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Alt 07.02.2002, 16:06   #71
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Hallo an alle.
Ich finde Ulis Beitrag auch interessant, aber ich sehe doch einige Ansatzpunkte Kritik oder Anmerkungen anzubringen.

- das Aquarium als Ersatz für die schlechte Umwelt in der wir uns befinden, kann und darf nicht mit dem Argument Umweltschutz geführt werden. Das Geld, welches im Jahr für Aq. verwendet wird, wäre sicherlich im Umweltschtuz besser angelegt.
Den Vorhang zuzuziehen bedeutet für mich die Realität nicht sehen wollen.

- Ein in einem Aquarium gezüchteter Fisch ist meiner Meinung nach in der Natur nicht überlebensfähig. Diese These wird sicherlich nicht nach ein oder 2 Jahren richtig sein, aber die Evolution geht im Aquarium und in der Natur zwei völlig verschiedene Wege.
Züchtungen ersetzen den Fischimport, setzen aber nicht die Zahl der Wildpopolationen hoch. Aquaristen sind demnach weder Naturschützer, Umweltfreunde oder sonst etwas in dieser Richtung.
Ich kann damit leben, gebe mir aber auch die größte Mühe, den Fischen ein möglichst gutes unnatürliches Zuhause zu bieten.

- Aus Sicht der Natur ist der Mensch ein völliger Fehlgriff. Er tötet nicht um zu überleben, er handelt nicht instinktiv.....
Die These dass die Natur ohne uns nicht besser oder schlechter dran ist, halte ich schlichtweg für menschlichen Größenwahn.
Ich persönlich kenne nicht ein einziges Beispiel für eine gute Tat, die der Mensch in seiner kurzen Daseinsperiode, der Natur hat angedeihen lassen und daran wird sich nichts ändern.
Die Natur kann auf den Menschen verzichten, völlig und sofort.

Andreas

PS: Wer sieht wieviele Poster nicht wissen, was sie mit ihren Wasserwerten an Fischen halten können, oder sich keine Gedanken über Besatzzusammenstellung gemacht haben wird mir zustimmen können, dass wir noch jede Menge Aufklärungsarbeit zu leisten haben.
PSS: Meine Art und Weise zu schreiben, mag den einen oder anderen vor den Kopf stossen, aber ich finde bei diesem Thema muss man die Realität sehen und sagen dürfen.
Blackyy ist offline  
Alt 07.02.2002, 22:38   #72
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Hallo Blackyy,

ist schon recht, immer druff, so muß es sein.
Habe den Beitrag ja nicht als Posting der "absoluten Wahrheit" verfasst, im Gegenteil, ich wollte eigentlich eher eine Art Reibefläche anbieten,an der sich die sehr interessante Diskussion nochmal ein bißchen mehr entzünden kann (so streichholzmäßig, ne).
Was glaubst du, was ich an meinem eigenen Beitrag alles kritisieren könnte, wenn ich wollte?
:lol:

und
deine Aussagen über den Mensch im allgemeinen (völliger fehlgriff, gleich weg damit..) finde sogar ich ein bißchen arg black(yy), da müsstest du ja gleich den Anfang machen (wenn du konsequent wärst) und dich hinter einen Zug werfen. (machs bloß nicht, das Leben kann so schön sein)

äh, und : handelt nicht instinktiv?
Hast du (nur als ein Beispiel) mal das Balz- und sonstige Sexualverhalten der Gattung Mensch ein bißchen beobachtet? Da kann sich (ausdrücklich) teilweise der Neandertaler noch ne Scheibe abschneiden :smile:

übrigens: tötet nicht um zu überleben muß richtiger heißen: tötet nicht NUR um zu überleben (wenn er denn mal "zivilisiert" ist)

Ansonsten (von wegen Umgangsformen) möcht ich mich für das unerwartete Lob bedanken, das freut einen natürlich voll
rotwerd

Gruß
Uli
Ulrich Rathgeb ist offline  
Alt 07.02.2002, 23:36   #73
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Hallo Blacky,

ich verstehe nicht, wieso Dein Kommentar auch als Kritik an Ulis Posting verstanden werden soll.
Ihr seid doch in den meisten Punkten gleicher Meinung.

