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Alt 07.04.2014, 15:32   #1
Schneckinger
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Standard Heimische Hölzer im Aquarium, noch eine kleine Abhandlung ;-)

Hallo Forianer,

nachdem in der letzten Zeit immer wieder Fragen zur Verwendung von heimischen Hölzern im Aquarium auftauchen, habe ich beschlossen, mich mal kurz über das Thema auszulassen. Ein verwandtes Thema zu Herbstlaub und Erlenzäpfchen im Aquarium:
http://www.zierfischforum.info/allgemeines/90465-herbstlaub-und-erlenzapfen-im-aquarium-eine-kleine-abhandlung.html
ist ja anscheinend ganz gut angenommen worden.

Schneckingertypisch ist das ganze wieder recht lang, aber ich hoffe es lohnt sich für Euch, sich durch den Text zu kämpfen.

Ich beschreibe hier ausschließlich eigene Erfahrungen, die sich sicher nicht immer 100%ig verallgemeinern lassen. So lief/läuft es halt in meinen Becken.

1.Verwendete Holzarten

Ich verwende im Aquarium ausschließlich Holz von einheimischen Laubbäumen. Nadelholz belastet nach meiner Erfahrung das Wasser wesentlich mehr und neigt selbst nach langer Lagerung aufgrund des hohen Harzgehaltes viel häufiger zur lästigen "Bakterienrasenbildung".

Geeignet sind eigentlich alle Laubbäume. Persönliche Erfahrung habe ich mit:
-(Birnen)Quitte
-Buche
-(Wild-)Kirsche
-Apfel
-Weide
-Eiche
-Linde
-Birke
-Erle
Aufpassen würde ich bei der Vielzahl an Sträuchern. In diesem Bereich gibt es viele Giftpflanzen. Dort wäre ich mit der Verwendung im Aquarium zumindest vorsichtig.

2.Welche Teile des Baumes sind verwendbar?

Grundsätzlich sind alle hölzernen Teile des Baumes geeignet. Vom kleinsten Zweiglein über dickeres oberirdisches Holz bis zu den Wurzeln.
Häufig werden allerdings (auch von mir) für die Aquariendekoration Wurzelstücke bevorzugt. Wurzeln zeigen oft eine besonders attraktive Wuchsform und das Holz ist im allgemeinen deutlich härter und damit beständiger als die oberirdischen Holzteile.

3.In welchem Zustand/Alter sollte das Holz sein?

In meinen Augen der wichtigste Punkt, bei der Verwendung von heimischen Holz unter Wasser! Im Normalfall sollte das Holz
-komplett abgestorben sein
-mehrere Jahre Wind und Wetter ausgesetzt gewesen sein
-noch stabil und „kernig“ sein, Holz das bei Berührung schon fast zerfällt oder sich schwammig anfühlt ist ungeeignet

Zur Begründung:
Frisches Holz enthält extrem viele, sehr energiereiche Verbindungen. Hauptsächlich Kohlenhydrate, aber auch Eiweiße und in geringerem Ausmaß (bei Laubholz) Öle und Harze. Nadelholz enthält naturgemäß sehr viel Harz und ist schon deswegen meist ungeeignet.

Wenn diese Stoffe in großer Menge ins Aquarienwasser gelangen, können sie durch den Nährstoffüberfluß massive Bakterienblüten auslösen und (vor allem kleinere) Becken schon einmal zum „Kippen“ bringen.

Wenn das Holz aber über mehrere Jahre dem Wetter ausgesetzt ist, werden durch Sonnenlicht, Wärme- und Kälteeinwirkung (Frost) viele dieser Stoffe „geknackt“. Der Regen tut dann sein übriges und spült die Überreste aus dem Holz aus.

Dies gilt übrigens auch für die in Obstbaumholz enthaltenen Blausäurespuren, vor denen häufig gewarnt wird.

Übrig bleibt dann ein Gerüst aus reinem, relativ energiearmen Holzfasern, das das Wasser kaum noch belastet.

Daher ist es auch nicht sinnvoll, Holz dass man frisch erntet und später im Aquarium verwenden will „unter Dach“ zu lagern und zu trocknen. Hier verliert das Holz zwar schnell alles Wasser (das uns ja gar nicht stört) und die schnell flüchtigen ätherischen Öle.
Eiweiße und Kohlenhydrate aber bleiben weitestgehend erhalten. Es findet ja keine „Spülung“ durch den Regen statt.

Bei dieser Art der Lagerung entsteht perfektes Brennholz. Aber keine gute Aquariendekoration.

4.“Aufbereitung“ des gesammelten Holzes

Wenn ich Holz finde, das den Bedingungen in Punkt 3 voll entspricht, unterziehe ich es eigentlich nur noch einer schnellen Grobreinigung mit Gartenschlauch und Bürste. Diese Reinigung soll in erster Linie anhaftende Erde/Sand entfernen. Auch lose/verrottete Holz- und Rindenstückchen landen so im Rasen im Garten und nicht im Aquarium.

