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Alt 28.01.2015, 19:49   #1
Champsochromis
 
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Standard Flösselhechte

Wissenschaftlicher Name und Gattung?
Polypterus

Deutscher Name: (aktueller dt. Name des Tieres)
Flösselhecht

Herkunft: (z.B. Habitat, natürliches Vorkommen, natürl. Lebensraum)
heute nur noch in tropischen Bereichen Afrikas anzutreffen (fossil auch in Südamerika und Europa anzutreffen) Kommen dort im Gewässereinzug des Atlantik, im Nil und einigen Seen in Ostafrika (Viktoriasee, Rukwasee, Tanganjikasee, Turkanasee) vor. Im Malawisee und Flüssen die in den indischen Ozean fließen nicht anzutreffen

Erreichbares Alter: (z.B. Monate oder Jahre durchschnittlich)
bis 25 Jahre

Erreichbare Größe: (in cm)
je nach Art 25cm - 90cm

Persönlicher Haltungs- und Zuchterfolg:

Aussehen:

Flösselhechte sind "lebende Fossile" mit einem langgestreckten, im Querschnitt rundem Körper. Der Körper ist von rautenförmigen, harten Ganoidschuppen bedeckt. Eine Rückenflosse im eigentlichen Sinn besitzen Flösselhechte (und auch der verwandte Flösselaal) keine, stattdessen tragen sie im Rückenbereich mehrere (zwischen 5 - 18) Flössel. Die großen Brustflossen sitzen an muskulösen Stielen und werden auch zum regelrechten "kriechen" am Boden/zwischen Einrichtungsgegenständen beutzt, die Nasenöffnungen sind wie bei vielen sehr alten Fischklassen stabförmig ausgezogen. Die Färbung ist entweder gräulich (P. senegalus, P. palmas, P. polli, mit Marmorierungen/Fleckzeichnungen wie P. endlicheri, P. delhezi, oder wie der "bunteste" Flössler P. ornatipinnis mit einem ansprechendem schwarz-weißen "Salz und Pfeffer" Muster

Geschlechtsunterschied:

Bei Jungtieren ist das Geschlecht noch nicht eindeutig erkennbar. Geschlechtsreife Tiere kann man anhand der Afterflosse unterscheiden. Die Afterflosse der Männchen ist breiter/größer als die der Weibchen. Weibchen besitzen in der Draufsicht einen wesentlich massigeren Schädel und kräftigeren Körper als die Männchen. Geschlechtsreif werden die Tiere erst spät, sie sind dann meißt >10 Jahre alt und/oder haben auch schon fast die volle Größe erreicht

Beckengrößen:

Flösselhechte sind im allgemeinen zwar keine agilen Schwimmer, aber sie werden halt recht groß

für die kleiner Arten (um 30cm) wie meine ehemaligen Polypterus senegalus, Polypterus palmas und Polypterus polli werden oft Becken von 240l als geeignet angegeben, meiner Meinung nach sollten die Tiere darin aber spätestens ab 20cm Länge in ein größeres Becken von 400-500l umgesiedelt werden (zumal ja gerade diese kleineren Flösselhechte nicht als Einzeltiere sondern als kleine Gruppe gehalten werden sollen)

für die großwüchsigere Arten (um 40cm) die wie wie mein Schmuckflösselhecht (Polypterus ornatipinnis) oder der auch häufiger im Handel anzutreffenden Zaire-Flösselhecht (Polypterus delhezi) sind dauerhaft Becken ab 600l angebracht

wärend noch größer werdende (>50cm) Arten wie meine Polypterus endlicheri oder gar Polypterus bichir schon Becken um 1000l brauchen

wichtiger als das Wasservolumen ist aber eher das die Becken eine große Bodenfläche für die Tiere bietet. Einen hohen Wasserstand im Becken benötigt kein Flössler

Einrichtung:

Flösselhechte sind eher dämmerungs-/ nachtaktive Fische die sich hauptsächlich am Beckenboden aufhalten. Tagsüber liegen sie gerade als Wildfänge meißt in/an dunklen Stellen im Becken rum ohne sich großartig zu rühren (die Nachzuchten von P. senegalus sind allerdings auch tagsüber häufig im Becken unterwegs anzutreffen). Daher sollte das Becken mit vielen dunklen Stellen ausgestattet sein. Woraus diese bestehen ist aber eher zweitrangig. Meine P. endlicheri und der P. ornatipinnis leben z.Z. in einem Becken das mit vielen großen Moorkienwurzeln vollgestopft ist (die Pflanzenfresser mit darin lassen kein Grünzeug überleben). Röhren, dichte großblättrige Pflanzenbestände, Laub am Boden oder Rohre sind auch gut geeignet. Manche Tiere, wie meine P. endlicheri graben sich auch gerne mal in Sandboden ein. Für jedes Tier im Becken sind mehrere "Verstecke" anzubieten. An den Bodengrund werden keine Ansprüche gestellt. Pflanzen sind zwar alle Arten möglich, aber man muß gerade bei schwachstieligen Stengelpflanzen immer damit rechnen das nachts bei ungestümmen Verhalten mal welche aus-/abgerissen werden können

Wasserwerte:

Flösselhechte sind da sehr anspruchslos. Sie vertragen eigentlich alles was in Zimmeraquarein anzutreffen ist.
Meine Polypterus palmas und P. sengalus z.B haben bei mir auch schon zwischen pH6 GH3 KH2 (Schwarzwasser) und pH 8,7 GH 20 KH 16 (Tanganjikabecken) gependelt ohne das sie je eine Auffälligkeit zeigten. Die Wassertemperatur sollte allerdings nicht längere Zeit unter 20-22 Grad abfallen, dann werden sie sehr träge und können sich kaum noch bewegen. Kurzzeitig eine solche Abkühlung, z.B nach einem großen Wasserwechsel, verkraften sie aber Problemlos wenn das Wasser dann im laufe des Tages wieder auf 24-25 Grad ansteigt. Hält man Flösselhechte in einem Artbecken kann auf eine besonders leistungsfähige Filteranlage verzichtet werden. Sie sind an "schmutziges", sauerstoffarmes Wasser bestens angepaßt da sie eine "primitive" Lunge besitzen mit der sie auch in feuchter Umgebung (z.B Schlammlöchern) überleben können. Da Flösselhechte diese Lunge auch in sehr sauberen, sauerstoffreichen Wasser regelmäßig benutzen (mit den Kiemen alleine können sie ihren Sauerstoffbedarf nicht decken) muß ihnen immer die Möglichkeit gegeben sein zum luftholen an die Wasseroberfläche zu kommen - Flösselhechte sind Fischen die ansonsten ertrinken

Futter/Freßverhalten:

Flösselhechte sind Carnivoren. Als Futter kommen demnach alles mögliche an tierischer Kost in Frage. Meine Tiere fressen/fraßen im Laufe von 20 Jahren:

die Kleintierfresser wie es P. senegalus und P. palmas sind - Mülas, Regenwürmer, Tubifex, Gammarus, Muschelfleisch, Schneckenfleisch, Garnelen, Insektenlarven, kleingeschippelte Geflügelleber, Fischstücke, Kleinfische aus meinem Gartenteich oder Stinte, kleinere Engerlinge, Heimchen, Weichkäse, Manche Jungtiere fressen sogar Trockenfutterpräparate wie Cichlidensticks für carnivore Buntbarsche oder Flocken

P. ornatipinnis - als Jungtier noch das gleiche wie die oberern, heute aber nur noch große Tauwürmer und Fischfiletstücke/Kleinfische

P. endlicheri - als "echter" Raubfisch fraß der bei mir schon ab 10cm Länge nur noch kleine Lebendfische, bzw. Fischfleisch (Fischfiletstücke, Stinte)