Zitat:
das Aquarium als Ersatz für die schlechte Umwelt in der wir uns befinden, kann und darf nicht mit dem Argument Umweltschutz geführt werden.
Völlig richtig ! Das sagt Uli auch nicht, ganz im Gegenteil.
Es ist auch eine Art Egoismus zu glauben, durch Maßnahmen wie Aufstellen eines AQ´s, Vogelhäuschen...dem sonntäglichen Zoobesuch etwas für die Umwelt oder Artenschutz getan zu haben.
Es ist eine bequeme/egoistische Art sich einzubilden, etwas „gutes“ zu tun.

Zitat:
Ein in einem Aquarium gezüchteter Fisch ist meiner Meinung nach in der Natur nicht überlebensfähig.
Zumindest ist es meiner Meinung nach illusorisch zu glauben, durch Nachzuchten in heimischen Aquarien, insbesondere stark gefährdeter Arten, etwas für die Arterhaltung in der freien Natur tun zu können.

Zitat:
Züchtungen ersetzen den Fischimport, setzen aber nicht die Zahl der Wildpopolationen hoch. Aquaristen sind demnach weder Naturschützer, Umweltfreunde oder sonst etwas in dieser Richtung.
Der erste Satz ist meiner Meinung nach nicht richtig.
Züchtungen der Aquarianer sind viel zu unrentabel. Jeder der schon mal selbst gezüchtet hat weiß das es ein langer Weg ist bis die Tiere in einer verkaufsfähigen Größe hochgepäppelt wurden. Von den darauf folgenden Absatzproblemen will ich erst gar nicht anfangen.
Großzüchtereien haben nur das Bestreben möglichst schnell, viel, gut verkäufliche „Ware“ zu „produzieren“...sonst nix. Keinerlei Interessen Fischimporten im Sinne von Arterhaltung entgegenzuwirken.
Wieso auch. Oft ist es ja eine Interessengemeinschaft. Der L-Wels wird möglichst billig Importiert, da die Zucht zu schwierig und demnach teuer. Was man billiger selbst nachzüchten kann, wird eben gezüchtet.

Deinem zweiten Satz stimme ich völlig zu.

Zitat:
Ich kann damit leben, gebe mir aber auch die größte Mühe, den Fischen ein möglichst gutes unnatürliches Zuhause zu bieten.
Ich auch. Wobei ich das Wort „unnatürlich“ durch „natürlich“ ersetze :grin:

Zitat:
Aus Sicht der Natur ist der Mensch ein völliger Fehlgriff. Er tötet nicht um zu überleben, er handelt nicht instinktiv.....
Naja Fehlgriff...ich weiß nicht. Gemessen am gesamten Daseins und Entstehungszeitraum der Erde eine Spezies die glaubt durch die Fähigkeit zu denken, etwas besonderes zu sein, ohne zu erkennen das ihre Intelligenz gerade mal soweit reicht, sich ganz schnell selbst zu zerstören.
Nur wir selbst beurteilen unser Dasein als so „wichtig“.
In 1 Millionen Jahren wird vielleicht eine andere Spezies Teile unserer kläglichen Überreste in einer Vitrine...ganz hinten im Museum ausstellen. Da steht dann ein Schild :
„Homo Sapiens“ ...eine Art Primat, der durch krankhaft vergrößerte Hirnmasse die Fähigkeit Werkzeuge zur Nahrungsaufnahme zu benutzen soweit entwickelt hat, dass die Nahrungsaufnahme selbst in den Hintergrund rückte. Die starke Fixierung auf alles Materielle hat sein gesamtes Sozialverhalten soweit negativ beeinflußt, dass er sich in kürzester Zeit selbst zerstörte. Ein gutes Beispiel für die phantastische Gegebenheit der Natur „selbstregulierend“ einzugreifen.“ Die Art existierte nur 50000 Jahre :wink:

[quote]
Die These dass die Natur ohne uns nicht besser oder schlechter dran ist, halte ich schlichtweg für menschlichen Größenwahn.
[/quote)

Richtig !

