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Alt 20.06.2001, 15:45   #1
Thomas K.
 
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Liebe Aquarianergemeinde :smile:,

auf Anregung von Karl-Heinz, mit dem ich vor einiger Zeit einen kurzen email-Verkehr zum Thema hatte, und auf Petras Anfrage im Pflanzen-Thread "Wer kennt Barrier Plants Gelements?" möchte ich kurz meine Erfahrungen mit Tee im Aquarium schildern und Euch anregen, Eure Bemerkungen dazuzusetzen.

Karl-Heinz, wenn Du einverstanden bist, werde ich ein paar Passagen aus Deinen damaligen mails einfügen *fragend-schau*?

Also: angeregt hat mich ein Beitrag in irgendeinem Forum, wo die angeblich wundersamen Eigenschaften von Schwarztee in der x-ten Verdünnung auf y Liter Aquarienwasser propagiert wurden.

Warum überhaupt Tee, wo man so schon nicht genau weiß, was da alles im Aquarienwasser passiert? Ich kann mich Karl-Heiz' Empfehlung, die Sache mit dem Tee nur auszuprobieren, "wenn man sein Aquarienwasser im Griff" hat, nur anschließen. Wieso? Weil die kurzfristigen Auswirkungen v.a. der sog. Sekundärstoffe nicht wie bei z.B. Torf (Tendenz: ph sinkt, KH sinkt) pauschal prognostiziert werden können. Auf Deutsch: es könnte also alles mögliche passieren.

Nachgewiesen scheint die adstringierende (zusammenziehende), bakterizide und fungizide Wirkung der im Tee enthaltenen Gerbstoffe, außerdem ist nach K.-H. Vitamin C in hitzebeständiger Form enthalten, dessen fischphysiologische Wirkung in einem breiten pH-Bereich nachgewiesen ist.

[Adstringierend:
A. wirkende Mittel (Adstringentien) sind für die Anwendung auf Haut und Schleimhäuten (z.B. Wunden) vorgesehen. Sie reagieren mit Eiweiß der oberen Haut- bzw. Schleimhautschichten, führen zu deren Verdichtung und bilden so ein fest zusammenhängendes "Häutchen" (Membran). Sie wirken u.a. dadurch entzündungshemmend,
antibakteriell, austrocknend und blutstillend.]

Tee hat - sowohl bei Karl-Heinz als auch bei mir - keine meßbaren Auswirkungen auf Nitrit/Nitrat, d.h. die betreffenden Bakterien "funktionieren" also weiter.

Karl-Heinz stellte eine drastische algenmindernde Wirkung bei Teeeinsatz fest, und auch bei mir - obwohl ich keine diesbezüglichen Probleme habe - glaub' ich bemerkt zu haben, daß die scheinbar unvermeintliche Besiedelung der Frontscheibe mit Algen in weniger schnellem Maße vonstatten geht, seit ich Tee einsetze.

Bei neuen Wurzel, die beim Ersteinsatz im Aquarium oft eine schimmelpilzartige Flaumschicht bilden, so wie das oft im Forum anklingt, hat K.-H. feststellen können, daß durch Tee die Bildung diese Belages verhindert wird, wollte das aber noch weiter untersuchen (Karl-Heinz, wie ist da der Stand?).

Auf meine Fische scheint der Tee keine wirklich sichtbaren Auswirkungen zu haben, sie fühlen sich im allgemeinen wohl und zeigen ihre Farben gut und deutlich - also erstmal nix negatives.

Ich habe in meinem Becken - wo keine Notwendigkeit war, Tee aufgrund irgendeines Mißstandes anzuwenden - den 3. Aufguß von nicht aromatisiertem grünem Tee eingesetzt. Der Tee wurde dabei mit 3 Teelöffeln pro 1 Liter Wasser angesetzt (3. Aufguß nur 3 min ziehen lassen), diesen Liter verteilte ich dann frisch auf ca. 200 Netto-Liter Aquarienwasser - kalt natürlich... :smile: Ich gebe jeden dritten Tag einen Liter zu, mache in der Zeit auch jeden Tag einen Wasserwechsel von ca. 25 Litern.

