Grundlagen der (Aquarien-)Fotografie-dsc06380_crop.jpg
100% Crop, 1/400s, ISO 12800
Grundlagen der (Aquarien-)Fotografie-dsc06382_crop.jpg

Bei ISO 12800 gehen im Vergleich zu ISO 800 viele Details verloren. die Falten im Elefantenrüssel sind nicht mehr erkennbar, das ganze Bild säuft in einem verrauschten matschigen Pixelbrei ab.
Vorweg sei hier schon mal erwähnt, dass die Aufnahmen mit einer Kamera schon etwas größerem APS-C Sensor gemacht worden sind. Mit einem Handy oder einer einfachen Kompaktkamera mit 1/2,3" Sensor sehen ISO 800 nochmal deutlich matschiger aus, als hier die ISO 12800. Dazu aber im Detail mehr in Kapitel 2 zum Cropfaktor.
Also hilft einem ein hoher ISO-Wert auch nicht ohne Nachteile bei wenig Licht aus der Patsche. Ein kleiner ISO-Wert ergibt ein schärferes Bild mit weniger Rauschen und mehr Details.

Solange man aber nicht in einen ISO-Bereich kommt, bei dem das Rauschen zu groß wird, hat ein höherer ISO-Wert keine weiteren Nachteile. Daher fotografiert man sehr oft mit einer Kameraeinstellung "ISO Auto". Dabei wählt die Kamera automatisch einen passenden ISO Wert, wenn man selbst die anderen Parameter wie Blende und Verschlusszeit vorgibt. die Kamera "weiß" allerdings auch, was sie ihrem Sensor zumuten kann und wählt den ISO-Wert nur innerhalb eines sinnvollen ISO-Bereichs aus. Bei einer einfachen Kompaktkamera z.B. innerhalb von ISO 100-800, bei einer Vollformatkamera aber zwischen ISO 100-6400 oder sogar 12800.
Angehängte Grafiken
Dateityp: jpg DSC06380.jpg (32,2 KB, 46x aufgerufen)
Dateityp: jpg DSC06382.jpg (30,4 KB, 49x aufgerufen)
Dateityp: jpg DSC06380_crop.JPG (207,6 KB, 49x aufgerufen)
Dateityp: jpg DSC06382_crop.JPG (243,0 KB, 48x aufgerufen)

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Alt 15.03.2018, 01:01   #22
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Standard Zusammenfassung Kapitel 1

Zusammenfassung Kapitel 1

Es gibt offensichtlich nicht ein alleiniges Allheilmittel um ein Bild ausreichend hell zu belichten. Wie so oft im Leben macht es die Mischung aus. Ziel ist es, einen goldenen Mittelweg zu finden, bei dem man Blende, Verschlusszeit und ISO-Wert so kombiniert, dass die jeweiligen Nachteile nicht zu groß ausfallen

Eine kurze Zusammenfassung des Bisherigen:

Brennweite:
Bestimmt den Bildwinkel und die Vergrößerung des Motivs. Nebeneffekt: Je größer die Brennweite, desto geringer ist der Bereich der Schärfe. Noch etwas genauer spezifiziert, ergibt sich die Tiefenschärfe aus der Kombination von Motiventfernung und Brennweite. Je dichter ein Motiv sich vor dem Objektiv befindet und je größer die Brennweite ist, desto geringer fällt der Bereich der Schärfe aus. Nachteile: Objektive mit großer Brennweite sind tendenziell groß und teuer und schwächeln am Teleende oftmals bei der Blende.

Blende:
Eine Erhöhung der Blendenzahl um den Faktor 1,4 (= 1 Blendenstufe) reduziert die Bildhelligkeit um die Hälfte. Nebeneffekt: Je kleiner die Blendenzahl, desto geringer ist der Bereich der Schärfe (eigentlich eine coole Sache, aber manchmal stört es auch). Nachteile: Objektive mit kleiner Blendenzahl sind tendenziell größer und teurer.

Verschlusszeit:
Eine Verdoppelung der Verschlusszeit resultiert in einer um 1 Blendenstufe größeren Helligkeit des Bildes. Nachteile: Verwackelung/Verwischen des Motivs.

ISO-Wert:
Eine Verdoppelung des ISO-Wertes resultiert in einer um 1 Blendenstufe größeren Hellikeit des Bildes. Nachteile: Mit zunehmendem ISO-Wert wird das Bild verrauschter und ärmer an Details.