Zitat:
Ich persönlich kenne nicht ein einziges Beispiel für eine gute Tat, die der Mensch in seiner kurzen Daseinsperiode, der Natur hat angedeihen lassen und daran wird sich nichts ändern.
Die Natur kann auf den Menschen verzichten, völlig und sofort.
Na also Andreas. Wir sind alle, wirklich alle täglich bemüht unser Dasein zu verkürzen.
Isss das nicht die Beste aller Taten die man der Natur und unserem gesamten Planeten schenken kann :wink:


Gruß
Klaus

Zitat:
PS: Wer sieht wieviele Poster nicht wissen, was sie mit ihren Wasserwerten an Fischen halten können, oder sich keine Gedanken über Besatzzusammenstellung gemacht haben wird mir zustimmen können, dass wir noch jede Menge Aufklärungsarbeit zu leisten haben.
Manche sind so verbohrt, die sind einfach unbelehrbar. Vor allem die Malawianer mit Antennenwelsen im Becken :wink:

________
In Sachen Umweltschutz sind die meisten Regierungen kriminelle Vereinigungen.
(Oliver Hassencamp)
Klaus ist offline  
Alt 08.02.2002, 01:07   #74
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Blackyy schrieb am 2002-02-07 10:06 :
Hallo Andreas,

> - Ein in einem Aquarium gezüchteter Fisch
> ist meiner Meinung nach in der Natur nicht
> überlebensfähig.

Da wäre ich mir nicht so sicher. Beispiele an Ausläufen was Kraftwerken haben wir selbst in unserer Region mit Guppy (klar), aber selbst Cichlasoma Arten.


> Diese These wird sicherlich nicht nach ein
> oder 2 Jahren richtig sein, aber die
> Evolution geht im Aquarium und in der
> Natur zwei völlig verschiedene Wege.

Das isz nur bedingt richtig, da Evolution eigentlich eher langsam läuft. Selbst 100 Jahre C. paleatus Zucht habe das Genom der Art noch nicht entscheidend verändert. Erst in den letzten Jahren / Jahrzehnten zeigt sich eine morphologische Änderung.

Was die Gefahr bei Gefangenschaftszuchten immer ist, ist die meist recht schmale genetische Basis und damit die Gefahr des Ausmendelns der genetischen Vielfalt.


> Züchtungen ersetzen den Fischimport,
> setzen aber nicht die Zahl der
> Wildpopolationen hoch.

Ich nehme mal das Beispiel L 46. :smile: Hier würden Zuchten den Druck auf die Wildpopulation schon deutlich verringern.

Die Frage läßt sich nur dann beantworten oder abschätzen, wenn man genauere Analysen über die Forderung des MAkrtes an Material / die Möglichkeit der effektiven Zucht / die Vermehrungsquote der Art in der Natur hat.

Erst dann kann man solche Aussagen eigentlich bewerten.


> Aquaristen sind demnach weder
> Naturschützer, Umweltfreunde oder sonst
> etwas in dieser Richtung.

ACK.


> - Aus Sicht der Natur ist der Mensch ein
> völliger Fehlgriff. Er tötet nicht um zu
> überleben, er handelt nicht
> instinktiv.....

Naja, das sehe ich schon etwas anders. Der Mensch handelt viel zu instinktiv und unreflektiert. Insofern hat er sich nicht entscheidend von der Natur gelöst. Das Problem ist dann, daß er durch seine geistigen Fähigkeiten seine eigene Integration in Naturkreisläufe aufgeben kann und die Umwelt sich entsprechend schafft. Dies ist der eigentliche qualitative Unterschied zu Tierwelt.


> Die These dass die Natur ohne uns nicht
> besser oder schlechter dran ist, halte ich
> schlichtweg für menschlichen Größenwahn.

Warum ? Sollte man die Bewertung besser / schlechter nicht weglassen, weil sie eben menschliche Wertungen enthält. Sollte man nicht lieber auf die Fakten schauen, z.B. was ist der Mindestartenbestand eines regenwaldes oder eines Buchenwaldes, damit er sich selbst erhalten kann. ?


> Die Natur kann auf den Menschen
> verzichten, völlig und sofort.

ACK. Das ist wiederum richtig.
 
