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Alt 23.10.2002, 13:45   #1
Dirk O.
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Standard Kauf von WF-Tieren / Fisch-Konsum

Hallo,

habe mich kürzlich mit einem Listen-Kameraden über die Wildfang-Problematik unterhalten.
Dieser stand damals noch auf dem Standpunkt, daß er prinzipiell keine Wildfänge kaufen würde.

Ich hielt dagegen, daß man ja prinzipiell den Ehrgeiz hat diese WF zu "vermehren". Auch wenn dies Vorhaben nicht immer glückt, so hat mann doch im Schnitt eine ausgesprochen positive Bilanz.
Für jedes gekaufte Pärchen WF-Tiere gibt man dem "Markt" zig oder hunderte Nachzuchttiere "zurück". Diese WF-Nachzuchten ersetzen dann Tiere, die ansonsten importiert würden.
Auf den ersten Blick also ein "killer-Argument" Das Nachziehen von WF um Importe überflüssig zu machen.

Auf den 2. Blick macht mich die Sache dann sehr nachdenklich!

Häte jeder einzelne, der Fische kauft, eine positive Nachzucht-Bilanz, würde der Markt überschwemmt - die Händler könnten all die Nachzuchten kaum noch aufkaufen.
Das heisst aber nun, daß die allermeisten "Aquarianer" eine eindeutig "konsumlastige Bilanz" aufweisen. Sonst müsste man ja nicht jährlich den markt mit Millionen von "neuen" Tieren versorgen.

Das bedeutet den meisten der Nachzuchten steht ein recht kurzes Leben bevor. All die liebevoll aufgezogenen Tierchen verenden alsbald in gammeligen Aquarien.
Es ist zum heuelen :cry:
Wenn man nun allerdings nicht mehr nachzieht, ändert sich daran ja nun auch nichts.... dann wird eben wieder dementsprechend mehr importiert.
Also werde ich auch weiterhin danach streben nachzuziehen, wohlwissend, daß in gewisserweise "Blut an den Händen klebt".

Jedenfalls sollten WF IMHO nur dann angeschafft werden, wenn reele Ausichten auf Vermehrung bestehen!
Nur so kann die Anzahl der importierten Tiere reduziert werden - dies sollte allgemeingültiges Ziel sein.


Gruß,
Dirk
 
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Alt 23.10.2002, 15:33   #2
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Standard

Hallo Dirk,

puh, Ethik ist immer ein schwieriges Feld.

Man kann die Sache von drei verschiedenen Standpunkten aus angehen:

1. vom Fisch-Individuum (das ist der Tierschutz-Gedanke)
Ich weiß nicht, ob es generell für einen Fisch als persönliche Tragödie anzusehen ist, für den Zierfischexport gefangen zu werden und letztendlich mit 50 bis 90%iger Chance in einem Aquarium zu landen.
Wenn ich mir einige Hälterungsbedingungen ansehe, dann mit Sicherheit, wenn ich mir die Sterblichkeit in den heimatgewässen ansehe, dann mit Sicherheit nicht.
Also: Fische können in Aquarien wesentlich älter werden und sich wesentlich erfolgreicher fortpflanzen als in der Natur. Bei einigen Fischen, z.B. Mittelamerikanischen Cichliden ist das so, bei anderen. z.B. Prachtschmerlen ist es nicht so.
Die Verluste beim Transport sind mittlerweile vergleichsweise gering, seit man selbst in entlegenen Sortierstationen Sauerstoffflaschen und Plastiktüten einsetzt.
Schlimmer als der Tod ist langes Sichtum unter schlechten Haltungsbedingungen und an so etwas leiden bestimmt 50% aller Aquarienfische in Deutschland.

