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Alt 13.01.2019, 21:22   #1
Otocinclus2
 
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Standard Fische als Bedrohung in der Natur und Aquaristik

Balu hat ja vor einem guten halben Jahr hier:
https://www.zierfischforum.info/fisc...quaristik.html
dankenswerterweise den Thread "Bedrohte Fischarten in der Natur und Aquaristik" eröffnet, der sicherlich noch um etliche Beiträge bereichert wird bzw. wohl leider bereichert werden muss.


Dort geht es um Fischarten, deren Existenz in den natürlichen Habitaten aus den verschiedensten Gründen bedroht ist - meist durch Vernichtung eben dieser Habitate aus Profitsucht.


Nun möchte ich hier gewissermaßen ein "Gegenstück" als Thema eröffnen - nämlich nicht die Fische als Gefährdete und Bedrohte, sondern als Gefährder und Bedroher - insbesondere in der Form als invasive Art.


Zugegeben: "Fische als Bedroher" klingt etwas reißerisch und würde man eher als Schlagzeile in der "BLÖD-Zeitung" erwarten. Ich hatte mir deshalb auch überlegt, den neues Thread mit "Fische als Neozoen" zu betiteln.
Aber aus einigen anderen Beiträgen hier habe ich gelernt, dass zumindest einige Foris hier keine lateinische Namen oder sonstige Fremdwörter (gibt es eigentlich kein Fremdwort für "Fremdwort"? ) mögen. Deshalb also ein rein deutscher Titel - und ja, ein wenig reißerisch, weil ansonsten kann man ja heutzutage kaum noch Aufmerksamkeit erregen.


Warum aber "Bedrohung in der Natur und Aquaristik"?
Nun, weil jeder in Aquarien gehaltene Fisch, der potentiell in unseren Gewässern überleben kann, auch zur Bedrohung in unseren heimischen Biotopen werden kann, namentlich wenn er von gedankenlosen Aquarianern, die ihn nicht mehr haben wollen, einfach ausgesetzt wird. Gleiches gilt natürlich und wohl mehr noch für Gartenteiche. Regenbogenelritzen z.B. sind wunderschön. Wenn sie aber (und sei es nur durch ein Hochwasser) "freigesetzt" werden...


Gleich im Anschluss an diese Einleitung mein erster Beitrag dazu.

Mal schauen, ob es der einzige bleibt, oder ob sich auch noch andere Foris hier beteiligen mögen...


Gruß
Otocinclus2
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Alt 13.01.2019, 21:48   #2
Otocinclus2
 
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Standard Der "Gelbe Drachenwels"

Fische, die eigentlich ursprünglich hier nicht heimisch waren, aber in vielen "wilden" Tümpeln (so es denn solche auch heute noch gibt - in meiner Kinderzeit gab es sie) anzutreffen sind, kennt wohl jeder - wie z.B. den Goldfisch. Oder (natürlich weniger "sichtbar") den Katzenwels.


Auch die Schwarzmeergrundel ging ja in den letzten Monaten durch die Medien.

Anfangen möchte ich hier aber mit einem Fisch, den ich bis heute selbst noch gar nicht kannte - und der gleichwohl als "Neubürger" (= "Neozoe" - für alle die, die Fremdwörer mögen ) hier wohl schon "angekommen" ist.


Der "Gelbe Drachenwels" (Tachysurus fulvidraco) ist vielleicht auch schon früher, aber spätestens Anfang 2014 von der sehr rührigen Importfirma Aquarium Glaser importiert worden.
https://www.aquariumglaser.de/fischa...fulvidraco_de/
Ein wirklich schmuckes Kerlchen, wie man auf der vorstehend verlinkten Seite sehen kann.


In der Donau geht dieser hübsche Fisch (in seinem Herkunftsland auch ein Speisefisch) mittlerweile den Anglern immer öfter an den Haken.
https://www.businessinsider.de/myste...onau-an-2019-1


Ob dieser Neubürger für die hiesige ( = bisherige) Fauna eine Bedrohung ist, ist wohl zumindest "offiziell" noch nicht geklärt.
Zitat:

"Auf die Frage, ob der Fisch eine Gefahr für die heimische Fauna darstellen könnte, antwortete Ulrich Schliewen, einer der Autoren und Fischkurator bei der ZSM, gegenüber dem „Spiegel“, dass dies „derzeit nicht abgeschätzt werden“ könne."


Meine (natürlich völlig unmaßgebliche) Meinung dazu:
Jeder hier (ob einheimisch oder zugewandert) lebende Fisch konsumiert. Und jede Ressource kann nur einmal konsumiert werden.
Das ist genauso, wie die Schlacht am Kalten Buffet: Der nette Zeitgenosse neben mir kann noch so sympathisch rüberkommen - was der vor mir wegisst, kann ich mir nicht mehr auf meinen Teller laden.