Es bietet sich der besseren Durchmischung wegen an, den Tee am Filtereinlauf / Strömungspumpe o.ä. einzugießen.

Die Vermutung, man würde sein Wasser durch die dem Tee eigene Färbung "colorieren", hat sich bei mir so nicht bestätigt: einerseits ist mein Wasser eh' schon bräunlich, andererseits ist die Verdünnung so stark, daß es keine Färbung geben müßte.

Im allgemeinen gilt auch hier: weniger ist mehr, nachdosieren geht immer, wenn das Kind aber erst mal in den Brunnen gefallen ist, wenn man zu viel reinschüttet...

Also, solltet Ihr ähnliche oder abweichende Feststellungen gemacht haben, vielleicht können wir noch ein paar Bemerkungen zusammenstellen.

Als Link zum Thema kann ich http://www.talknet.de/~kremser/Extrakte/TeeXtrakt.html empfehlen.


Es grüßt aus dem bewölkten Dresden, wo ab und zu die Sonne durchbricht

Thomas K.
Thomas K. ist offline  
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Alt 20.06.2001, 16:08   #2
Nelly
 
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und was ist mit mineralwasser??

ich hab irgendwo die verrückte theorie gehört, mineralwasser im AQwasser täte den fischen gut. :roll:

kann das stimmen??
ich weiß nicht recht...
Nelly ist offline  
Alt 20.06.2001, 16:20   #3
Thomas K.
 
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Hallo Nelly,

das kommt auf die Fische an. Im allgemeinen gilt: Mineralwasser hat meistens viel zu hohe Nitratwerte, Calcium- und ...-werte, etc.; außerdem müßte für konstante Bedingungen im Aquarienwasser kontinuierlich nachgegossen werden...

Ich lehne Mineralwasser ab, das hat im Aquaium m.E. nichts zu suchen.

Gruß, Thomas K.
Thomas K. ist offline  
Alt 20.06.2001, 17:03   #4
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finde auch, dass mineralwasser eine schlechte idee ist. keine ahnung, wem das wieder eingefallen ist!

Click the image to open in full size.

lg, nelly
Nelly ist offline  
Alt 20.06.2001, 17:26   #5
hdo
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>außerdem ist nach K.-H. Vitamin C in hitzebeständiger Form enthalten<

Kann ja sein das K.H. das gesagt hat. Aber hat der das auch wissenschaftlich belegt?????
Mir persönlich -pharmakologisch bedingt geschult :smile: wäre die Tatsache neu, daß aufgebrühter Tee in nennenswerten Mengen Vit. C enthielte.....

Dirk O.
 
Alt 20.06.2001, 18:30   #6
Thomas K.
 
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Hallo Dirk,

im Pflanzen-Beitrag "Wer kennt Barrier Plants Gelements?" nachzulesen: Quelle für diese Aussage ist eine Anglerzeitschrift, welche, weiß ich nicht, bleibt bei Karl-Heinz nachzufragen.

Wenn Du pharmakologisch (vor-)gebildet bist, könntest Du Dich doch mal um ein paar Informationen bzgl. der Hitzebeständigkeit von Vitamin C kümmern :smile:, soll ja ein Sammelsurium von Erfahrungen und Meinungen werden - positiv wie negativ...

Gruß, Thomas K.
Thomas K. ist offline  
Alt 20.06.2001, 18:38   #7
Petra
 
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Vielen Dank für die ausführliche Beschreibung! Ich probier das jetzt aus und in einer Woche oder so teile ich Euch mit, ob ich irgendeine Veränderung bemerke... muß jetzt ein bißchen schnell gehen bei mir, weil ich nicht weiß, wie lange das die Pflanzen in meinem 60l Becken noch aushalten mit den Algen! :cry:

Grüßli

Petra

Petra ist offline  
Alt 20.06.2001, 23:31   #8
hdo
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Hallo Thomas,

>Wenn Du pharmakologisch (vor-)gebildet bist, könntest Du Dich doch mal um ein paar Informationen bzgl. der Hitzebeständigkeit von Vitamin C kümmern<

der Herstellungsprozeß von Tee läßt nicht zu, daß da noch groß Ascorb.-säure drin ist. Da brauch ich mich um die Hitzebeständigkeit nicht weiter zu kümmern :smile:

Gruß
Dirk O.
 