2. Die Sichtweise vom Standpunkt eines Ökosystems und der Populationen (Ökologische Sichtweise)
Zahlreiche Fischarten in den tropischen Gewässern, insbesondere die kleinen Fischarten sind "ex und hopp"-Tiere, also Tiere, die nicht besonders lange leben und sich schnell und zahlreich früh um Fortpflanzung bemühen.
In der Natur sterben solche Tiere häufig bereits nach der ersten Fortpflanzungssaison oder fallen sehr früh Fressfeinden zum Opfer. Die Populationen sind darauf ausgerichtet und stellen einen entsprechenden "Überschuß" an Tieren bereit. Nun kommt der Mensch als "Über-Fressfeind" und fischt z.B. 3% aller Neons jedes Jahr ab. Kein Problem, können die Populationen ausgleichen, aaaaber nur, solange es Rückzugsgebiete gibt, keine laichvollen Tiere gefangen werden und die Fangmenge eine gewisse Grenze nicht überschreitet.
Bei zahlreichen Arten ist so der Aquarienfischfang kein Problem, weil sie entweder sehr gut reproduzieren (Rote Neon, zahlreiche Cichliden) oder nur in geringen Stückzahlen gefangen werden (zahlreiche Loricariiden, Rochen etc.)
einige Arten, insbesondere solche mit begrenztem Verbreitungsgebiet und hohem Handelsvolumen können dadurch aber in Bedrängnis geraten. So war das in den 90ger Jahren mit Botia sidthimunki, heute ist es mit dem Blauaugenharnischwels und dem L46.

3. Die Ökonomische Sichtweise
Zierfischfang sichert und schafft Arbeitsplätze. In zahlreichen Regenwaldstaaten, allen voran Brasilien ist der Zierfischexport ein nicht mehr wegzudenkender Wirtschaftsfaktor. Es gibt zahlreiche mehr oder weniger erfolgreiche Projekte verschiedener Entwicklungsorganisationen, Zierfischexportstationen in verschiedenen Gegenden zu etablieren.
Hier gibt es für Leute, die am untersten Rand der sozialen Skala stehen, gute Arbeitsplätze, Geld fließt in entlegene Gebiete.

Da Zierfische häufig (ähnlich wie Schmetterlinge und Orchideen) an intakte Natur gebunden sind, gibt es auf einmal Gründe, den Dschungel nicht abzubrennen oder abzusägen, den Goldsuchern zu verbieten das Quecksilber zu benutzen und nicht mehr mit Dynamit zu fischen.

generell denke ich, daß Ächtung von Wildfängen der falsche Weg ist. Denn wenn ein Fisch leidet und stirbt, weil er nicht richtig gehalten wird, sollte es egal sein, ob der Fisch vom Nachbarn, aus Hongkong, Singapur, Polen oder Tefe kommt.
Ich halte es für schlecht, daß Tiere quasi verbraucht werden, weil sie so günstig sind. Eine Steuer, die vom Verkaufspreis unabhängig ist, z.B. 3 Euro auf jedes Tier würde das Problem lösen. Dann ist es egal, ob die Neons 46 oder 49 c kosten, denn die 3 c Preisunterschied machen auf einmal den Kohl nicht mehr fett. Teure Tiere werden nur unwesentlich teurer, ob ein Wels nun 69 oder 72 Euro kostet, tut dann auch nicht mehr weh.
Der Vorteil ist: Billigen Tierverbrauch gibt es nicht mehr, Tiere die weniger als ne Tasse Kaffee kosten, gibt es nicht mehr und die Kunden werden sich zwangsläufig weitere Gedanken machen.
Gleichzeitig muß der Handel diese Steuer auf jedes herienkommende Tier zahlen, so daß er schon aus rein wirtschaftlichen Gründen verpflichtet ist, die Tiere besser zu halten.

schöne Grüße

Gast ist offline  
Alt 23.10.2002, 16:16   #3
Walter
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Hallo,
ich muß mich da voll Tobias´ Meinung anschließen;
und zusätzlich sein noch bemerkt, dass in "Tierfabriken" produzierte Fische, beeinflußt durch verschiedenste Medikamente und Hormone, durch Laichentnahme bei Brutpflegern teilweise auf generatives Maximum getrimmt, vom ethischen Standpunkt aus sicher auch kein "schönes Leben" haben.
Ich kauf da lieber Wildfänge, sicher auch, da ebendenen noch etwas der Nimbus des Exotischen anhängt, was man diversen anderen alten Aquarienfischen ja nun wirklich nicht mehr nachsagen kann.
 
