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Alt 07.09.2001, 17:58   #1
Andi_p
 
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Hallo Leute!

Ist es in einem sehr grossen Aquarium möglich, ein fast geschlossenes Ökosystem aufzubauen?
Ich habe mir das in etwa so vorgestellt:
Beckengrösse min. 1500l als Durchflussaquarium, sehr viele Pflanzen, nur ein paar fische (z.b.: 6 Ramirezi).
Bisher nichts aussergewöhnliches, aber jetzt kommt´s:
Das Futter soll in diesem Aq. sozusagen immer wieder selbst "nachwachsen", sodass sich die fische ihr futter selbst fangen und davon auch gut leben können.
Ist sowas überhaupt denkbar oder kompletter blödsinn?
Oder hat vieleicht jemand von euch in diese richtung schon experimentiert?

Was würde sich überhaupt als "sich-selbst-vermehrendes" Lebendfutter für so ein Biotop anbieten? Mückenlarven sind wahrscheinlich eine nicht so gute idee - wenn man die Wohnung nicht voller Mücken haben will. Und nur Wasserflöhe wird mit der Zeit ein wenig einseitig werden?

Auf die idee bin ich deshalb gekommen, weil ja auch in einem Gartenteich-Biotop verschiedene Tiere (Molche, Kaulquappen, ...) leben, ohne dass man sie füttern oder sonst irgendwie eingreifen muß.

Bin schon auf eure Antworten gespannt. :wink:

Grüsse

Andi


Andi_p ist offline  
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Alt 07.09.2001, 18:23   #2
Ralf Rombach
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Andi_p schrieb am 2001-09-07 11:58 :
Hallo Andi,

> Ist es in einem sehr grossen Aquarium
> möglich, ein fast geschlossenes Ökosystem
> aufzubauen?

Geschlossen nein, fast geschlossen eventuell.

> Beckengrösse min. 1500l als
> Durchflussaquarium, sehr viele Pflanzen,
> nur ein paar fische (z.b.: 6 Ramirezi).

Guter Ansatz.

> Das Futter soll in diesem Aq. sozusagen
> immer wieder selbst "nachwachsen", sodass
> sich die fische ihr futter selbst fangen
> und davon auch gut leben können.

Guppies :smile: wäre einen Versuch wert. Mit anderen Tieren ala Mülas oder Wasserflöhen wird es schwieriger. Wasserflöhe könnte theoretisch gehen, aber die reine Lehre der Räuber-Beute-Beziehungen in geschlossenen Systemen schließt das auf Dauer so gut wie aus. Daher eben Tiere verwenden, die selbst nicht als Beute dienen, aber deren nachkommen dann doch eben, deshalb Guppies.

> Ist sowas überhaupt denkbar oder kompletter
> blödsinn?

Kein Blödsinn, das ist ein sehr interessanter Denkansatz und mit Sicherheit verfolgenswert. Probleme werden wohl nur zu Anfang evtl. auftreten, bis Du das System als ganzes verstanden hast und die Rahmenbedingungen richtig eingestellt hast. Du musst ja auch an ausreichende Mengen Futter für die angedachten ramirezies denken.

> Oder hat vieleicht jemand von euch in diese
> richtung schon experimentiert?

Früher schon mal, aber in kleineren Becken, was dann nicht funktioniert hat.

Du musst aber wissen, dass einige Rahmenbedingungen sich IMMER von der Natur unterscheiden werden.
1. Spurenelemente: Du wirst auf Dauer nachdüngen müssen, wenn auch eventuell wenig.

2. Filterung: Für so ein becken bietet sich ein Diffusionsfilter oder ein separates Filterbecken mit mehrstufigem Mattenfilter geradezu an, wenn Du es nicht direkt filterlos betreiben willst, was man auch andenken sollte.

3. Boden: Im Unterschied zur Natur, wo vor allem bei Fließgewässer immer eine wenn auch oft geringe Durchströmung ist, sind die Diffusionsprozesse deutlich langsamer. Auf den Boden muß man über Jahre gesehen, daher immer etwas achten.

> Was würde sich überhaupt als
> "sich-selbst-vermehrendes" Lebendfutter für
> so ein Biotop anbieten?

IMO nur Lebendgebärende.

> Und nur Wasserflöhe wird mit der Zeit ein
> wenig einseitig werden?

Wasserflöhe ist überhauopt nicht einseitiges Futter. In Kombination mit Cyclops gibt es fast nichts besseres.

> Auf die idee bin ich deshalb gekommen, weil
> ja auch in einem Gartenteich-Biotop
> verschiedene Tiere (Molche, Kaulquappen,
> ...) leben, ohne dass man sie füttern oder
> sonst irgendwie eingreifen muß.