Alt 21.06.2001, 01:09   #9
Oliver W.
 
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Hier alles, was ich über Ascorbinsäure im Römpp finden konnte. Kann sich ja jeder das rauspicken, was er braucht:

L-Ascorbinsäure

[(R)-5-[(S)-1,2-Dihydroxyethyl]-3,4-dihydroxy- 5H- furan- 2- on, Vitamin C].



C6H8O6, MG. 176,12. Farblose, rechtsdrehende, sauer schmeckende Krist., D. 1,65, Schmp. 192° (Zers.), Schmp. der (±)-A. 169°, leicht lösl. in Wasser, gut in Alkohol, unlösl. in Ether, Petrolether, Chloroform, Benzol sowie in Fetten u. fetten Ölen. L-A. ist ein Endiol u. wirkt als Redukton stark reduzierend. L-A. ist wärmeempfindlich u. wird insbes. in Ggw. von Schwermetall-Spuren (bes. Cu) sowie in alkal. Milieu durch Licht u. Luftsauerstoff zersetzt, in reinem, trockenem Zustand ist sie dagegen relativ beständig gegen Licht, Luft u. Wärme. Mit Metallen bildet L-A. stabile Salze, als vinyloge Säure mit Fettsäuren Ester, z.B. Ascorbylpalmitat (in Fetten, Ölen u. org. Lsgm. lösl., sintert bei 112°).

Nachw.: Durch Redox-Titration, durch Polarographie, durch Dünnschichtchromatographie, durch Photometrie nach Dehydrierung zu Dehydro-L-ascorbinsäure [C6H6O6, MG. 174,12, Schmp. 225° (Zers.), liegt im Kristall als dimeres Kondensationsprodukt des inneren Hemiacetals vor] u. deren Überführung in das Osazon mittels 2,4-Dinitrophenylhydrazin od. nach Kupplung mit diazotiertem 2-Nitroanilin. Bestimmung in biologischen Flüssigkeiten mit HPLC s. Lit. .

Vork.: In allen höheren Pflanzen u. Tieren, bes. reichlich in Acerola, Citrusfrüchten, Hagebutten, Sanddorn, Erdbeeren, Schwarzen Johannisbeeren, Spinat, Paprikaschoten, Meerrettich, Petersilie, Leber. In Kohlgemüse ist L-A. in Form von Ascorbigen [C15H15NO6, MG. 305,28, Schmp. 65° (Ascorbigen A) bzw. 70° (Ascorbigen B)] gebunden. Dieses zerfällt beim Erhitzen in Ggw. verdünnter Säuren in L-A. u. Indol, weshalb z.B. gekochter Kohl mehr L-A. enthalten kann als das Rohgemüse. Allerdings geht ein mitunter beträchtlicher Teil der in Nahrungsmitteln enthaltenen L-A. bei der Lagerung od. Zubereitung verloren. Im menschlichen Körper ist L-A. unterschiedlich konzentriert (jeweils in mg/kg): Gehirn 150, Hypophyse 150, Augenlinse 250, Nebenniere 400, Pankreas 150, Leber 150, Niere 50 u. Herzmuskel 50. Der Gehalt ist bei der Geburt am höchsten u. sinkt im Alter ab. Im Serum liegen ca. 20% der L-A. als Dehydro-L-ascorbinsäure vor. Das peroral verabreichte Vitamin C passiert den Magen unverändert; es wird durch die Darmwand aufgenommen u. im Körper durch Oxidation teilweise abgebaut.

