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Alt 06.01.2003, 17:15   #1
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Standard Was macht die Naturnähe eines Aquariums aus?

Vor einiger Zeit wurde geschrieben, meine Fische müßten in
einer Kloake schwimmen
(wegen etwa 50 mg NO3/l)(drta 9.9.2002).
Und meine Entkarbonisierung mit Salzsäure sei nicht naturnah, wo ich doch eine so niedrige KH und einen niedrigen pH habe, wie in vielen Naturbiotopen!
Ist das bißchen NO3 oder Cl so schlimm? Meine Fische und Pflanzen scheinen meine Bedingungen zu akzeptieren!
Was macht die Naturnähe eines Aquariums aus?

Grüße Gerd
Gerd Kassebeer ist offline  
Alt 06.01.2003, 17:50   #2
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Hi,

die Wasserwerte sind halt nicht das entscheidende. Sie lassen sich nicht einfach von den in der Natur gegebenen Werten auf das Aquarium übertragen. Mit ein wenig Erfahrung sieht man ja, ob es den Fischen gut geht. Ein Aquarium ist halt nicht das gleiche wie der natürliche Lebensraum. Ich würde sagen mal pflegt einen Fisch artgerecht im Aquarium, wenn er entsprechend seiner Art normal wächst, seiner Art entsprechend alt oder älter wird und sich unter Umständen auch vermehrt.
Mbuna ist offline  
Alt 06.01.2003, 17:53   #3
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N´abend Gerd..

ich sehe du bist mal wieder in Diskussionslaune... :lol:

Eigentlich darf ich mich ja nicht trauen zu antworten bei meinem bescheidenen Wissen...

Ich würde Naturnah insofern beschreiben, als dass man sowenig wie möglich von außen in ein Biotop sprich Aquarium eingreift..

Da wir aber aufgrund der Größe unseres Biotops manchmal eingreifen müssen um es Richtung naturnah zu bringen, werden wir das Vorbild der Mutter Natur in dem kleinen Rahmen wohl nicht nachahmen können..

50mg/l No3- sind m.E. nicht naturnah, weil ich meine mal gelesen zu haben, dass diese Konzentrationen in der Natur nicht vorkommen.

Aber wie gesagt *ichnixprofi*
Sascha G. ist offline  
Alt 06.01.2003, 17:59   #4
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Hallo Gerd,

zu den Nitratwerten kann ich folgendes sagen:
Mein Schwager hat auch zwei Aquarien, die nur sehr unregelmässig gepflegt werden. Mit einem fruchtbaren Durcheinander an Fischen.
Im Sommer kam mein Neffe mit ein paar Schwimmpflanzen zu mir. (war ein Geschenk). Spasseshalber hab ich das Wasser getestet:
PH war um die 6,5
KH nicht vorhanden
Nitrit so gut wie nicht nachweisbar
und jetzt kommts:
Nitrat: über 240!!!(bei 240 war die Farbskala zuende, aber das rot war noch röter)
Alles Werte wurden mit dem JBL-Test ermittelt. Weil ich die Werte nicht glauben konnte hab ich noch ein Tetrateststäbchen ins Wasser gehalten, dieses hat die Werte des JBL-Tests bestätigt.

Ich habe mich oft gefragt, ob sich die Fische diesen Verhältnissen anpassen, den rein theoretisch dürfte da ja fast nichts mehr leben. oder?
Als die im Urlaub waren hab ich mir überlegt, ob ich heimlich einen WW machen soll, hab es dann gelassen, weiß ich nicht wußte wie die Fische mit den so drastisch veränderten Werten klar kommen würden.

Die Pflanzen in diesem Aquarium sind nicht gerade üppig, aber sie scheinen zu wachsen.

Leider hab ich keinen Einfluss auf diese Aquarien und kann auch leider an den Verhältnissen nichts ändern. Denn ich bin der Meinung, auch wenn die Fische solche Werte aushalten, daß man sie nicht unbedingt diesen Bedingungen aussetzen muß.

