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Alt 25.02.2021, 12:43   #1
dumdi65
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Standard Zwergfadenfischhaltung

Ja unsere lieben kleinen Zwergfadenfische sehen wirklich hübsch aus. Aber sind sie unter normalen Bedingungen im Aquarium einfach zu pflegen? Ich sage definitiv: NEIN!

Wenn man sich einmal anschaut wo die Fische herkommen und mit welchen Schwankungen sie da teilweise täglich zu tun haben sollte uns das nicht wundern, das betrifft auch die Nachzuchten die das immer noch in ihren Genen haben.

So machen Wild lebende Zwerge von Oktober bis Februar eine kühle Trockenzeit mit und im März/April eine warme. Richtig schwül wird es von Mai bis September in der Monsunzeit. Die Täglichen Temperaturschwankungen lassen wir dabei mal außen vor.

Was soll uns das nun sagen? Das in den Genen festgelegte extreme nicht einfach in ein paar Generationen herausgezüchtet werden können z.B. Und das wenn wir gesunde Tiere haben wollen wir das auf jeden fall bedenken sollten. Denn nur dann wenn wir ihnen ähnliche Bedingungen wie in der Natur bieten können, und auch nur vielleicht, haben wir eine Chance auf recht gesunde Fische. Ansonsten werden wir nicht viel Freude an solchen Fischen wie dem Zwergfadenfisch haben.
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Alt 26.02.2021, 07:18   #2
momo0
 
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Also, was ist dein Vorschlag nun? Das Becken im Sommer von der Sonne bescheinen lassen dass es dann dort 50 Grad hat und im Winter schön auskühlen lassen?

Ich seh das allerdings etwas anders. Nur weil ein Tier in der Natur mit extremen Wetterbedingungen umgehen kann, sie überleben kann, heißt es nicht dass diese unbedingt notwendig sind.
Ich bin mir sicher unsere Rehe in freier Wildbahn hätten nichts dagegen wenn es immer Sommer wäre, sie genug Nahrung fänden. Obgleich die meisten von ihnen den Winter und Schnee überleben.

Anders herum geht es nicht, man nicht Tiere welche eine Konstante Temperatur gewöhnt sind, starken Schwankungen aussetzen.
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Alt 26.02.2021, 19:11   #3
dumdi65
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Tja. Dann erkläre mir bitte mal warum immer wieder gerade Fische die in der Natur mit extremen zu tun haben Probleme bei der normalen Aquarienhaltung haben? Und auch Züchter mit diesen Fischen immer wieder Probleme haben?

Vielleicht wäre aber ein nicht so radikaler Ansatz des Rätsels Lösung. Einfach mal öfter die Temperatur verändern. 2-3 Wochen eben nur Zimmertemperatur, und dann eben auch mal die andere Seite mit bis zu 28 Grad wählen. Das wäre zumindest ein machbarer Ansatz.

Aber 2 Dinge noch zum drüber nachdenken.

1. Zwergfadenfische werden in der Natur meist nur ein Jahr alt. Warum wohl?

2. Das diese Fische eben nicht so alt werden ist auch in den Genen festgelegt. Und das zeigt sich bei denen im Aquarium auch noch. Den Genetisch gesehen sind sie immer noch 100% gleich mit ihren Verwandten in freier Wildbahn
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Alt 27.02.2021, 16:21   #4
Otocinclus2
 
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Zitat:
Zitat von momo0 Beitrag anzeigen
Ich seh das allerdings etwas anders. Nur weil ein Tier in der Natur mit extremen Wetterbedingungen umgehen kann, sie überleben kann, heißt es nicht dass diese unbedingt notwendig sind.

Nicht selten liegt bei sehr gegensätzlichen Positionen die Wahrheit irgendwo dazwischen.

Richtig ist: Nicht alles, was ein Lebewesen (egal, ob Pflanze oder Tier) aushalten und ertragen kann, braucht es auch unbedingt zum Wohlergehen.