Der Abbau erfolgt über 2,3-Dioxo-L-gulonsäure zu Oxalsäure u. L-Threonsäure, die wiederum zu L-Weinsäure oxidiert wird. Die Halbwertszeit der Ausscheidung der L-A. u. ihrer Abbauprodukte, die bei niedrigen Dosen als Kohlendioxid, bei hohen aber zum größten Teil über den Harn u. nur zu 5% über die Lunge (als CO2) stattfindet, beträgt beim Menschen im Mittel 16 Tage. Der Umsatz ist bei Rauchern deutlich erhöht, u. die Körperreserven sind verringert. Für Menschen, Affen, Meerschweinchen, fliegende Säugetiere, Wanderheuschrecken u. andere Insekten ist L-A. aufgrund eines Defekts der L-Gulono-g-lacton-Oxidase (EC 1.1.3. essentiell, d.h. ein Vitamin, das nicht synthetisiert werden kann. Bei Tieren geht die Biosynthese von D-Glucose aus u. verläuft über D-Glucuronsäure, L-Gulonsäure-g-lacton u. 2-Oxo-L-gulonsäure-g-lacton. In Pflanzen finden zwei kompliziertere, miteinander konkurrierende Synthesefolgen statt, die von D-Glucose u. D-Galactose ausgehen. Im Organismus bilden L-A. u. Dehydro-L-A. mit Hilfe der Kupfer-haltigen Ascorbinsäure-Oxidase (EC 1.10.3.3) ein Redoxsystem, das für einige Sauerstoff-abhängige Hydroxylierungen benötigt wird, z.B. bei der des L-Prolins in Kollagen u. der des Dopamins zu L-Noradrenalin. L-A. wirkt im Serum als Antioxidans. Näheres zur Rolle der A. s. bei Vitamin C, wo auch auf die A.-Mangelerscheinungen eingegangen wird; die typische C-Avitaminose ist der Skorbut, von dem die A. ihren Namen hat.

Herst.: Nach einem ursprünglich von Reichstein 1934 entwickelten mikrobiol. Verfahren wird D-Glucose zunächst zu Sorbit hydriert u. dieses bakteriell zu L-Sorbose oxidiert. Diese Ketose wird über ihr Bis-O-isopropyliden-Deriv. in das der 2-Oxo-L-gulonsäure u. dieses mit Säuren in L-A. überführt. Diese bis heute unübertroffene Synthese wird technisch mit Ausbeuten von 66% (über alle Stufen zusammen) angewendet.

Verw.: Als Antioxidans für techn., vor allem aber für lebensmitteltechn. Zwecke. Die Nützlichkeit hoher A.-Dosen gegen Schnupfen u. gegen Krebs wird immer noch angezweifelt. Positive Auswirkungen auf Wundheilung u. Immunsystem sind vorhanden.
Lit.: 1*Anal. Biochem. 123, 389–393 (1982).
allg.: Beilstein V 18/5, 26 ï Kirk-Othmer (3.) 24, 8–39 ï Third Conference of Vitamin C (Ann. N. Y. Acad. Sci. 498), New York: N. Y. Acad. Sci. 1987.


E L-ascorbic acid
F acide ascorbique
I acido L-ascorbico
S ácido ascórbico
Z 2936.27
CAS 50-81-7



Das in diesem Stichwort vorhandene Bild finden Sie auf der CD unter folgendem Pfad:
WMF1FORMELNT02B106029.WMF (Formel)


Quelle: CD Römpp Chemie Lexikon – Version 1.0, Stuttgart/New York: Georg Thieme Verlag 1995

Oliver W. ist offline  
Alt 21.06.2001, 01:13   #10
Oliver W.
 
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Wo ich schon mal dabei war, hier noch mal alles über Tee und dessen Inhaltsstoffe:

Tee

Nach den Leitsätzen stammt T. ausschließlich aus Blättern, Blattknospen u. zarten Stielen des T.-Strauches (Camellia sinensis Linnaeus, O. Kuntze), die nach den üblichen Verf. wie Welken, Rollen, Fermentieren, Zerkleinern u. Trocknen bearbeitet werden. Daneben kennen die Leitsätze aromatisierten T., T.-ähnliche Erzeugnisse (s. Tee-Ersatz), T.-Extrakte u. Kombinationen dieser Erzeugnisse. Zutaten u. Zusatzstoffe sind bis auf die Verw. von Aromen, Fruchtsäfte, aromagebende Trinkbranntweine u. Natriumhydroxid bzw. Rieselhilfsmittel (nur für T.-Extrakte) nicht üblich. Die Beschaffenheitsmerkmale der einzelnen T.-Sorten sind dem Abschnitt IC, die Bez. u. bes. Angaben dem Abschnitt I. D bzw. II. A u. B der Leitsätze zu entnehmen. Danach ist Schwarzer T. ein fermentierter T., dessen Blätter nach den üblichen Verf. (s. bei Technologie) bearbeitet wurden. Oolong-Tee ist ein halb fermentierter T., dessen Blätter nach Welken u. Rollen nur die Hälfte der sonst üblichen Zeit fermentiert u. anschließend getrocknet werden. Grüner T. ist ein unfermentiertes Erzeugnis, dessen Blätter blanchiert, gerollt u. unter Erhalt der natürlichen Blattfarbstoffe getrocknet werden. Grüner T. liefert helle, klare bitter schmeckende Aufgüsse, die in Japan u. China (Haupterzeugerländer) mit Orangen-, Rosen- od. Jasminblüten aromatisiert werden. Für die Qualität des grünen T. spielt der Erntezeitpunkt eine entscheidende Rolle; die beste Qualität läßt sich im April u. Mai erzielen.

Botanik: Von den beiden Arten Camellia sinensis (Thea sinensis) u. Thea assamica werden v.a. Hybriden der letzteren weltweit kultiviert, während Thea sinensis hauptsächlich in China u. Japan angebaut wird. Der T.-Strauch ist in Ostindien beheimatet; er wird heute in großem Umfang in China, Japan, Sri Lanka, Indien, Pakistan, Indonesien, Taiwan, Ostafrika u. Südamerika angebaut. In der Wildnis wächst der T.-Strauch zu einem bis zu 15*m hohen Baum heran; in den T.-Kulturen läßt man ihn nur 60–150*cm hoch werden, um die Blätter bequemer ernten zu können. Der aus Samen, zunehmend auch aus Setzlingen gezogene T.-Strauch liefert nach 4–5 Jahren die erste Ernte; er kann im Durchschnitt 60–70 Jahre lang genutzt werden. Das Pflücken der weißlich behaarten Blattknospen (pekko = Silberhaar, zu chines.: pek = weiß u. ho = unten; daher die Bez. Pekoe für verschiedene Teesorten) u. jüngsten Blätter erfolgt je nach Lage u. klimat. Verhältnissen 8–9 Monate im Jahr od. das ganze Jahr hindurch alle 8–10 Tage. Wie in anderen landwirtschaftlichen Kulturen gibt es auch bei der T.-Ernte Bestrebungen, die sehr mühevolle u. arbeitsaufwendige manuelle Ernte zu mechanisieren.

Technologie: Die technol. Aufbereitungsschritte des T. finden im Gegensatz zum Kaffee in den Erzeugerländern statt. Die orthodoxe Produktion umfaßt die Schritte Welken (12–18*Std. in Welktunneln, Verminderung des Feuchtigkeitsgehaltes um 30%), Rollen, Fermentieren, Trocknen u. Sortieren. Beim Rollen werden die Zellwände des T.-Blattes durch gegeneinander kreisende Metallplatten aufgebrochen u. das anschließend erhaltene verklumpte Blatt („ballbreaker“) abgesiebt. Der Feinanteil („1. Dhool“) geht direkt in die Fermentation, während der Rest noch ein zweites u. drittes Mal gerollt u. gesiebt wird („2. u. 3. Dhool“). Im Verlauf der ca. 2–3 stündigen Fermentation, die von Oxid.- u. Gärungsprozessen des beim Rollen ausgetretenen Zellsaftes begleitet ist, verfärbt sich das T.-Blatt kupferrot. Das Coffein wird in eine besser wasserlösl. Form gebracht u. der Gerbstoff-Gehalt reduziert. Auf dem Höhepunkt der Fermentation wird das T.-Blatt für 20–22*Min. (85–88°) getrocknet (Feuchtigkeit ca. 6%). Durch Sortieren über Siebe unterschiedlicher Maschenweite erhält man Blatt-Tee, Broken-Tee, Fannings u. Dust. Neben der beschriebenen orthodoxen Herstellungsweise ist die CTC-Produktion (Crushing, Tearing, Curling; Zerbrechen, Zerreißen, Rollen), die erheblich schneller verläuft u. hauptsächlich Fannings liefert, etabliert .