Alt 24.10.2002, 11:00   #4
Dirk O.
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Hallo Tobias,

wenn erstmal 1% aller Chinesen beginnen Aquaristik zu betreiben, dann wird der Fisch-Konsum in ungeahnte Höhen schnellen
Und wenn wir es geschafft haben die sämtliche Meere innerhalb zweier Generationen leer zu fischen dann dauert das z.B. im Amazonasgebiet auch nur noch eine Generation...


Gruß,
Dirk
 
Alt 24.10.2002, 16:33   #5
ingmar
 
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moin zusammen,
mein erster beitrag hier *stolz*.

ich bin seit einigen jahren terrarianer, und was dort in sachen WF passiert ist teilweise auch ziemlich grausam :-(

jeder kennt doch von früher noch die griechischen landschildkröten, die für 5 dm verhökert wurden und dann laaaagsam im kinderzimmer verendeten. nun kosten die tiere richtig geld (kleine nachzucht 120 euro wenn ich mich nicht täusche), was tatsächlich dazu geführt hat, dass sich die leute überlegen, ob sie sich so ein tierchen anschaffen (und es dann so gut wie möglich versorgen).

ich bin grade dabei mein erstes aquarium einzurichten und war erstaunt, wie billig fische sind. richtige konsumartikelpreise, teilweise billiger als ein tafel schokolade.

leider werden tiere sehr oft über den preis gekauft, und solange sich das nicht ändert wird es auch massenimporte geben, weil den aufwand für eine gut gepflegte nachzucht nur wenige bezahlen wollen...

viele grüße
ingmar (der sein becken mit nz besetzen wird...)
ingmar ist offline  
Alt 24.10.2002, 16:59   #6
Dirk O.
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Hallo Ingmar,

Zitat:
mein erster beitrag hier *stolz*.
herzlich willkommen!,


Viele Grüße,
Dirk
 
Alt 24.10.2002, 17:18   #7
ingmar
 
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danke. habe bestimmt schon 1000 threads gelesen von A wie algen bis Z wie mattenfilter (oder so).

viele grüße
ingmar
ingmar ist offline  
Alt 24.10.2002, 18:48   #8
seven
 
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Der Punkt liegt wohl darin, ob es durch Wildfänge zu einer Bedrohung der Population oder gar einer Art kommt. Da die Aquaristik kein Hobby ist, dass von jedem betrieben wird und auch die 1 % Chinesen noch nicht auf die Idee gekommen sind , glaube ich nicht, dass die Fangraten so hoch sind, dass es die Natur nicht ausgleichen kann. Auch sind die Verluste bei Wildfängen und Importen inzwischen durch entsprechende Halterungsbedingungen geringer, als noch vor 20 Jahren.

Da müsste man sich schon ernsthaftere Gedanken machen überhaupt noch Fisch zu essen, der z. B. aus der Nordsee oder dem Mittelmeer kommt, da dort die Populationen durch die industrielle Überfischung bedroht sind.
seven ist offline  
Alt 24.10.2002, 19:01   #9
DanielR
 
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Hi ihr,

WF verteufeln bringt nichts. Solange immer neue Fischarten entdeckt werden und nicht alle Fische nachgezüchtet werden können, wird es immer WFs geben.

Ich hab zwar schon 12 L-welse mit 2 schwarzen Strichen, aber DEN neuen aus dem Rio XY mit den 2 schwarzen Strichen und dem 1mm großen Punkt auf dem Bauch hab ich noch nicht....

Hinzu kommt natürlich auch, dass viele Leute Wildfänge für "besser" oder irgendwie "natürlicher" halten und man mit Wildfängen auch super angeben kann, wenn man's denn nötig hat.

Trotzdem denke ich, sollte man versuchen Allerweltsfische, die einfach gezüchtet werden können, auch als NZ zu kaufen.

Was haltet ihr eigentlich von speziellen Teichen in den Heimatländern von vielen Fischen, etwa Labeo-Teichen in Thailand, in denen die Fische nur für den Export gezüchtet werden?

Sind das WFs?
DanielR ist offline  
Alt 24.10.2002, 20:49   #10
Walter
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Hi,
nachdem bei uns sogut wie jedes Chinarestaurant ein Aquarium im Lokalraum stehen hat und manche Fische in China als Glücksbringer gelten, schätze ich, dass weit mehr als 1 % der Chinesen bereits ein Aquarium besitzen
 
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