Viele Grüsse
Tina
Schubidu ist offline  
Alt 06.01.2003, 18:10   #5
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Standard Re: Was macht die Naturnähe eines Aquariums aus?

Hallo Gerd,

> Was macht die Naturnähe eines Aquariums aus?

Etwas Provokantes am Abend verbessert direkt die Laune.

Ich würde Naturnähe im AQ so definieren, daß

a) die biologischen kreislaufsysteme für Stickstoff, Phosphor,, Schwefel als wichtige soweit, wie es nur irgendwie geht, geschlossen ablaufen. Wir wissen beide, daß das in Gänze nicht geht, aber der Weg ist das Ziel.

b) die Strukturierung des AQ den bedürfnissen der dort lebenden Tiere weitestgehend entgegen kommt. Dabie ist die direkte Nachahmung der Natur nicht immer und unbedingt erforderlich. Fische, die in Wurzelkomplexen umgestürzter Urwadlriesen leben, sind weniger auf das Holz angewiesen (mit einigen Ausnahmen), sondern mehr auf die vergleichsweisen dunklen Standorte und "senkrechte" Strukturen. Diese kann man aber auch mit anderen Mitteln simulieren. Altum Skalar und Diskus sind die einfachsten, aber einpräglichsten Beispiele.

c) Knifflig und darauf willst Du hautpsächlich raus, nehme ich an, sind die Wasserwerte. Jost hatte schon vor längere Zeit mal einen Thread dazu gestartet. Fakt ist, daß ich für mein teil zumindest, mich an der Hersprungswässern orientiere, aber auch hier genau weiß, daß ich diese so nicht erreiche. Es geht also letztlich um den Toleranzbereich der jeweiligen Fischart, was kann sie an abweichenden Wasserwerten und an Belastung des Wasser vertragen. Hier kann man nur artspezifische rangehen. Mikrogeophagus ramirezi und manche Apistogramma Art sind was komplett anderes selbet als Diskus und Rote Neon, letztere haben bzgl. der Wasserwerte einen höheren Toleranzbereich als erstere.

Daher sind einfach pauschale Angaben so gut wie nie machbar, denn die Fragen, was ist die physiologische Leistungsrenze eines Tieres ist in aller Regel unbekannt im Detail.

Als Diskussionsgrundlage ausreichen ?
 
Alt 06.01.2003, 18:33   #6
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Standard Glaube nicht !

Zitat:
Zitat von Mbuna
.... seiner Art entsprechend alt oder älter wird und sich unter Umständen auch vermehrt.
Hi Leute,

das mit dem Vermehren ist nicht ganz logisch.
Manche Fische vermehren sich erst wenn sich die Bedingungen verschlechtern.
Damit wollen sie ihre Art erhalten.

Gruß Rolf

(naturnahe hat nichts mit Amano zu tun !)
Rolf K. ist offline  
Alt 06.01.2003, 18:51   #7
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Bitte, Rolf, nicht von Arterhaltung schreiben! Das ist doch nun wirklich schon lang vom Tisch....
Einheit der Selektion ist das Individuum mit seinen egoistischen Genen, Arterhaltung ist maximal ein by-effect der Fortpflanzungsmechanismen.
Herzlichst,
Carola

Meine Naturnah-Vorstellung:
a) und b) nach Ralf Rombach in "Das Zierfisch-Forum, WWW, 06.01.03"
c) Es sollte meiner Vorstellung von der Natur vor Ort nahe kommen, - ob diese mit der Realität was zu tun hat, bezweifle ich, die Diversität scheint mir einfach zu gross.....
Carola aus Wien ist offline  
Alt 06.01.2003, 18:59   #8
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Hallo nochmal..


ich glaube Gerd will auf die Antwort hinaus von der Frage" Darf ich mich noch als "Naturnaheraquaristiker" bezeichnen, wenn ich anfange "herumzupanschen" ?"