Alt 08.02.2002, 04:06   #75
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An Uli,
keine Angst das mache ich nicht, warum auch.
Ich bin halt der Meinug, dass sich die Menschheit, als Dreh und Angelpunkt des Kosmos sieht und nicht erkennt, dass wir aus Sicht der Natur völlig über sind.
Ich halte es weder für natürlich,
dass Elefanten und Nasshörner geschossen werden um die Stosszähne zu verscheppern, noch das Wale harpuniert werden, weil irgendein Mann aus dem Osten meint sein "Balz- und sonstige Sexualverhalten" würde sich verbessern.
So im Nachhinein ist es mir unerklärlich, wie das Zusammenleben im Paradies geklappt hat, ohne das der eine auf den anderen losgegangen ist. :smile:

An Klaus,

"Züchtungen der Aquarianer sind viel zu unrentabel. "

Stimmt, aber eigentlich ist das ganze Aquarium unrentabel. Ein Teil der privaten Züchter ist vielleicht wirklich froh darüber Nachwuchs zu haben, dass der Hauptgrund für den Verkauf eher Platzprobleme, denn Gewinn ist.

"Na also Andreas. Wir sind alle, wirklich alle täglich bemüht unser Dasein zu verkürzen.
Isss das nicht die Beste aller Taten die man der Natur und unserem gesamten Planeten schenken kann"

So gesehen müssten wir uns etwas mehr beeilen, aber bitte ohne die ganze Welt voher in Schutt und Asche zu legen.

An Ralf,
es ist eigentlich immer nur schön mit dir zu "streiten" eh zu diskutieren.
Wir sind eigentlich fast immer gleicher Meinung, finden aber immer noch das eine oder andere was wir bemäkeln können.
Sicherlich spielt die Zeitspanne einer Generation, sowie die äusseren Einflüsse eine grosse Rolle. Aber wer pumpt schon für 4 Jahre 50% des Bekeninhaltes ab und sagt" Tja Jungs Pech gehabt, eine Dürreperiode"
Fressfeinde werden in unseren Aquarien doch auch kaum gehalten, denn wer will schon seinen 5 € teuren Fisch, als Abendmahlzeit für den nächstgrößeren sehen.

Mit dem Satz
> Züchtungen ersetzen den Fischimport,
> setzen aber nicht die Zahl der
> Wildpopolationen hoch.
wollte ich nur beschreiben, dass die Anzahl nicht durch Auswilderung anwächst, sondern die Entnahmezahl zurückgeht. Die Anzahl der Fische erhöht sich nicht, wird aber auch nicht kleiner.

". Das Problem ist dann, daß er durch seine geistigen Fähigkeiten seine eigene Integration in Naturkreisläufe....."

Integration würde bedeuten dass sich der Mesch in etwas einfügt und darin aufgeht.
Da halte ich persönlich für Humbug.
Wir erwarten dass die Natur sich an unsere Wünsche anpasst.
Sein wir doch mal erlich.
Ist es 40°C ist es uns zu warm, ist es -20°C ist es uns zu kalt, anstatt im Sommer im Schatten und im Winter im warmen Haus zu bleiben.

"Warum ? Sollte man die Bewertung besser / schlechter nicht weglassen, weil sie eben menschliche Wertungen enthält. Sollte man nicht lieber auf die Fakten schauen, z.B. was ist der Mindestartenbestand eines regenwaldes oder eines Buchenwaldes, damit er sich selbst erhalten kann. ?"

Ich würde dir gerne zustimmen, aber der Mensch hält sich nicht an Konventionen.
Wenn er 100 Bäume als Mindestbestand anerkennt, wird er Gründe finden, den 100 sten Baum abzuholzen.
Blackyy ist offline  
Alt 08.02.2002, 15:09   #76
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Blackyy schrieb am 2002-02-07 22:06 :
Andreas,

> So im Nachhinein ist es mir unerklärlich,
> wie das Zusammenleben im Paradies geklappt
> hat, ohne das der eine auf den anderen
> losgegangen ist. :smile:

:grin:


> An Ralf,
> es ist eigentlich immer nur schön mit dir
> zu "streiten" eh zu diskutieren.
> Wir sind eigentlich fast immer gleicher
> Meinung, finden aber immer noch das eine
> oder andere was wir bemäkeln können.

Stimmt. :wink:

>> Züchtungen ersetzen den Fischimport,
>> setzen aber nicht die Zahl der
>> Wildpopolationen hoch.

> wollte ich nur beschreiben, dass die
> Anzahl nicht durch Auswilderung anwächst,
> sondern die Entnahmezahl zurückgeht.