Gruß
Otocinclus2

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Alt 13.01.2019, 22:11   #3
carpenoctemtom
 
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Zum Drachenwels kann ich eigene Erfahrungen beitragen. Ich hatte ihn bei ner Bestellung von nem Kumpel mitbestellt, das war so 1998 oder so. Oder sagen wir so, der wurde geliefert, obwohl ein andere kleinbleibender Wels bestellt wurde (k.A. mehr welcher). Er kam so mit 6-8cm denke ich. In der Box hüpfte er munter rum, seinen dreifachen Beutel hatte er zerstört. Naiv wie ich war, hat er mir gefallen und ich hab ihn in ein Becken mit Barschen getan...
Für eine Nacht, in der Zeit hat er ein Termometer zerstört und einige Fische gefressen. Das Thermometer hat er dadurch zerstört, dass er einen Fisch totgeschlagen/-schüttelt hat. Dabei habe ich ihn morgens erwischt. Also rausgefangen und Gottseidank hat mein damaliger Lieblingshändler ein Becken für große Welse gehabt und ihn genommen...
Tom

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Alt 13.01.2019, 23:18   #4
Otocinclus2
 
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Hallo Tom,


bist du dir sicher, dass dein damaliger "Beifang" wirklich Tachysurus fulvidraco war, und nicht ein ähnlich aussehender Wels?


Falls ja, dann wäre das Problem mit diesem "Neubürger" tatsächlich schon rund 20 Jahre alt.


Gruß
Otocinclus2
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Alt 14.01.2019, 08:10   #5
carpenoctemtom
 
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Moin Oto, zumindest hatte mein Händler in Drachenwels genannt und gelacht, als ich ihm von seiner Fressorgie erzählt hatte. Aber sicher bin ich natürlich nicht...
Tom
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Alt 14.01.2019, 13:59   #6
dumdi65
 
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Hallo.

Ich hätte da einen beliebten Speisefisch für die Liste.

Und zwar meine ich den Graskarpfen (Ctenopharyngodon idella).

Er ist zwar als Pflanzenfresser keine direkte Bedrohung für andere Fische, aber er ist ein Parasitenträger und in der lage ganze Ökosysteme und deren Vegetation zu verändern. Von daher wird er für andere Fische doch wieder zur Bedrohung.
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Alt 20.01.2019, 19:07   #7
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Standard Der Silberkarpfen

Der Silberkarpfen (Hypophthalmichthys molitrix) stammt ursprünglich aus Asien. Er ist vor rund 60 Jahren in vielen Ländern außerhalb des nativen Verbreitungsgebietes ausgesetzt worden. In Europa versprach man sich davon eine "Reinigung" eutrophierter Gewässer von Schwebealgen, da die Silberkarpfen sich von diesen ernähren.


In Europa haben sich die ausgesetzten Silberkarpfen nicht vermehren können, da es hier dazu zu kalt ist. Noch - muss man wohl sagen.
In anderen Ländern sieht es aber ganz anders aus. Da ist er zu einer wahren Plage geworden.

In den USA ist es so schlimm geworden, dass sogar schon die Armee in die Bekämpfung mit eingebunden worden ist. Als invasiver Neozoe bereitet er im Mississipi große Probleme. Er hat dort keine natürlichen Feinde und frisst den einheimischen Fischen die Nahrungsgrundlage für deren Brut weg.
https://de.wikipedia.org/wiki/Silberkarpfen
Zitat:
"Silberkarpfen haben sich vor allem in den USA sehr stark ausgebreitet. Durch ihr massives Auftreten stehen sie in bedrohlicher Nahrungskonkurrenz zur lokalen Fischfauna. Ebenso wie in Europa sollten sie ursprünglich der Algen- und Planktonbekämpfung dienen und wurden in den 1970er Jahren in Teichwirtschaften in Arkansas und Mississippi eingesetzt. Einige Exemplare konnten aus den geschlossenen Systemen in das Flusssystem des Mississippi entweichen und haben sich durch das weitgehende Fehlen von natürlichen Feinden stark vermehrt. Der Illinois River ist infolge ihrer Ausbreitung derzeit der Fluss mit der höchsten Karpfendichte in der Welt. Aktuell stehen die Silberkarpfen vor der Besiedlung der Großen Seen. Die US-Armee wurde beauftragt, die weitere Ausbreitung mittels elektronischer Unterwasserschranken und Zäunen auf dem Überflutungsgebiet des Eriesees zu verhindern. Dafür wurde ein Etat von 80 Millionen USD bereitgestellt. Maßnahmen wie Abschreckung durch Licht und Lärm sowie gezielte Vergiftung brachten keinen Erfolg. Es wird sogar erwogen, das Schleusen- und Kanalsystem zwischen dem Illinois River und dem Michigansee bei Chicago dauerhaft zu schließen."
(Ja, ja, ich weiß Maik...Wikipedia...)