Wie man diese Parameter nun miteinander kombiniert um zu einem befriedigenden Ergebnis zu kommen, bleibt dem Fotografen überlassen und hängt vom Einsatzzweck und Motiv ab.

Dazu gibt es an einer Kamera einen Moduswahlschalter, der neben einer Vollautomatikeinstellung (iA/Auto) auch noch die Modi P, A, S und M aufweist.

Im Modus M (Manual) muss der Fotograf sowohl die Blende als auch die Verschlusszeit manuell einstellen.
Im Modus S (Shutter = Verschlusszeit) legt der Fotograf die Verschlusszeit selbst fest, die Kamera wählt dazu automatisch die passende Blende.
Im Modus A (Aperture = Blende) legt der Fotograf die Blende selbst fest, die Kamera wählt die Verschlusszeit automatisch.
Im Modus P (Programmautomatik) stellt der Fotograf zwar sowohl Blende als auch Verschlusszeit selbst ein, die Kamera korrigiert aber automatisch den jeweils anderen Wert bei einer Anpassung.

Das Ganze kann dann noch mit einer selbst eingestellten ISO-Vorwahl oder eine ISO-Automatik der Kamera kombiniert werden.

Wenn ich z.B. einen L-Wels schön vor dem Hintergrund freistellen will oder mal außerhalb der Aquaristik ein Portrait aufnehmen will, dann gehe ich in den Modus A, weil ich unbedingt selbst eine möglichst kleine Blendenzahl vorgeben will um eine geringe Tiefenschärfe zu erreichen. Den Rest lasse ich die Kamera-Automatik machen.
Will ich hingegen flinke Salmler fotografieren oder einen Hund in vollem Lauf, dann ist mir vorrangig eine kurze Verschlusszeit wichtig, die ich selbst im Modus S vorgebe um eine unverwischte, scharfe Abbildung zu erhalten.

Im Eselmodus (iA) versucht die Kamera anhand des fokussierten Motivs, des Motivabstands und der Brennweite zu "erraten" was ich eigentlich vorhabe und verteilt dann selbstständig Blende, Verschlusszeit und ISO-Wert zu einer meistens passenden Mischung ohne zu gravierende Nachteile. Auf welchen Wert die Kamera dabei ihren Fokus legt, ist ganz unterschiedlich. Teilweise hängt es sogar vom Objektiv ab, wie die Kamera sich entscheidet. Manchmal passt das, manchmal macht die Kamera aber auch etwas ganz anderes, als ich vorhatte.

Zu kameratechnischen Sachen, wie "Blitzen ja/nein/richtig/falsch", Autofokusmodi (AF-S, AF-C), (Teil-)manueller Fokus und Serienbildern komme ich dann später in Kapitel 3. Eventuell schreibe ich da dann auch noch etwas zu Weißabgleich, Belichtungsreihen und HDR.

Im nächsten Kapitel geht es dann um den Cropfaktor und warum es dann doch eine "richtige" Kamera braucht und warum ein Zahlenvergleich von Blendenwerten und Brennweiten zwischen Handy und DSLR ein Äpfel- Birnen-Vergleich ist.

Danke: (3)

Geändert von Hero (15.03.2018 um 01:07 Uhr)
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Alt 15.03.2018, 19:14   #23
Otocinclus2
 
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Zitat:
Zitat von Schneckinger Beitrag anzeigen
Dieser Thread wird auf jeden Fall auch LANGFRISTIG interessant bleiben.

Richtig!
Und sollte deshalb auch "angepinnt" werden!


Gruß
Otocinclus2
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Alt 15.03.2018, 19:29   #24
Otocinclus2
 
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Hallo Hannes,

ich hatte ja schon in meinem Post # 6 angedeutet, dass ich mich seit einiger Zeit ernsthaft mit dem Gedanken trage, mir eine "richtige" Kamera zuzulegen und dann auch innerhalb eines hoffentlich überschaubaren Zeitraums das Fotografieren zu lernen. Deshalb habe ich auch schon versucht, mir einiges an Wissen anzulesen - mit dem Ergebnis, dass Vieles für mich Böhmische Dörfer blieb.

Deine Beiträge zu diesem Thema verbinden aus meiner Sicht nun in geradezu verblüffender Weise Zweierlei:
Ein offenbar vorhandenes profundes Fach- und Praxiswissen, verknüpft mit der Gabe, dieses selbst für blutige Laien (wie mich ) verständlich zu erklären.