O.k. verstanden, wie es gemeint war. :wink:


>>". Das Problem ist dann, daß er durch
>>seine geistigen Fähigkeiten seine eigene
>>Integration in Naturkreisläufe....."

> Integration würde bedeuten dass sich der
> Mesch in etwas einfügt und darin aufgeht.

Das hängt von der kulturellen Stufe ab.


> Wir erwarten dass die Natur sich an unsere
> Wünsche anpasst.

Richtig.
 
Alt 08.02.2002, 15:25   #77
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Moin moin allerseits,

ich war gestern bei meinem Aquahändler.
Dabei habe ich das erste Mal mitbekommen, wie es aussieht wenn er drei Stunden vorher eine neue Lieferung Fische bekommen hat.
Ergebnis:
In fast allen Becken hatten die Neuen zu 90% Ichtyo, Flossenklemmen, andere Schädigungen oder waren Tod. :evil:
Daraufhin hab ich mit ihm gesprochen.
Er sagte, dass er bereits dreimal den Lieferanten gewechselt hätte. Nun habe er einen, der nur "drei!" Autostunden entfernt wäre. Es bessert sich nichts. Er kann nur versuchen nach und nach seine Situation zu verbessern und alternative Einkaufsquellen erschließen.
Generell war es für ihn schon immer so, daß Neulieferungen überwiegend erst einmal gesundgepäppelt werden müssten bis er die Fische verkaufen kann.
u.s.w

Puh, das hat mich schon geschockt.

Ach so -- am schlimmsten betroffen waren Platys. Die waren wirklich ALLE krank.

Ich mußte das mal loswerden. Werde darüber noch nachdenken.
JörgN ist offline  
Alt 08.02.2002, 15:42   #78
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Hi Jörg,

dann will ich auch mal. Ich habe hier vor Ort Kontakt zu einem Großhändler, der aus SO-Asien als auch Südamerika direkt importiert. Ich habe in den letzten drei Lieferung direkt oder einen Tag nach Liferung miterlebt, zweimal Süßwasser, einmal Seewasser. Ich habe nicht mehr alles genau im Kopf, aber in etwa so es so aus (der aktuelle Stand bezieht sich immer auf letzten Montag, den 4.2.02):


1. Süßwasser - SO-Asien (Zuchten)

Prchtschmerlen (3 cm), etwa 100 Stück in einem Beutel mit etwa 4 l Wasser, unterernährt, bisherige Ausfälle 50 % beim Großhändler trotz Quarantäne.

Panzerwelse (paleatus, aeneus), Tiere 2 cm, total unterernährt, ein Teil hatte Schwimmblasenprobleme (Auftrieb), bisherige Ausfälle ca. 30 % von mehreren 100 je Art.

Skalare - Höhe 4 cm !! Tiere unterernährt und z.T. an Pilz erkrankt. Ausfälle bisher ca. 60 %

Guppies, Platys, Schwertträger - so gut wie alle krank.

Sternflecksalmler und Glühlichtsalmler - jeweils mehrere Hundert in mehreren Beutel (abgepackt zu etwa 100, wenn ich mich recht erinnere) - unterermährt, Schwimmblasenprobleme, Ausfälle ca. 20 %

Die Liste ließe sich fortsetzen, habe nicht mehr alles im Kopf.



2. Seewasser - Wildfänge, Herkunft war auf den Transportkisten nicht zu erkennen.

Palettdoktor diverse, ca. 4 cm.
ein Kaiserfisch - ca. 6 cm
ein Rotfeuerfisch - ca. 3,5 cm !!!
Anemonenfische, mehrere Arten - ca. 8 cm
1 Pomacanthus - ca. 4 cm !!!

Noch ein paar andere arten (auch Blenniiden)

Alle Tiere waren in eningeschweißten, etwa 10 x 10 cm großen Transportbeuteln, ezwa 1:1 Wasser / Luft. Sie lebten alle, waren aber schwer angeschlagen, atmeten schwer, fielen nach dem Umsetzen auf den Boden des Beckens. Ausfälle eher gering, beim nächsten Besuch hatten sich die meisten erholt.