Handelssorten: Die Handelssorten von Schwarzem Tee werden unterschieden in (Flowery) Orange Pekoe (Blattknospen u. die beiden jüngsten, silberbehaarten Blätter mit gelblichweißen Spitzen, (s. ALS-Beschluß ), Pekoe (die dritten Blätter), Pekoe Souchong (die vierten bis sechsten Blätter), außerdem Broken (gebrochene od. geschnittene Blätter der obigen Sorten), Fannings (Blattbruch u. Flaum ohne Stengel u. Stiele, bes. für Aufgußbeutel), Dust (Teestaub) u. Ziegeltee (mit Bindemitteln in Formen gepreßter T.-Staub). Die höchstwertigen Sorten stammen aus Darjeeling am Himalaja u. dem Hochland von Sri Lanka. Durch Mischungen entstehen die verschiedenen Geschmacksrichtungen (Chines., Russ., Ostfries. T.), die auch den Wasserverhältnissen angepaßt sein müssen – die Härte des Wassers hat einen erheblichen Einfluß auf die Qualität des T.-Aufgusses. Wie Kaffee wird auch T. zu Instant-Produkten verarbeitet. Beliebt sind sog. Aromatees, die, im Gegensatz zu den oben erwähnten Geschmackssorten, Mischungen von Schwarzem T. mit fruchtig-herben bis süß-exotischen Aromazusätzen sind; Beisp.: Bergamott(e)öl (Toxikologie) (Earl Grey), Mango, Passionsfrucht, Schwarze Johannnisbeere, Vanille, Kirsche, Orange, Apfel od. Zitrone. In Südamerika wird statt des Schwarzen T. der ebenfalls Coffein-haltige Mate bevorzugt. Ein Coffein-freier T. ist der in Südafrika beliebte Rooibos-Tee (zur Aroma-Zusammensetzung s. Lit. ), der aus einer Leguminose gewonnen wird.

Chemie, Physiologie u. Toxikologie: Die chem. Zusammensetzung der T.-Blätter schwankt je nach Herkunft u. Behandlung beträchtlich; im Durchschnitt enthält Schwarzer T. 18,9% Catechine u. Catechin-Gerbstoffe, 16,6% Proteine, 2,7% Coffein, 10,2% andere Stickstoff-Verb., 4,6% Oligosaccharide, 0,6% Stärke, 11,9% Pektin, 7,9% Cellulose u. 6,1% Lignin. Frische Blätter weisen im wesentlichen die gleiche Zusammensetzung auf, enthalten jedoch mehr Catechine (26%), weniger Stickstoff-Verb. (8,7%, bei gleichem Coffein-Gehalt ) sowie 0,8% Inosit. Außerdem sind in T. noch relativ viel Oxalsäure u.a. Fruchtsäuren enthalten, ferner Spurenelemente, darunter bes. viel Mangan, Kalium u. Fluor. T.-Blätter gehören zu den Fluor-reichsten Pflanzenprod., die vom Menschen genutzt werden. In den Polyphenol-Gerbstoffen finden sich neben den zu 80% vorhandenen Catechinen [Hauptbestandteil Galloyl-(–)-epigallocatechin] noch Flavonol-Glykoside (von Quercetin, Kämpferol, Myricetin), Leukoanthocyane (in frischen Blättern), Depside (insbes. Theogallin = Galloylchinasäure), das orangerote Theaflavin u. rotbraune Thearubigene, die v.a. die Farbe u. den strengen Geschmack des Tees bewirken .