Ich habe jedenfalls schon eine Menge hier gelernt und vor allem auch verstanden!

Also bitte weiter so!


Gruß
Otocinclus2
Otocinclus2 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15.03.2018, 20:09   #25
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Standard Cropfaktor Teil 1

2. Der alles relativierende Cropfaktor (Teil 1)

All die im vorherigen Kapitel genannten Zahlen sind allerdings nur miteinander vergleichbar, wenn man sie auf eine Kamera mit einem Sensor mit dem gleichen Cropfaktor bezieht. Bevor ich dazu komme, was das genau ist, fange ich diesmal mit ein paar Bildern an, damit gleich zu Anfang klar wird, wie entscheidend der Cropfaktor ist.

Die Bilder sind alle mit der gleichen Entfernung vom Objekt aufgenommen worden, mit exakt identischen Parametern Blende F3.5, 1/80s, ISO 3200, 28mm KB-äquivalente Brennweite. Von den Zahlen her müsste also das Gleiche dabei herauskommen.

Allerdings haben die drei Kameras, mit denen ich das Bild aufgenommen habe, unterschiedliche Sensorgrößen. Damit nicht jemand denkt, das könnte vielleicht am Hersteller oder dem Baujahr liegen: Die Kameras sind alle von Sony, alle 2014 auf den Markt gekommen und heute auch noch erhältlich. Die Sensorauflösung liegt bei alle Kameras zwischen 20 und 24 Megapixeln.

Die Bilder sind wieder ein 100% Crop, damit Unterschiede besser auffallen. Obwohl das bei diesem Beispiel gar nicht so notwendig wäre. Den Unterschied sieht man auch in der Vollansicht der Fotos deutlich.

Sony HX60V (1/2,3" Sensor)
Grundlagen der (Aquarien-)Fotografie-dsc02903_crop.jpg

Sony RX100 Mark I (1" Sensor)
Grundlagen der (Aquarien-)Fotografie-dsc02917_crop.jpg

Sony Alpha 6000 (APS-C Sensor)
Grundlagen der (Aquarien-)Fotografie-dsc06469_crop.jpg

Um es nochmal extremer zu machen, bin ich mit dem ISO-Wert weiter auf 12800 hochgegangen. Ich nehme damit schon mal den Einfluss der Sensorgröße auf den ISO-Wert vorweg. Alles andere ist so geblieben, die Bilder werden also 4-mal heller. Jetzt sieht das Bild auf der Kamera mit dem kleinen Sensor nicht nur lausig aus, es treten auch erste echte Bildfehler auf Die Kamera mit 1" Sensor schlägt sich noch gut, fängt aber auch schon an, deutlich ausgefranste Kanten zu zeigen. Die Kamera mit APS-C Sensor zeigt sich immer noch relativ unbeeindruckt.

Sony HX60V
Grundlagen der (Aquarien-)Fotografie-dsc02904_crop.jpg

Sony RX100
Grundlagen der (Aquarien-)Fotografie-dsc02919_crop.jpg

Sony Alpha 6000
Grundlagen der (Aquarien-)Fotografie-dsc06471_crop.jpg
Angehängte Grafiken
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Dateityp: jpg DSC02919_crop.JPG (223,2 KB, 48x aufgerufen)

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Geändert von Hero (15.03.2018 um 20:11 Uhr)
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Alt 16.03.2018, 00:48   #26
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Standard Cropfaktor - Brennweite

2.1 Brennweite

Was ist denn nun genau der Cropfaktor ? Zu analogen Zeiten hat man Fotos mit einer Kleinbildkamera noch auf einen Film gebannt. Die belichtete Fläche war dabei auf 36x24mm genormt. Das gilt auch in Zeiten der Digitalfotografie noch als Bezugsgröße und nennt sich Kleinbildformat (KB) oder Vollformat.
Ein digitaler Vollformatsensor hat ebenfalls eine Fläche von 36x24mm.

Als "Cropfaktor" eines Sensors bezeichnet man dessen Größenverhältnis zu einem Vollformatsensor. Ein 6x4mm großer Sensor hat z.B. den Cropfaktor 6, denn seine Ausdehnung ist 6-mal kleiner als die eines Vollformat- oder Kleinbildsensors.