3. Südamerika - Wildfanglieferung

Corydoras schwartzii - ca. 150 Tiere, davon 2/3 erkrankt an Pilz, diverse, schätzungsweise 30 % mit Schwimmblasenfunktionsstörungen.

Corydoras melanistius und als Beifang ein Langschnäuzer-Corydoras aus der ambiacus Gruppe - etwa 100 Tiere, sahen besser aus, aber Flossenschäden, Schwimmblasenfunktionsstärungen (Auftrieb).

Rote Neon - ca. 200 Tiere, Größe 1,5 bis 2 cm, Zustand eher schwach, abgemagert, Ausfälle schwer abzuschätzen, am Montag lagen etwa 10 frischtote im Becken.

Diskus - 10 Wildfänge, etwa 12 cm Größe, Zustand sehr gut, leichte Flossenschäden

L 144 - 10 Tiere, etwa 8-9 cm Zustand gut, aber waren sehr verschreckt

Otocinclus - ca. 400-500 Tiere, kamen wohl in zwei Lieferungen, erste Lieferung guter Zustand, Tiere gut genährt, etwa 3-3,5 cm groß, wenig Ausfälle. Zweite Lieferung eher schlecht, unterernährt, Ausfälle können nur geschätzt werden, daher unterlasse ich es lieber.



Quintessenz. Macht Euch keinerlei Illusionen, Tierschutz und Artenschutz zählt nicht, es wird gefangen und gezüchtet, was die Natur und die Tiere hergeben, Und es wird vertitscht in alle Welt, ohne Rücksicht auf Verluste.

Wir sind alle Teil einer großen industrialisierten aquaristischen Industrie. Halt die Illusion am schönen Wohnzimmer-AQ zählt.

Und ich muß sagen, daß ist ein guter Großhändler, obwohl die Hälterungsanlage insgesamt deutlich besser getrimmt sein könnte. Das merkt man aber erst richtig, wenn man so ein Geschäft über Monate immer und immer wieder aufsucht. Beurteilungen sind wirklich schwer. Die Quarantänezeiten sind mir etwas zu kurz, aber im Schnitt vertretbar.

Was mich auch an diesem Händler stört, ist die dumme Laberei, die immer wieder versucht, obwohl er weiß, daß ich Jahre AQ habe und Biologe bin. Bsp.: Die mir verstorbenen acht L 134 stammten aus diesem Geschäft.

Nachdem die Infektion bei mir ausbrach, fuhr ich direkt zum Laden und informierte den Inhaber, immerhin geht es da auch um wirtschaftliche Werte. Erster Kommentar (ich hatte mir die Tiere im Verkaufsbecken vorher angeschaut und sie waren infiziert), "nein, die Tiere sind gesunbde." Ich: Die Tiere sind krank, Er: die Tiere sind gesund. Nein - ja - hin und her. Und dann musste ich ihn fast an den Haaren zum Becken schleifen und sagen: Schau. Danach war er kleinlaut.

Das Becken, in dem noch etwa 15 L 134 sassen, wurde direkt vom Verkauf gesperrt und medikamentiert. Die Tiere waren ähnlich stark befallen wie meine, mir war fast klar, daß eine Rettung nicht möglich war (schwerster Ichthyobefall, ich habe später Tiere präpariert, sie waren nicht zu retten). Ein Mitarbeiter: "Och, in drei Tagen schwimmen die Jungs wieder." Mal sehen, vier oder fünf Tage (kann auch eine Woche gewesen sein) später war ich wieder da. Von den ehemals etwa 15 L 134 waren noch 7 im Becken, drei frischtot kürzlich verstorben, 2 kämpften mit dem Überleben, bei den beiden letzten hätte ich reelle Chancen eingeräumt. Also 8 Ausfälle in der Zeit.

Chef: "Sieht doch gut aus mit den L 134." Ich: 8 Tote in den letzten Tagen. Er: Nö, nur fünf. Und die jetzuigen packen es. Ich: Es liegen drei frisch tote im Becken. Er: Nö. Ich: Ja. Das gleiche Spiel wie vorher. Kleinlaut war er dann.

Der Mitarbeiter: Den Jungs geht es gut, die restlichen haben wir verkauft, die sind schon bei Kunden. Wer es glaubt wird selig. Wenige Tage später waren alle L 134 weg und es sassen Lobster im Becken.