T. ist in der Lage, größere Mengen an Eisen zu binden und kann u.U. die Ursache für Eisenmangelerscheinungen sein. Begleitstoffe des Coffeins sind neben anderen Purinen Theobromin u. Theophyllin; letzteres wird für die diuret. Wirkung des T. verantwortlich gemacht. Außerdem enthält T. freie Aminosäuren, z.B. N-Ethylglutamin (Theanin), u. verschiedene flüchtige Amine. Außer Oxalsäure finden sich Bernstein-, Äpfel-, Gallus- u. Pektinsäuren sowie b-Carotin, Lutein, a-Cryptoxanthin, Violaxanthin u.a. Carotinoide. Eine Reihe von flüchtigen Substanzen ist für das Tee-Aroma verantwortlich. Die anregende Wirkung des T. beruht auf seinem Gehalt an – früher in Unkenntnis seiner Identität auch Thein genanntem – Coffein, das beim Aufbrühen schon in den ersten 2*Min. in Lsg. geht, während die eher beruhigend wirkenden Gerbstoffe den Blättern erst bei längerem Stehen entzogen werden. Daher kommt es, daß T. der längere Zeit „gezogen“ hat, die Magennerven u. die Darmperistaltik beruhigt. Der durchschnittliche Coffein-Gehalt einer Tasse Schwarzen T. beträgt 40*mg (27–67*mg), der einer Tasse Kaffee 100*mg (64–176). Eine Übersicht über die Inhaltsstoffe im T.-Aufguß gibt die Tab.

Die Tannine des T. (v.a. Galloyl-epigallocatechin) werden für dessen antimutagene/antioxidative Wirkung verantwortlich gemacht . Zur Antitumoraktivität von frischen grünen T.-Blättern s. Lit. . Eine bisher sämtliche publizierten Daten berücksichtigende Bewertung des T.-bedingten Carcinogeneserisiko beim Menschen ist Lit. zu entnehmen. Danach wird für T. eine „inadequate evidence“ formuliert, die dahingehend zu interpretieren ist, daß die verfügbaren Studien keinen Schluß auf eine kausale Assoziation zwischen T.-Konsum u. Carcinogeneserisiko zulassen. Angaben zum Fettsäure-Spektrum u. zum Aluminium-Gehalt (bis 3% der Trockensubstanz von T.-Blättern) finden sich in Lit. . Die Belastung von T. mit Organochlorpestiziden (v.a. diese werden gefunden, da sie in den Anbauländern noch verwendet werden, Beisp.: DDT, Lindan, Hexachlorbenzol u. Dieldrin) sind zwar rückläufig , verlangen aber weiterhin eine strenge Kontrolle (s. Pflanzenschutzmittel-Höchstmengen-VO ). Der Übergang in den T.-Aufguß schwankt in weiten Grenzen u. hängt entscheidend von der Lipophilie des untersuchten Pestizides ab .

Analytik: Auf qualitätsbestimmende Parameter im T. ist entsprechend den Methoden nach §*35 LMBG (L. 47.00-1 bis 7) zu untersuchen. Zum Nachw. von Schwermetallen u. zum Übergang dieser in den T.-Aufguß (30–40%) s. Lit. .
Geschichtl.: Der T.-Strauch wurde schon in vorchristlicher Zeit in China u. Japan kultiviert; genaueres s. Lit. .

Produktions- u. Verbrauchszahlen: Produktionszahlen (1988) in 1000 Tonnen: Asien: 2026,5, Afrika: 282,3, GUS: 120,0, Südamerika: 50,0, Welt: 2478,8. Verbrauchszahlen (1985–87) in 1000 Tonnen: Indien: 430,0, Großbritannien: 160,0, Japan: 120, BRD: 15,4, ehemalige DDR: 2,6. Verarbeitete T.-Menge (einschließlich T.-ähnliche Erzeugnisse, Deutschland 1990): 15450 Tonnen. Pro-Kopf-Verbrauch (1986): Deutschland: 245g, Großbritannien: 3000*g. S.a. Tee-Aroma, Teesamenöl, Theaflavine, Thearubigene, Theanin u. Tee-Ersatz.