Am einfachsten lässt sich das über die Brennweite erklären. Ich habe dazu mal ein Bild dass die Brennweite mittels einer vereinfachten Lochkameraabbildung zeigen soll. Rot ist dabei der Vollformatsensor mit 36mm Breite und grün der kleinere Sensor mit 6mm Breite. Damit der kleine Sensor den gleichen Bildwinkel abbildet muss er aber viel dichter vor dem Brennpunkt sitzen als der Vollformatsensor. Da die Breite des Sensors nur 1/6 beträgt, beträgt die tatsächliche Brennweite (Abstand Sensor -> Brennpunkt) beim kleinen Sensor auch nur ein 1/6. Im Bild bin ich mal von einer KB-äquivalenten Brennweite von 24mm ausgegangen, die tatsächliche Brennweite des kleinen Sensors ist dann nur 1/6 davon, also nur 4mm.

Grundlagen der (Aquarien-)Fotografie-brennweite_crop..jpg

Die tatsächliche Brennweite des kleinen grünen Sensors ist also nur 4mm, seine KB-äquivalente Brennweite ist entsprechend seinem Cropfaktor von 6 4mm*6 = 24mm. Aus der Grafik sollte auch hervorgehen, warum ein Objektiv mit KB-äquivalenten Brennweite von 24mm am kleinen Sensor 6-mal kleiner ausfällt, als am großen Sensor. Kleine Sensoren haben also auch Vorteile: Die Objektive können deutlich kleiner ausfallen.

Wenn man jetzt den roten Vollformatsensor ebenfalls bis auf 4mm an den Brennpunkt heranschiebt, dann wird nur ein kleiner Ausschnitt des großen Sensors belichtet. Wenn man nun den kleinen Ausschnitt (engl. Crop) mit dem Faktor 6 vergrößert, dann erhält man das gleiche Bild (nur nicht mehr ganz so fein aufgelöst), wie bei 24mm Abstand und Belichtung der ganzen roten Sensorfläche. Cropfaktor kann man also ganz gut mit "Ausschnittsvergößerungsfaktor" übersetzen.

Die KB-äquivalente Brennweite gibt also nicht die tatsächliche Brennweite an, sondern die tatsächliche Brennweite multipliziert mit dem Cropfaktor. Bei Kompaktkameras kann man das oft auf dem Objektiv sehen. Bei einer FZ1000 (auch die fällt unter Kompaktkameras, auch wenn sie nicht wirklich "kompakt" ist) steht z.B. oben auf dem Objektiv in großen gelben Zahlen "25-400" entsprechend eine KB-äquivalenten Brennweite von 25-400mm. Schaut man vorne auf das Objektiv, dann steht dort aber "9,1-146" nämlich die echte Brennweite. 25/9.1 = 2.75 und 400/146= 2.74. Die FZ1000 hat also ungefähr einen Cropfaktor von 2.7.
Bei Kameras mit Wechselobjektiven steht hingegen die echte Brennweite auf dem Objektiv, da man das Objektiv auch an unterschiedlichen Kameras mit unterschiedlichen Sensorgrößen betreiben kann (zur Not mit einem Adapter). Um auf die KB-äquivalente Brennweite, die den Bildwinkel bestimmt, zu kommen, muss man selbst die Brennweitenangabe mit dem Cropfaktor der Kamera multiplizieren.

Am Markt gibt es eine Reihe von verschiedenen Sensorgrößen. Als Beispiel ist z.B. der CX- oder 1" Sensor, wie er auch in der FZ1000 verbaut ist. Er hat die Ausmasse 13,3mmx8,8mm. Teilt man jetzt die die Breite und Höhe eines Vollformatsensors (36x24mm) durch die Werte eines 1" Sensors, dann kommt man auch wieder auf den Cropfaktor. 36/13,3 = 2,7 und 24/8,8 = 2,7.
Wenn man jetzt mal den Satz des Pythagoras bemüht um die Sensordiagonale eines 1" Sensors zu ermitteln, stellt man verwundert fest das "Wurzel aus (13,3 zum Quadrat + 8,8 zum Quadrat)" lediglich 15,95mm ergibt. 1" entspricht aber 25,4mm und nicht 15,95mm. Das rührt daher, dass frühere Fernsehkameras mit Röhren ausgestattet waren in denen sich ein Bildwandler befand. Ein 1" Sensor hat die Größe eines solchen Bildwandlers, der in eine Röhre mit einem Aussendurchmesser von 1" passte. Diese 1" hat man dann für die Bezeichnung der Sensorgrößen genommen. 1" hört sich ja auch besser an als 0,6"