Die Unehrlichkeit ist das, was mich am meisten aufregt. Ich habe mehrfach, was jetzt oben nicht steht, versucht, Tipps zur Optimierung der an sich guten Beckenanlage gegeben. Das verpufft einfach ungehört.
 
Alt 08.02.2002, 16:27   #79
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Hi Ralf,

tja, ich denke da ist schon gehörig was faul in diesem System.

Mein Händler ist wenigstens so ehrlich, nichts daran zu beschönigen.
Er ist selbst gefrustet, denn er hat erst einmal das Drama in seinen Becken
und jeder Neukunde, der zufällig an diesen Tagen kommt ist erst einmal abgeschreckt.

Oftmals, so sagt er, hat er Tiere fast 2 Wochen in Quarantäne, bevor er den Verkauf ruhigen Gewissens starten kann.
Das kostet Geld und nerven.
Von den vielen nicht mehr zu rettenden Ausfällen gar nicht zu sprechen.

Aber was kann man tun :???:

Zumindest meinem Händler kann ich offensichtlich nicht die Schuld geben.
Wir haben 4 Aquahändler im Umkreis. Bei denen sieht das teilweise noch schlimmer aus. Bei einem Test von mir, hätte ein Händler aus Niederkrüchten mir gnadenlos ein halbtotes Tier verkauft (Ichtyo). Als ich ihn zur Rede stellte, war er dann auch kleinlaut. Was aber mit den vielen Kunden, die da nicht so bewandert sind, von der Tierquälerei will ich gar nicht sprechen -- mein Herz :evil:


JörgN ist offline  
Alt 08.02.2002, 16:49   #80
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Hallo Ralf,

ich möchte mich eigentlich nicht in diese Diskussion einmischen, da das bisher gesagte im großen und ganzen meine Meinung zu diesem Thema widerspiegelt. Aber einen kleinen Einwand zum Thema "Nachzuchten" habe ich doch.

Du schriebst am 2002-02-07
Zitat:
> Züchtungen ersetzen den Fischimport,
> setzen aber nicht die Zahl der
> Wildpopolationen hoch.

Ich nehme mal das Beispiel L 46. Hier würden Zuchten den Druck auf die Wildpopulation schon deutlich verringern.
Ich sehe gerade dieses Beispiel anders. Durch die Nachzuchten würdest Du gleichzeitig eine höhere Nachfrage erzeugen, da der Preis ja fallen würde (Angebot/Nachfrage). Bis aber die heimischen Züchter so weit wären, diese Nachfrage zu befriedigen, wäre weiterhin der Import, vermutlich sogar im größeren Maßstab, vonnöten. Und selbst wenn die Nachfrage durch hiesige Tiere befriedigt werden kann, so wird es weiterhin genug Menschen geben, die lieber Wildfänge (da angeblich unverfälschter) kaufen werden.
Und auch mit den Nachzuchten ist es so eine Sache. Gerade bei derart gefragten Arten wird es schnell zu den, ich nenne sie mal so, Pfuschzuchten kommen, die wir ja z.B. vom Skalar kennen. Kaum ein Zuchtpaar,das die "Regeln" der Brutpflege noch beherrscht. Folge: Es werden wieder vermehrt Wildfänge gekauft.
Damit wären wir auch schon beim Thema korrektes Nachzüchten. Wieviele Aquarianer haben denn wirklich die Zeit, diesem Thema wirklich intensiv nachzugehen. Ich meine, bis zur Larve ist es ja noch kein Problem. Aber spätestens bei der kontinuierlichen Futterversorgung wird es doch schwierig. Damit kommen aber m.E. sehr viele Nachzuchten in den Handel, die eigentlich als Kümmerlinge zu bezeichnen sind, oder? Ich betrachte dabei die Gesamtheit der Aquarianer, also nicht sofort auf die Vereine verweisen. Die sind doch leider in der Minderheit. Insbesondere bei den Lebendgebärenden ist das gut zu beobachten, aber auch bei anderen Arten.

Verstehe mich jetzt nicht falsch. Ich bin auch dafür, den Druck auf die Wildpopulationen durch Nachzüchten im Aquarium zu nehmen. Aber wenn, dann auch richtig. Und das ist IMHO häufig einfach nicht der Fall.
Ralf L. ist offline  
 

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