Das Futter wird zwar hauptsächlich mit der Nase gesucht und erbeutet, aber gerade bei lebenden Futterfischen, agil herumzappelten Würmern oder an der Oberfläche schwimmenden Insekten kommen nach eigenen Beobachtungen zumindest tagsüber scheinbar auch die Augen zum Einsatz - im Gegensatz zum verwandten Flösselaal scheinen Flösselhechte doch noch recht gut zu sehen. Nach den Anguillidae (Aale) sind sie die Polypteridae wohl die Fische mit dem besten Geruchsinn unter den Knochenfischen. Landet Futter im Becken nehmen die Flössler meißt schnell die Witterung auf indem sie den Kopf heben um die Quelle der Duftspur zu orten. Dann wird ein Stückchen geschwommen und wieder geschuppert. Je stärker die Duftquelle wird umso schneller und zielstrebiger bewegen sie sich auf das Futter zu. Die Beute wird dann geschnappt und mit ruckartigen Bewegungen in den Verdauungstrakt befördert. Ist das Beutestück zu groß versuchen gerade jüngere Tiere sich per "Krokodilrolle" - die Fische verbeißen sich im Futter und drehen sich dann sehr schnell um die eigene Achse - ein Stück herauszureißen

Vergesellschaftung:

da Flösselhechte je nach Art/Größe mehr oder weniger räuberisch veranlagt sind ist die Vergesellschaftung nicht immer ganz unproblematisch. Fische wie z.B Salmler/Barben unter 6cm Länge fallen auf Dauer bei allen Arten weg da sie irgendwann als Futter enden werden. In meinen Becken waren meine Flösselhechte in den über 20 Jahre seit ich welche halte in den unterschiedlichsten Becken mit allerlei unterschiedlichen Fischarten vergesellschaftet.
Untereinander sind verschiedene Flösselhechtarten meißt verträglich wenn der Größenunterschied nicht zu groß ist und genügend Versteckplätze für alle Tiere vorhanden sind. So leben noch heute bei mir in meinen 960l Becken ein 45cm P. endlicheri Weibchen ein gleichaltriges "verkrüppeltes" (hatte sich als 15cm langes Jungtier die Wirbelsäule gebrochen und wächst seitdem kaum noch) 25cm P. endlicheri Männchen und ein 35cm P. ornatipinnis problemlos zusammen. Früher waren da auch noch 2 alte P.senegalus und ein >25 Jahre alter P. palmas dabei die aber die letzten 2 Jahre altersbedingt nach und nach wegstarben. Kleine Flössler zu deutlich größeren geht aber meißt schief, ein 15cm P. senegalus "Albino" wurde kurzerhand von meiner großen Endlicheri-Dame gefressen. Bis vor kurzem leben die beiden "großen" Arten mit dem Großbuntbarsch Vieja synspila, einem großen 45cm Wabenschilderwels und Leporinus affinis zusammen. Da war aber keine Vergesellschaftung mehr mit länglichen Fischen unter 12cm Länge mehr möglich da das 45cm "Breitmaul" solche Größen mittlerweile als gefundenes Fressen ansieht. P. senegalus, P. palmas und auch die beiden P. endlicheri als Jungtiere waren ehemals in meinen 560l Westafrikabecken mit Pelvicachromis pulcher, Arnoldichthys spilopterus, Xenomystus nigri, Synodontis nigriventris, Ctenopoma acutirostre, Erpetoichthys calabaricus (Flösselaal) und Pantodon buchholzi untergebracht. Noch früher lebten 3 P. senegalus und 2 P. palmas zusammen mit 12 Pygocentrus nattereri und dem Wabenschilderwels zusammen.
Bei der Vergesellschaftung von Flösslern ist unbedingt zu beachten das Flösselhechte aus eigener Erfahrung ganz ähnlich wie rote Piranhas sehr stark auf den "Geruch" von frisch hinzukommenden Fischen reagieren. Neue Fische von außerhalb, die noch nicht den "Beckengeruch" angenommen haben provozieren sehr oft Angriffe. Der Versuch in meinen damaligen Westafrikabecken die Gruppe der Arnoldichthys spilopterus um 8 zusätzliche Exemplare zu erhöhen ging schief. Die Neuankömmlinge wurden von den Flösselhechten gezielt aus dem Schwarm des Altbestandes, herausgeschnappt. Flösselhechte sollten daher immer als letztes ins Becken kommen oder die Neuankömmlinge müssen groß und hochrückig sein sodas sie nicht mal annähernd ins Maul passen.