Gängige Sensorgrößen sind:

1/3": Cropfaktor 7.5, ca. 4,8x3,6mm, in vielen Handys auch in den neueren iPhones
1/2,3": Cropfaktor 6, ca. 6x4mm, in besseren Handys und den üblichen Kompaktknipsen
1" (CX-Format, Nikon 1 Format): Cropfaktor 2.7, 13,3x8,8mm, in "Edelkompaktkameras"
MFT (Micro-Four-Thirds), Cropfaktopr 2: 17,3x13,0mm, in DSLMs von Panasonic und Olympus
APS-C: Cropfaktor 1.5, 23,5x15,6mm, in Mittelklasse DSLRs und Mittelklasse DSLMs von Sony
Vollformat: Oberklasse DSLRs und Oberklasse DSLMs von Sony und Fuji

Es gibt auch noch größere Sensorformate, die allerdings nur im Profibereich verwendet werden.

Wir haben in Kapitel 1 ja schon gelernt, dass eine Fläche und nicht ein Durchmesser die Menge des Lichts bestimmt. Das ist auch bei der Sensorgröße zu beachten. Das Quadrat des Cropfaktors bestimmt die Verkleinerung der Fläche des Sensors und damit die "Lichtempfindlichkeit". Folgendes Bild veranschaulicht das ganz gut:

Grundlagen der (Aquarien-)Fotografie-sensorgroessen.jpg
Angehängte Grafiken
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Dateityp: jpg Sensorgrößen.jpg (38,3 KB, 45x aufgerufen)

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Geändert von Hero (16.03.2018 um 01:08 Uhr)
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Alt 16.03.2018, 09:48   #27
Öhrchen
 
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Der Cropfaktor produziert zuverlässig Knoten in meinem Hirn Ich weiß, daß es das gibt, und daß ein großer Cropfaktor eher schlecht ist.

Kannst du mir vielleicht in einfachen Worten erklären, was ein Cropfaktor von 1,5 (Nikon D5500 mit CMOS-Sensor, DX-Format 23,5 mm x 15,6 mm) und einem 18 - 55 DX Objektiv mit dem gewünschten Bild macht?
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Alt 16.03.2018, 10:17   #28
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@Öhrchen:

Der Cropfaktor gibt ja einen Vergleichswert zu einer Vollformatkamera an. Das Nikon 18-55mm Dx Objektiv hat laut Tante G**gle eine Offenblende von F3.5-5.6.

Das bedeutet:
  1. Die KB-äquvalente Brennweite ist nicht 18-55mm, sondern die Werte muss man mit 1.5 multiplizieren. Also 27-82.5mm.
  2. Die Offenblende von F3.5-F5.6 entspricht der Öffnung an einer Vollformatkamera von F5.25-F8.4. Auch diese Werte muss man mit dem Cropfaktor multiplizieren, um zu einer "KB-äquvalenten Blende zu kommen". Das zeigen ich an paar Bildern im kommenden Beitrag "2.2 Blende und Cropfaktor"
  3. Im Vergleich zum Vollfortmatsensor" rauscht" das Bild stärker und zwar um ca. eine Blendenstufe (1.5 ist ungefähr = Wurzel 2). ISO 3200 sehen vom Rauschverhalten auf dem DX-Sensor also ungefähr so aus wie ISO 6400 auf einem Vollformatsensor.

Zusammenfassend kann man sagen, dass ein Cropfaktor von 1.5 einer Verschlechterung von etwas mehr als einer Blendenstufe entspricht. Das ist genau wie mit den Blendenzahlen, ein Faktor von 1.4 bedeutet immer eine Verschlechterung von einer Blendenstufe.
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Alt 16.03.2018, 10:51   #29
Öhrchen
 
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Danke, so langsam kommt etwas Verständnis in meine verknoteten Hirnwindungen

Vor allem das hier hilft weiter

Zitat:
Zitat von Hero Beitrag anzeigen
  1. Im Vergleich zum Vollfortmatsensor" rauscht" das Bild stärker und zwar um ca. eine Blendenstufe (1.5 ist ungefähr = Wurzel 2). ISO 3200 sehen vom Rauschverhalten auf dem DX-Sensor also ungefähr so aus wie ISO 6400 auf einem Vollformatsensor.