Faule (und technisch gut ausgestattete) Aquarianer können für diesen Zweck natürlich auch ihren „Kärcher“ (Dampfdruckreiniger) nutzen.
Dann ab damit ins Becken. Sollte das Holz noch aufschwimmen, beschwere ich es mit Steinen. Hier leistet ein Damenfeinstrumpf gute Dienste: Gefüllt mit groben Kies lässt er sich auf fast jeder Wurzel problemlos befestigen und nach „erfolgreicher Mission“ problemlos wieder entfernen.

Normalerweise wässere ich gesammeltes Holz nicht länger vor der Verwendung im Becken. Soll es aber doch gewässert werden, aus welchen Gründen auch immer, ist auch hier das richtige Vorgehen wichtig:
Holz muss beim Wässern immer vollständig untergetaucht sein! Holz, das beispielsweise in der Badewanne oben schwimmt und teilweise aus dem Wasser ragt, wird sich so gut wie nie ganz vollsaugen. Die Teile unterhalb der Wasseroberfläche saugen sich zwar voll, Aber die Teile über Wasser trocknen im ungünstigsten Fall sogar weiter aus!

Das falsche, weil nicht ganz untergetauchte, Wässern des Holzes ist auch die Hauptursache für Probleme mit Schimmel. Schimmel braucht zur Entwicklung
-Feuchtigkeit
-Wärme
-Luft
Daher schimmelt trockenes Holz nicht. Ganz untergetauchtes Holz ebenfalls nicht! Halb untergetauchtes Holz dagegen (vielleicht noch im warmen Badezimmer!) bietet Schimmel dagegen einen idealen Nährboden. Daher verschimmeln auch immer zuerst die Teile des gewässerten Holzes, die zwar nass, aber oberhalb der Wasseroberfläche sind.

Durch „falsches“ Wässern verschimmeltes Holz ist für den Aquariengebrauch ungeeignet und auch sehr schwer zu „retten“ da die Schimmelpilzfäden (und die von ihnen abgegebenen Giftstoffe!) tief in die Holzstruktur eindringen.

5.Hölzer aus Gewässern

Grundsätzlich ist es durchaus möglich Hölzer aus Gewässern zu verwenden:
Vorteil:

Durch das lange natürliche Wässern gehen sie schon problemlos unter.

Nachteil(e):
-mit Holz aus Gewässern kann man sich schnell Fischkrankheiten und Parasiten einschleppen. Karpfenläuse, Planarien, Bakterielle Erreger...

Daher verwende ich nur in Ausnahmefällen Holz aus Gewässern. Und wenn dann nur, wenn ich sie im ganzen gründlich abkochen und damit desinfizieren kann.

6.“Probleme“ und „Sorgen“ mit Holz im Aquarium und die Lösungen gleich dazu

-Aufschwimmen des Holzes:
Beschweren mit Steinen ,eventuell unter Zuhilfenahme eines Damenstrumpfes, s.o. Ansonsten langes Wässern. Oft wochen- manchmal monatelang.
Alternativ „verkeilen“ des Holzes zwischen Aquarienquerstegen, Scheiben, Steinen und anderen Einrichtungsgegenständen

-Verschimmeln des Holzes beim Wässern:
Das Holz unbedingt beim Wässern ganz untertauchen. Wenn es schon passiert ist, das Holz komplett entsorgen.

-“Tee“farbige Verfärbung des Wassers
Auch sehr gut abgelagertes Holz gibt noch Gerb- und Huminsäuren ab. Die leicht bräunliche Verfärbung (nicht Trübung!) des Wassers ist völlig harmlos. In vielen Aquarien (Südamerikabecken!) sogar erwünscht.

-“Verschimmeln“ des Holzes im Aquarium:
Holz verschimmelt unter Wasser grundsätzlich nicht. Die schleimig/weißen Beläge, die sich häufig im Aquarium auf Holz bilden, sind kein Schimmel.

Hierbei handelt es sich um einen landläufig als „Bakterienrasen“ bekannten Belag. Das Holz enthält in diesen Fällen noch Restnährstoffe, die von Bakterien und anderen Miktoorganismen als Nahrung genutzt werden. In geringem Ausmaß ist dieses Phänomen völlig harmlos und kann ignoriert werden.

Viele Fische (insbesondere saugende Welse und Schmerlen) und niedere Tiere (Schnecken, Garnelen) weiden diesen Bakterienrasen mit Begeisterung ab. Starker Bakterienrasen lässt sich im Normalfall leicht absaugen. Wenn es ganz hart kommt, die Wurzel noch einmal aus dem Becken nehmen und unter fließendem Wasser gründlich abbürsten. Das war allerdings bei mir noch kein einziges mal nötig!

Empfehlenswert sind während derartiger Bakterienblüten häufige und große Wasserwechsel, um die überschüssigen Nährstoffe aus dem Aquarium zu entfernen. Die meisten Aquarianer geben zu früh auf und entsorgen ihre Wurzeln wegen „des ekligen Schimmels“, kurz bevor sich das Problem von allein erledigt.