Übrigens: von einer oft zu lesende "Bissigkeit" untereinander hab ich selbst in über 20 Jahren Flösslerhaltung bei meinen Tieren/Arten noch nie was feststellen können. Wenn ein Tier sich in meinen Becken einen Standort ausgesucht hat und ein anderer Flösselhecht will da auch mal hinein wird er höchsten mal dezent weggeschubst


Zucht:

Flösselhechte sind Freilaicher. Die kleinen Arten wie P. senegalus, P. polli und P. palmas lassen sich auch im Zimmer-Aquarium nachziehen, bzw. kommen gerade bei mehreren P. senegalus in Becken mit wenig Beibesatz auch immer mal Jungtiere zum Vorschein. Jungtiere sind an den äußeren Kiemenbüscheln, die sie bis mehrere cm Länge tragen, recht gut erkennbar

Bei mir habe ich in über 20 Jahren Flösselhechthaltung aber bisher nur ein einziges Mal ein laichen meiner damals noch 3 P. palmas (2 Männchen/1 Weibchen von 25-30cm) im damaligen 500l Becken mitbekommen.
Nach einem starken Wasserwechsel mit Temperaturerhöhung - zuvor waren die Wasserwechsel krankheitsbedingt einige Wochen ausgefallen - fingen die beiden kleineren Männchen an mit angeschwollener Afterflosse unruhig am Tag im Becken umherzuschwimmen und schließlich das in seinem Versteck liegende Weibchen an zu bedrängen. Nach ein paar Std. fing die Dame schließlich auch mit an sich an der Treiberei zu beteiligen. Eines Männchen glitt immer dichter ans Weibchen heran und schließlich verharrte die Dame mit ihm über einem Büschel Perlkraut. Während das Männchen seine geschwollene Afterflosse unter das Weibchen schob wurden von diesem glasklare, rund 1mm große Eier einfach so in den Perlkrautbusch rieseln gelassen. Anschließend schwammen beide Partner wieder dicht an dicht einige Minuten durchs Becken. Das gleiche Spiel wiederholte sich noch 3-4x danach trennten sich beide Partner wieder. Leider kamen damals wegen dem Hunger des bodenbewohnenden Beibesatzes (einige Antennenwelse, 5 Schmuckflossen-Fiederbartwelse) keine Eier zur Entwicklung.

Fotos:

Präparat von Polypterus bichir, der größten Flösselhechtart

mein 35cm langer Schmuckflösselhecht (Polypterus ornatipinnis)

und mein 45cm Polypterus endlicheri

Geschlechtsbestimmung anhand der Afterflossen

breite, vielstrahlige Afterflosse bei den Männchen - hier meinem P ornatipinnis

schmale bei den Weibchen wie meinem großen P. endlicheri
Angehängte Grafiken
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Alt 03.06.2018, 22:35   #2
Lake28
 
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Top Beitrag!
Du hast echt in meinen Augen alles erklärt was man sagen sollte.
Habe selber seit 6 Jahren 5 polypterus delhezi in meinem 1200er Gesellschaftsaquarium.
Klasse Tiere..... Das einzige Manko bei den Jungs ist das wenn sie ausgewachsen sind fällt jegliche Vergesellschaftung echt schwer, weil praktisch fast alles Passgenau für das Maul ist.
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