Ich denke, daß das Sprichwort " Der Zweck heiligt die Mittel" in DIESEM Falle zutrifft, aber sich dennoch ein Schritt von der naturnahen Aquaristik entfernt.

Puristen würden wahrscheinlich bei der Entkarbonisierung mit der Nasen rümpfen. Nur wie Ralf andeutet ( und das als Aushängeschild der NN-AQ) irgendwann ist Ende.
Es wird immer nur Naturnah bleiben, es wäre praktisch ein Asymptote.
Wir werden Mutter Natur nicht kopiert bekommen, es jedoch ständig zu versuchen mag allerdings einen Reiz darstellen
Sascha G. ist offline  
Alt 06.01.2003, 19:49   #9
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Hallo,
ich denke, die natürlichen Biotope unserer Fische sind in vielen Fällen nicht gerade nachahmenswert, gleiches gilt oft auch für die entsprechenden Wasserwerte.
Ich habe 1988 in der Nähe von Denver/Colorado Killifische (Fundulus zebrinus) gefangen. Wenn ich diesen Biotop zuhause hätte nachbilden wollen, hätte ich leere Bierdosen und alte Autoreifen in mein Aquarium werfen müssen. Das ist zwar sicherlich ein etwas drastisches Beispiel, kommt aber sicher nicht gar so selten vor. Das bestätigen mir auch Killifischfreunde, die in Westafrika zum Fischfang unterwegs waren.
Dazu kommt, das die dort gemessenen Wasserwerte selbst in naturbelassenen Gewässern nur Momentaufnahmen sind. Es stellt sich die Frage, wie werden die Wasserwerte über den Jahresverlauf beeinflußt? Die Unterschiede zwischen Trocken- und Regenzeit sind oftmals gewaltig.
Manche Wildfänge von Aquarienfischen sind beim Fang in einem erbärmlichen Zustand; das zeigt, daß die Tiere in ihren Heimatbiotopen nicht gerade unter paradisischen Umständen leben. So wurden beispielsweise die ersten Tiere der roten Farbvariante von Nothobranchius eggersi in Tansania in einem Wasserloch gefangen, in dem das Wasser durch die Ausscheidungen von Elefanten stark in Richtung Jauche tendierte.
In großen Flußsystemen wie dem Amazonas und seiner Nebenflüße sind die Schwankungen der Wasserqualität aufgrund der großen Wassermengen natürlich bei weitem nicht so drastisch. Dennoch ist es auch hier nicht unbedingt vorteilhaft, die natürlichen Bedingungen ins Aquarium zu übertragen. Extreme Wasserwerte, wie z.B. 0°GH, im Aquarium nachzuahmen, ist ja durchaus nicht unproblematisch, wenn man an die Anfälligkeit solcher ungepufferten Wässer auf pH-Wert Schwankungen denkt. Ich denke, da tut man den Fischen mehr Gutes, wenn man sie bei ein paar Grad Härte mehr hält und ihnen dafür den Stress von pH-Wert Schwankungen erspart.
Viele Grüße
Günther Schmaus ist offline  
Alt 06.01.2003, 20:55   #10
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Hallo Günther,

im allgemeinen zugestimmt.

> Extreme Wasserwerte, wie z.B. 0°GH, im Aquarium
> nachzuahmen, ist ja durchaus nicht unproblematisch, wenn man
> an die Anfälligkeit solcher ungepufferten Wässer auf pH-Wert
> Schwankungen denkt.

Ich will hier keinen zu Experimenten veranlassen, nur kann ich aus meinen eigenen Erfahrungen sagen, daß die pH Wert Schwanlungen bei "biologisch" stabilen Becken selbst bei KH 0 und GH 1 und kleiner eher geringer sind als man denkt. Ich fahre ein becken mit 60 µS/cm, Tendenz langsam fallend, weil Experimente halt, der pH rührt sich derzeit von pH 6,0 kaum weg.
 
 

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