Es kommt auch immer wieder zu Unfällen mit Sportbootfahrern. Denn wenn Silberkarpfen in Panik geraten (und das passiert schon bei jeder kleinen Störung) springen sie hoch aus dem Wasser. Und wenn dann einem ein ca. 10 Kilo schwerer Karpfen an den Kopf fliegt, dann Gute Nacht.


Neben den "amtlichen" Bekämpfungsmaßnahmen hat man sich Wettbewerbe wie Fischfangturniere einfallen lassen, um die Silberkarpfen zu dezimieren. Mit bislang bescheidenen Erfolgen. Die Biester werden die Amis wohl nicht mehr los.

Im folgenden Video kann man ein solches Turnier sehen - und auch die Fluchtreaktion (Rausspringen) der Karpfen.
https://www.youtube.com/watch?v=XKl77sCnftM


Gruß
Otocinclus2

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Alt 24.01.2019, 18:34   #8
dumdi65
 
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Guten Abend.

Heute geht es um die Regenbogenforelle, Oncorhynchus mykiss.

Die Art zählt zu den Lachsfischen und ist in Nordamerika beheimatet wo es eine wandernde Küstenform und eine stationäre Süßwasserform gibt.

Sie zählt zu den potenziell invasiven Arten weil sie in direkter Nahrungskonkurrenz mit der Bachforelle und anderen Bachfischen steht. In vielen Gewässern, die aufgrund der Verbauungen oder Verschmutzung für Bachforellen als Lebensraum nicht mehr geeignet sind, ist die Regenbogenforelle die letzte fischereilich interessante Art. Zudem ist die Regenbogenforelle wesentlich toleranter gegenüber niedrigerem Sauerstoffgehalt und höheren Wassertemperaturen als die einheimische Bachforelle, Salmo trutta fario.

Dies alles hat soweit geführt, das der Besatz mit Regenbogenforellen in manchen Gewässern heute schon unter Strafe verboten ist.

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Alt 24.01.2019, 21:19   #9
Otocinclus2
 
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Zitat:
Zitat von dumdi65 Beitrag anzeigen
Dies alles hat soweit geführt, das der Besatz mit Regenbogenforellen in manchen Gewässern heute schon unter Strafe verboten ist.
Stimmt.
Was den Verantwortlichen aber reichlich spät (wenn nicht sogar zu spät) eingefallen ist.
In England wurde die Regenbogenforelle Mitte des 19. Jahrhunderts als Speisefisch eingeführt - nicht nur, weil sie gut schmeckt, sondern auch schnellwüchsig ist.
Ende des 19. Jahrhunderts (ca. ab 1885) wurde sie auch in Deuschland gezielt ausgesetzt - mit der herrlichen Folge, dass sie zunehmend die heimische Bachforelle verdrängt hat.


Wer sich einen kleinen Überblick verschaffen möchte:
Hier gibt es eine (allerdings nicht ganz aktuelle - Stand 4/2015) Liste des Bundesamtes für Naturschutz über die Bewertung gebietsfremder Fische in Deutschland: http://neobiota.bfn.de/invasivitaets...ng/fische.html


Gruß
Otocinclus2

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Alt 25.01.2019, 17:18   #10
dumdi65
 
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Hallo.

Auch der Blaubandbärbling, Pseudorasbora parva, ist kein Einheimischer Fisch. Er stammt ursprünglich aus Ostasien und wurde vermutlich über Osteuropa zu uns eingeschleppt. Sie gilt seit mindestens 2015 bei uns als etabliert.

Da der Blaubandbärbling als sehr robust gilt, er verträgt sowohl hohe Temperaturen und auch geringe Sauerstoffgehalte in Gewässern gut, hat er es leicht geschafft sich in unseren Kanälen, Teichen oder kleine Seen auszubreiten. Dadurch ist er ein direkter Nahrungskonkurent unserer einheimischen Arten geworden.

Das Nahrungsspektrum des Blaubandbärblings geht von Kleintieren, wie Insekten bis zu Jungfischen, sowie Fischeiern. Sie leben hauptsächlich von Zooplankton. Die Aufnahme größerer Nahrung ist schon durch die kleine Maulöffnung nicht möglich. Bei Nahrungsmangel werden auch Algenbeläge abgeweidet. Somit zeigt sich das Problem mit unseren eineimischen Arten deutlich.

Seit 2016 ist der Blaubandbärbling auch in die „Liste der unerwünschten Spezies“ für die Europäische Union aufgenommen worden.

Geändert von dumdi65 (25.01.2019 um 17:20 Uhr)
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