Die beste Vorbeugung gegen größere Bakterienblüten, ist die Verwendung wirklich lange abgelagerten, gut ausgewitterten Holzes. Siehe Punkt 3 ;-)

-Hole ich mir mit dem Holz nicht Krankheitserreger ins Becken?
Die meisten krankmachenden Bakterien und eigentlich alle Parasiten sind entweder an ein Leben über ODER unter Wasser angepasst. Trockenes, über Wasser gesammeltes Holz enthält daher praktisch nie Erreger, die Wasserlebewesen krank machen können.

-Hole ich mir mit dem Holz „ekliges“ Viehzeug ins Becken?
Die eine oder andere Ameise oder ein Käferchen ist völlig unproblematisch. Das fällt unter natürliches Fischfutter.Und ein ganzes Ameisennest wird ja wohl kaum jemand übersehen ;-)

7.Gekauftes Holz aus dem Laden – heimisches gesammeltes Holz, ein Gegensatz?

Selbstverständlich kann man im Aquarium gekauftes Holz aus dem Zoofachgeschäft verwenden. Da werden oft wunderschöne Stücke angeboten. Die Nachteile dieser Hölzer sind in meinen Augen:
-gesalzene Preise ;-)
-Ewig lange Transportwege mit entsprechendem Energieverbrauch
-Schadstoffbelastungen 1: Auch tropische Wälder können belastet sein (z.B. Quecksilber bei der Goldwäsche in Brasilien). Da sammele ich mein Holz lieber selber und weiß woher es kommt.
-Schadstoffbelastung 2: Holz im Handel wird aus optischen Gründen oft kugelgestrahlt. Diese Kugeln können auch Schwermetalle enthalten. Übersehene Reste in Holzritzen können das Wasser stark belasten
-Morkienholz wird beim -aus Umweltschutzgründen abzulehnenden- Torfabbau gewonnen.
-Auch Holz aus dem Zoohandel schwimmt häufig lange auf, entwickelt häufig die schönsten Bakterienteppiche, färbt ebenfalls das Wasser und bildet manchmal regelrechte Ölfilme auf dem Wasser.

Auch ich habe früher Holz aus dem Fachhandel im Aquarium verwendet. Mittlerweile seit Jahrzehnten nicht mehr. Zusätzliche Probleme habe ich mir damit auf keinen Fall eingehandelt, eher weniger. Und ich habe eine Menge Geld gespart ;-)
Also nicht schon wieder auf den Zoohandel schimpfen, heimische Hölzer gefallen mir einfach besser.


8.Zum Schluß noch ein paar aktuelle Beispiele aus meinen Aquarien, denn ein Bild sagt mehr als 1000 Worte:

Eine Weidenwurzel in meinem Zwerpanzerwelsbecken. Erst wenige Tage im Becken. Eventuelle Probleme kommen also erst noch. Siehe auch hier:
http://www.zierfischforum.info/becke...-reloaded.html

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Eine Birnenquittenwurzel im "alten" Zwergcorybecken. (s. auch im Album in meinem Profil) mittlerweile im Sterbaibecken meines Sohnes. Der Baum war vor der Erstverwendung 3 Jahre entwurzelt (Baumaßnahme). An den Schnittflächen bildete sich für ca.eine Woche ein leichter Bakterienrasen, den die Garnelen aber ruck-zuck abgeweidet hatten
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Eine Birkenwurzel im Gesellschaftsbecken meines anderen Juniors. Jetzt seit ca 6 Wochen im Wasser. Komplett ohne Vorbehandlung. Da sie munter aufschwamm, im Becken zwischen Mattenfilter, Frontscheibe und Aquarienlängssteg verkeilt:
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Eine Riesenwurzel (vermutlich Roterle).
Am Lechufer gesammelt. Der Baum wurde (vermutlich vom Frühjahrshochwasser) im letzten Jahr entwurzelt. Das Holz war also relativ frisch. Momentan "wässert" sie im Tümpelaquarium auf der Terasse. Siehe auch hier:
http://www.zierfischforum.info/becke...entuempel.html
Anfangs bildet sich ein dichter, flächiger Bakterienrasen. Jetzt (nach ca. einer Woche) ist der aber schon zu fast 100% von den Kaulquappen abgeweidet worden.
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Eine Stück Buchenastholz im "Paludarium". Das Holz wird "über" Wasser ständig über eine Tropfberieselung feucht gehalten. 1 Woche nach dem Einsetzen unter Wasser ein leichter Bakterienrasen um den sich Schnecken und Garnelen schnell kümmerten. Erfreulicherweise null Probleme über Wasser.
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Ich hoffe ich konnte Euch mit diesem "Artikelchen" etwas helfen. Besonders vielleicht Anfängern, die bei "natürlichen" Materialien noch etwas Berührungsängste haben.

Bei Anregungen, Fragen, eigenen Erfahrungen immer los und fleissig schreiben. Nur so lässt sich ein solches Thema für alle interessant und "lehrreich" halten.

Tschüß,
Schneckinger

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Alt 12.06.2016, 21:12   #2
Katrin17
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Hallo!

Hier findet ihr den Original-Thread, dort seid ihr auch herzlich zum mitschreiben eingeladen:

http://www.zierfischforum.info/aquar...bhandlung.html

Grüße Katrin
Katrin17 ist offline   Mit Zitat antworten
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