Richtig ist aber auch: Alle Lebewesen haben sich über viele Generationen hinweg an die Verhältnisse in ihren Lebensräumen angepasst. Das gilt insbesondere auch für die erheblichen Veränderungen, die mit den wechselnden Jahreszeiten einhergehen. Und nicht selten haben sie sich so sehr daran angepasst, dass diese Veränderungen wie Temperaturwechsel, Wechsel der Sonnenscheindauer etc. stimulierende Wirkung z.B. auf das Fortpflanzungsverhalten haben. Und da überrascht es nicht, dass diese mit den Jahreszeiten wechselnden Lebensbedingungen auch erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit und die Gesamtlebensdauer haben können.

Greifen wir uns hier einmal exemplarisch einen „Allerweltsfisch“ heraus — den Kardinalfisch (Tanichthys albonubes).

Hier ist ein sehr lesenswerter Artikel von Mathias Ziegler über diesen Fisch zu lesen, der sich vor allem auch nicht nur mit den ursprünglich natürlichen Lebensbedingungen dieses in der freien Natur vermutlich schon ausgestorbenen Fisches befasst, sondern auch damit, welche Auswirkungen es hat, wenn man versucht, diese Bedingungen konsequent nachzubilden:

https://austria-aqua.net/2018/12/der...ubes-lin-1932/

Zitate:

Ursprünglich stammen Kardinalfische aus den Weiße-Wolken-Bergen bei Hong Kong und der weiteren Umgebung. Das Klima in Hong Kong und Umgebung ist subtropisch mit relativ starken Unterschieden zwischen Sommer- und Wintertemperaturen. Im Winter liegen die Maximaltem*peraturen zwischen ca. 15 und 20 °C. Im Sommer dagegen werden leicht 35 °C erreicht. In freier Wildbahn sind sie mittlerweile möglicherweise ausgestorben, deswegen sind die Tiere, die man im Handel bekommt ausschließlich Nachzuchten.

Sehr wichtig ist aber die Wassertemperatur. Man liest oft, dass Temperaturen über 23 °C den Fischen schaden, das stimmt zwar, ist aber nur die halbe Wahrheit. Um Kardinalfische zu halten ist es besser, den jahreszeitlichen Temperaturwechsel zu simulieren. Im Sommer gilt die Regel mit nicht länger anhaltend Temperaturen über 23 °C, im Winter sollten sie so niedrig sein, dass die Fische die Vermehrung einstellen und ihre Färbung etwas grauer wird. Diese Temperatur liegt bei etwa 20 °C (mein Thermometer ist leider nicht besonders ge*nau). Dieser Temperaturwechsel wirkt sich positiv auf die Gesundheit, die Lebenserwartung und auf das Aussehen aus.

In einschlägigen Veröffentlichungen liest man oft von Aquarianern, denen die Kardinalfische schon nach wenigen Monaten eingegangen sind und oft wird ihnen geantwortet, dass diese Tiere eben nur etwa ein Jahr alt würden. Das ist Unfug, denn diese eingeschränkte Lebenserwartung haben sie nur dann, wenn die Wassertemperatur länger über 23 °C liegt. Schon wenn man nur das vermeidet, werden sie etwa 4 Jahre alt; auch diese Lebenserwartung ist nicht die tatsächlich zu*treffende. Wenn man seinen Tieren eine Winterpause mit tiefen Temperaturen gönnt, können sie 8 Jahre alt werden und dabei eine Länge von etwa 4 cm erreichen.



Auch bei anderen Fischen, wie z.B. Prachtschmerlen, wirkt sich die Simulation von Jahreszeiten auf das Verhalten und die Fruchtbarkeit aus:



https://my-fish.org/my-fishothek/chromobotia-macracanthus-prachtschmerle/

Zitat:


Jessica Stanzel bietet ihren Tieren eine so genannte Winterpause. Einige Gebiete im Sumatra sind zu manchen Jahreszeiten äußerst kühl, so auch der Fluss Kwanten. In den Monaten Oktober bis Dezember hat sie keine Heizung in diesem Becken laufen. Die Temperaturen fallen hier auf bis zu 18 Grad. In den Monaten Januar bis April steigert sie die Temperatur auf 22 – 24 Grad. Ab Mai läuft die Heizung wieder nicht, die warmen Tage bringen dann die Temperaturen von alleine hoch. Nicht nur, dass hierdurch ihre Polypterus senegalensis im Sommer ablaichen, auch die Schmerlen weisen ein anderes Verhalten auf.
Manche Tiere, vermutlich Weibchen, bilden im Mai einen dickeren Bauch. Die Fressmenge- und Lust ist in den Monaten jedoch immer konstant. Im Juli und August drehen sie dann völlig ab, schwimmen oft zu sechst oder gar zu zehnt eng zusammen, wie wild durch das Becken, zeigen in dieser Zeit mehr Farbe und wirken allgemein kräftiger. Ob dies wirklich ein Balzverhalten ist, kann Jessica Stanzel nicht zu 100 % ausmachen. Aufgrund der Umstände jedoch nicht unmöglich. Diesen Zyklus halte sie nun etwa 8 Jahre bei. Prinzipiell kann man jedoch sagen, dass die optimale Temperatur bei 23 – 27 Grad liegt und eine leichte Winterpause eine gute Wahl ist.


Fazit:
Auch wenn man Aquarienfische — so wie es in den meisten Fällen auch tatsächlich in unseren Becken geschieht — ganzjährig bei nahezu gleichbleibenden Bedingungen wie Temperatur, Beleuchtungsdauer etc. halten kann, kann die Simulation jahreszeitlicher Schwankungen ganz erhebliche Vorteile bieten, wie z.B. deutlich bessere Zuchterfolge und gesündere Fische mit deutlich längerer Lebenszeit.
Und bei dieser Simulation sollte man nicht nur die Temperatur im Blick haben, sondern auch die Beleuchtungsdauer.





Zitat:
Zitat von momo0 Beitrag anzeigen
Ich bin mir sicher unsere Rehe in freier Wildbahn hätten nichts dagegen wenn es immer Sommer wäre, sie genug Nahrung fänden. Obgleich die meisten von ihnen den Winter und Schnee überleben.

Nebenbei bemerkt:
Auch wenn Rehe sich möglicherweise darüber freuen, sich wegen der immer wärmer werdenden Winter immer seltener den A... abfrieren zu müssen — dass es immer früher im Jahr Frühling wird, bereitet ihnen große Probleme, vor allem was die Überlebensrate der Rehkitze betrifft, wie man hier nachlesen kann:
https://www.welt.de/wissenschaft/umw...me-stellt.html

Zitat:
Zitat von momo0 Beitrag anzeigen
Anders herum geht es nicht, man nicht Tiere welche eine Konstante Temperatur gewöhnt sind, starken Schwankungen aussetzen.

Stimmt.
Das hätte ganz bestimmt erhebliche negative Auswirkungen auf Gesundheit und Lebensdauer dieser Tiere.


Gruß Otocinclus2
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Alt 27.02.2021, 16:42   #5
dumdi65
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Deshalb plädiere ich für moderate Schwankungen, denn diese sind auch leichter zu simulieren.

Ich hatte schon Gelegenheit mich mit einem Züchter von Zwergfafis zu unterhalten. Bei ihm wanderten die Zwerge ab einer Teichtemperatur von 15 Grad, natürlich wurden diese vorher angepaßt, in den Gartenteich. Seine Ausbeute an Nachwuchs war bei den Fafis mit Teichhaltung um 50% höher als die rate bei reiner Aquarienhaltung. Auch der Ausfall an Fischen durch Geschwürbildung oder andere Krankheiten war um 70% minimiert.

Meine Meinung: dieses spricht für sich und läßt sich so auf viele andere Fischarten übertragen.
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Alt 01.03.2021, 23:34   #6
fernday
 
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Mal von den Schwankungen der Temperatur abgesehen, bin ich der Meinung das sich Aquarienfische auch unter der sogenannten "Wohlfühltemperatur" halten lassen. Meine Heizer sind alle auf 20 Grad eingestellt. Das eine Becken hat etwas mehr, weil direkt über der Wasseroberfläche eine Energiesparlampe ist, die Wärme abgibt.

Ich halte bei 20 Grad Fische die angeblich deutlich mehr an Temperatur benötigen. Trotzdem scheint es den Tieren wohl zu gehen. Ich habe weniger Ausfälle als früher, und die Fische haben keine Krankheiten mehr.

Temperaturschwankungen, die jetzt im Sommer wieder kommen werden, können für Fische durchaus positiv sein. Es hält das Immunnsystem auf trab. Es darf nur nicht zu warm werden.
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