Zusammenfassend kann man sagen, dass ein Cropfaktor von 1.5 einer Verschlechterung von etwas mehr als einer Blendenstufe entspricht. Das ist genau wie mit den Blendenzahlen, ein Faktor von 1.4 bedeutet immer eine Verschlechterung von einer Blendenstufe.
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Alt 16.03.2018, 20:07   #30
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Standard Cropfaktor - Blende

2.2 Blende

Wir wissen jetzt, dass man die KB-äquivalente Brennweite durch den Cropfaktor teilen muss, um auf die echte Brennweite zu kommen. Aus Kapitel 1 wissen wir auch, dass die Blendenzahl das Verhältnis von Brennweite zu Blendenöffnung bestimmt. Und zwar das Verhältnis zur echten Brennweite !!!
Wenn die echte Brennweite aber durch den Cropfaktor bestimmt wird, dann hat der Cropfaktor auch den gleichen Einfluss auf die Blendenöffnung.

Eine Blendenzahl von F2 bei einer KB-äquivalenten Brennweite von 24mm ergibt bei einer Vollformatkamera eine Blendenöffnung von 24mm/2=12mm. An einer Kamera mit Cropfaktor 3 ergibt die gleiche Blendenzahl F2 aber eine Blendenöffnung von nur 24mm/3/2=4mm. Das heißt, die Blendenöffnung ist nur so groß wie F6 an einer Vollformatkamera.

Wir können also auch die Blendenzahl mit dem Cropfaktor multiplizieren um auf die entsprechende Blendenzahl am Vollformatsensor zu kommen, die einem gleich großen Loch entspricht. Das wäre dann so eine Art "KB-äquivalente Blende". Dabei würden dann aber Zahlen herauskommen, die sich z.B. bei Handys nicht gut verkaufen lassen. Ein iPhone mit einer "KB-äquivalente Offenblende F13" verkauft sich nicht so gut wie "Offenblende F1.8". F1.8 ist ja auch richtig, wenn man es auf die tatsächlich Brennweite bezieht.
Bezgl. der Bildhelligkeit hat das auch tatsächlich keinen Einfluss. Zwar fällt durch das kleinere Loch an der Kamera mit Cropfaktor weniger Licht. Dieses Licht muss aber auch nur eine kleinere Sensorfläche beleuchten. Die Lichtmenge pro mm² Sensorfläche bleibt also unabhängig vom Cropfaktor gleich.
Ein anderer Effekt der Blende, den wir aus Kapitel 1 kennen, wird aber tatsächlich vom Cropfaktor bestimmt: Es ist die Tiefenschärfe. Daher macht es durchaus Sinn, die Blende mit dem Cropfaktor zu multiplizieren.

Eine Handykamera mit Cropfaktor 5.6 und Blende F2, ergibt eine so große Tiefenschärfe wie Blende F11 an einem Vollformatsensor. Freistellen ist damit kaum möglich.

Zur Veranschaulichung wieder ein paar Bilder. Es sind die Komplettansichten der Fotos aus Post#25 "Cropfaktor Teil 1". Man sieht auch in der Vollansicht das starke Rauschen des kleinen Sensors und die fehlende Dynamik. Es sieht alles etwas flau aus. Daneben bemerkt man aber, dass die Futterdose mit kleiner werdendem Cropfaktor immer besser freigestellt wird.

Alle Bilder mit gleichen Einstellungen F3.5, 1/80s, ISO 3200, 28mm KB-Brennweite, gleicher Motivabstand.

1/2,3" Sensor, Cropfaktor 5.6
Grundlagen der (Aquarien-)Fotografie-dsc02903.jpg

1" Sensor, Cropfaktor 2.7
Grundlagen der (Aquarien-)Fotografie-dsc02917.jpg

APS-C Sensor, Cropfaktor 1.5
Grundlagen der (Aquarien-)Fotografie-dsc06469.jpg

Zusammenfassung: Bezgl. der Tiefenschärfe und der Möglichkeit zum Freistellen sollte man die Blendenzahl genauso mit dem Cropfaktor multiplizieren wie man es bei der Brennweite macht.
Angehängte Grafiken
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Dateityp: jpg DSC02917.jpg (40,7 KB, 39x aufgerufen)
Dateityp: jpg DSC06469.jpg (44,2 KB, 39x aufgerufen)

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