Richtig, aber es gibt einen Unterschied. Im Gartenteich sind die Elterntiere der Mückenlarven recht wenig gefährdet durch direkten Fraß. Daher gibt es immer Input von Futter/Biomasse von außen, diese kannst Du im AQ so nicht simulieren, daher muß man auf andere Nahrungsquellen ausweichen.
 
Alt 07.09.2001, 18:32   #3
bongo
 
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Hallo Andi,

die Idee an sich ist sicher gut. Du darfst nur nicht einrichten und nach einer Woche läuft das. Bei uns hier (im Frankfurter Exotarium) haben die ein riesiges Seewasserbecken, das seit 8 Jahren nicht mehr gefüttert wurde, weil Fischbesatz und Wirbellosenbesatz, Pflanzen etc. so ausgewogen aufeinander abgestimmt sind daß alles funktioniert.
Bei einem Süßwasserbecken in der geplanten Größenordnung kann das sicher auch gehen. Ich würde aber im Gegensatz zu Ralf von Lebendgebärenden abraten, da die das ganze Becken überwachsen. Sicher müssen Schnecken rein, Würmer, Planarien, etc. Und Garnelen. Die stellen sicher das Hauptfutter für die Schmetterlinge, während sie selbst was fressen das für die Fische so nicht verwertbar ist. Ich denke wenn man so etwas einrichtet muß es erst mal lange laufen mit Unterstützung von außen bevor es nach frühestens 1 Jahr langsam zu einem nicht gefütterten Becken geändert werden kann.

MfG

Bongo

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bongo ist offline  
Alt 07.09.2001, 18:42   #4
Ralf Rombach
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bongo schrieb am 2001-09-07 12:32 :
Hallo Bongo,

> Bei einem Süßwasserbecken in der geplanten
> Größenordnung kann das sicher auch gehen.
> Ich würde aber im Gegensatz zu Ralf von
> Lebendgebärenden abraten, da die das ganze
> Becken überwachsen.

Nicht unbedingt. Man muß natürlich den Besatz der Räuber (SBB) und den Besatz der Lebendgebärenden aufeinander abstimmen. Hier ist IMO schon ein problem, es müssen viele Jungfische gefressen werden, aber es müssen auch ganz wenige groß werden, um die Mortalität der alten auszugleichen.

> Sicher müssen Schnecken rein, Würmer,
> Planarien, etc.

Richtig.

> Und Garnelen. Die stellen sicher das
> Hauptfutter für die Schmetterlinge, während
> sie selbst was fressen das für die Fische
> so nicht verwertbar ist.

Mmh, da glaube ich nun kaum, daß das auf Dauer gutgeht. Auch hier ist vor allem die Mortalität der Altgarnelen durch eigenen Beckennachwuchs auszugleichen. Wenn man das schafft, kann es doch gut gehen. Überredet :smile:

Warum dann nicht mehrere Wege auch im Sinne eines ausgeglichenen Nahrungsangebotes gehen. Statt Guppies kann man auch Korallenplatys nehmen, die sind nicht ganz so vermehrungswütig.

> Ich denke wenn man so etwas einrichtet muß
> es erst mal lange laufen mit Unterstützung
> von außen bevor es nach frühestens 1 Jahr
> langsam zu einem nicht gefütterten Becken
> geändert werden kann.

Das glaube ich beim Süßwasserbecken nicht. Ich würde durchaus eine erst Einlaufphase von 2 - 3 Monaten kalkulieren, auch gegen Algen auf Wurzeln und Deko sollte man große Toleranzen entwickeln (gutes Jungfischfutter), am schwierigsten denke ist letztlich die Trimmung des Gesamtbesatzes auf Angebot und Nachfrage, dass der Besatz auf Dauer mehr oder weniger konstant bleibt.

Er soll es probieren, seine Erfahrungen protokollieren und hier regelmäßig berichten, aus so einem Projekt mit ausführlicher Datensammlung können wir nur unglaublich viel lernen. Und im Bedarf sind die Daten hier gesichert und wir könnten bei Trimmungsproblemen alle darauf zurückgreifen und Tips geben.

Das ist eine tolle Idee, Andi. Mache es und Du gehst in die Annalen ein :wink:
 
Alt 07.09.2001, 19:08   #5
bongo
 
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Zitat:
Ralf Rombach schrieb am 2001-09-07 12:42 :

zu Garnelen:
Mmh, da glaube ich nun kaum, daß das auf Dauer gutgeht. Auch hier ist vor allem die Mortalität der Altgarnelen durch eigenen Beckennachwuchs auszugleichen. Wenn man das schafft, kann es doch gut gehen. Überredet :smile:

Also ich glaube das schon: es gibt etliche kleinbleibende Neocaridiniaarten, die sich sehr gut vermehren. Auch Hyalella azteka sei hier genannt.
Es müssen natürlich schon viele sein und viele dichte Pflanzenpolster. Bei mir im großen Becken (160 60 60) schaffen es 2 Paare A. agassizi, 6 Altumskalare und 8 L 134 nicht, die mitbewohnenden H. azteka und die Hummelgarnelen auszurotten (allerdings wird zugefüttert). Was passiert wenn die Schmetterlinge nicht hinterkommen mit fressen? Nichts, denn die Garnelen ernähren sich von Algen, abgestorbenen Pflanzen, abgestorbenen Tieren. Wenn aber die Lebendgebärenden überhand nehmen ists aus mit der Nichtfütterung.
Außerdem passt das ganze Wasserchemisch nicht so doll.

zum einlaufen:
Das glaube ich beim Süßwasserbecken nicht. Ich würde durchaus eine erst Einlaufphase von 2 - 3 Monaten kalkulieren, auch gegen Algen auf Wurzeln und Deko sollte man große Toleranzen entwickeln (gutes Jungfischfutter), am schwierigsten denke ist letztlich die Trimmung des Gesamtbesatzes auf Angebot und Nachfrage, dass der Besatz auf Dauer mehr oder weniger konstant bleibt.

Nun hier ists wirklich schwierig Anhaltspunkte zu geben. Hilfreich sind sicherlich nächtliche Expeditionen mit der Taschenlampe und z.B. rein biologische Kontrolle indem man ein Büschel Moos oder Algen komplett entnimmt und per Lupe oder besser Mirkroskop mal nachsieht wie es da drinnen auschaut.


>>>Das ist eine tolle Idee, Andi. Mache es und Du gehst in die Annalen ein :wink:<<<

Ja Andi, mach mal. Und führe genaustens Buch.
MfG

Bongo

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Alt 07.09.2001, 19:22   #6
Nelly
 
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hallo leute!

ich find das ganze projekt total klasse! wenn das funktioniert lad ich das ganze forum auf bacardi breezer ein!

aber ich hab ne frage, vielleicht hab ichs nur nicht mitgekriegt, aber ihr wollt doch guppies oder anderen leb.geb. als futter für die SBB nehmen, richitg? und was fressen die guppies?
Nelly ist offline  
Alt 07.09.2001, 19:35   #7
Ralf Rombach
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Nelly schrieb am 2001-09-07 13:22 :
hallo Nelly,

> bacardi breezer ein!

Wow, komme sofort :smile:

> und was fressen die guppies?

Algen, Pflanzen, die finden in so einem Becken alles was sie brauchen, glaube mir. :smile:
 
Alt 07.09.2001, 19:40   #8
Nelly
 
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poah ey, ich bin begeistert!
Nelly ist offline  
Alt 07.09.2001, 19:49   #9
Andi_p
 
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Hallo Ralf, Hallo Bongo!

Vielen Dank erstmal für eure Tipps!
Was ihr schreibt, ist durchaus nachvollziehbar, aber sicher nicht ganz einfach zu verwirklichen.
Zusätzlich wird es sicher eine ganze Weile und sehr viel Geduld brauchen, das Gleichgewicht zwischen Nahrungsangebot und -nachfrage zu finden.
Wenn ich mich dazu entschließe, das "Experiment" zu versuchen, werde ich natürlich laufend berichten!

Ich bin aber noch ein bisschen skeptisch, ob ich mich da nicht zu weit aus dem Fenster lehne, nachdem ich ja noch nicht zu den sooooo erfahrenen Aquarianern zähle.
(zumindest noch nicht, aber sollte das ganze funktionieren, dann.....).
Auf jeden Fall kann ich ja auf euer aller Hilfe zählen, wenn es problemchen gibt - stimmts :wink:

Aber vieleicht gibt es ja doch schon jemanden, der sowas breits erfolgreich probiert oder noch laufen hat - dies wäre natürlich besonders hilfreich für den Anfang.
Ich bin auf jeden fall noch zuversichtlich, dass sich jemand melden wird!

Übringens: Hätte nicht gedacht, dass ich mit dieser idee auf soviel zustimmung stossen werde - bin sehr erfreut!

liebe grüsse

Andi
Andi_p ist offline  
Alt 07.09.2001, 20:04   #10
Ralf Rombach
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Andi_p schrieb am 2001-09-07 13:49 :
Hallo Andi,

> Ich bin aber noch ein bisschen skeptisch,
> ob ich mich da nicht zu weit aus dem
> Fenster lehne, nachdem ich ja noch nicht zu
> den sooooo erfahrenen Aquarianern zähle.

Das hat mit erfahren wenig zu tun, sondern mit viel Beobachtung, viel Nachdenken, viel Gefühl, (so blöd wie sich das anhört), aber ich denke, das wirst Du schaffen.

Entschließe Dich erstmal in die Richtung und über die Details reden wir dann später. Vielleicht starten ja einige hier Parallelversuche :smile: Die Unterstützung ist Dir auf jeden Fall sicher.
 
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