Lit.: 1*Leitsätze für Tee, teeähnliche Erzeugnisse, deren Extrakte u. Zubereitungen, abgedruckt in: Becksche Textausgaben Lebensmittelrecht, Anhang*2/95, Lose-Blatt-Sammlung, Stand 1.7.91, München: Beck. 2*Der Lebensmittelkontrolleur 4, H. 4, 8–12 (1989). 3*Bundesgesundheitsblatt 31, 397 (1988). 4*J. Agric. Food Chem. 33, 249–254 (1985). 5*Z. Lebensm. Unters. Forsch. 192, 526–529 (1991). 6*Lebensmittelchemie 45, 32f. (1991). 7*Lebensmittelchemie 43, 58f. (1989). 8*Mutat. Res. 259, 79–87 (1991); Carcinogenesis 10, 1003–1008 (1989). 9*Food Rev. Int. 4, 353–374 (1988). 10*Mutat. Res. 210, 1–8 (1989). 11*Agric. Biol. Chem. 52, 1879f. (1988); Carcinogenesis 12, 1527–1530 (1991) u. Chem. and Ind. (London) 603 (1991). 12*IARC (Hrsg.), IARC Monographs Vol.*51, Coffee, Tea, Mate, Methylxanthines and Methylglyoxal, S.*207–271, Lyon: IARC 1991. 13*Food Add. Contam. 7, 101–107 (1990). 14*J. Agric. Food. Chem. 39, 1159–1162 (1991). 15*Lebensmittelchemie 42, 140 (1988); Food Add. Contam. 8, 497–500 (1991). 16*Dtsch. Lebensm. Rundsch. 81, 393–395 (1985). 17*Pflanzenschutzmittel-Höchstmengen-VO vom 16.10.1989 in der Fassung vom 6.8.1990 (BGBl. I S.*1514). 18*Pharm. Ztg. 132, 633–638 (1987). 19*J. Food Sci. 53, 181–184 (1988).

allg.: Auswertung u. Informationsdienst für Ernährung, Landwirtschaft u. Forsten (Hrsg.), Kaffee, Tee, Kakao, Bonn: AID 1985 ï Belitz-Grosch, S.*769–777 ï Charalambous (Hrsg.), Handbook of Food and Beverage Stability, S.*665–683, London: Academic Press 1986 ï Food Rev. Int. 5, 317–414 (1989) ï Forrester (Hrsg.), The World Tea Trade, Cambridge: Woodhead-Faulkner 1985 ï Frede (Hrsg.), Taschenbuch für Lebensmittelchemiker u. -technologen, Bd.*1, S.*449–453, Berlin: Springer 1991 ï Gassner, Mikroskopische Untersuchung pflanzlicher Lebensmittel (5.), S.*242–246, Stuttgart: Fischer 1989 ï Heiss (Hrsg.), Lebensmitteltechnologie (4.), S.*371–376, Berlin: Springer 1991 ï Herschdoerfer, Quality Control in Food Industry, Bd.*4, Orlando: Academic Press 1987 ï Int. J. Environ. Anal. Chem. 22, 251–257 (1985) ï Int. J. Food Sci. Technol. 25, 339–343 u. 344–349 (1990) ï Kirk-Othmer 22, 628–644 ï Lebensmittelchem. Gerichtl. Chem. 37, 30–35 (1983) ï Lindner, Toxikologie der Nahrungsmittel (4.), S.*80–87, Stuttgart: Thieme 1990 ï Pintauro, Tea and Soluble Tea Products Manufacture, Park Ridge: Noyes 1977 ï Schröder, Kaffee, Tee, Kardamom, Stuttgart: Ulmer 1991 ï Singh et al., Coffee, Tea and Cocoa, Baltimore: Johns Hopkins Univ. Press 1977 ï Spiller, The Methylxanthine Beverages and Food, S.*29–74, New York: Liss 1984 ï Ullmann (4.) 22, 405–410 ï Wichtl (Hrsg.), Teerdrogen (2.), Stuttgart: Wiss. Verlagsges. 1989 ï Wilson u. Clifford, Tea: Cultivation to consumption, London: Chapmann + Hall 1992 ï Zipfel, C100 1, 48; 14, 18. – Zeitschriften: Tea, Tea and Coffee Trade Journal. – Organisationen: Comité Européen du Thé, P.O.B. 1191, Rotterdam; Dtsch. Teebüro, Gotenstraße 21, 2000 Hamburg 1; International Tea Committee, 5 High Timber Street, London EC4V 3NH.


E tea
F thé
I tè
S té
Z 0902..




Quelle: CD Römpp Chemie Lexikon – Version 1.0, Stuttgart/New York: Georg Thieme Verlag 1995
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