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Alt 13.02.2016, 14:37   #1
Dumdidum
 
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Standard Planungsgedanken Riffaquarium

Ich werde hier im Laufe der nächsten Monate mal versuchen, meine Gedanken zur Planung eines neuen MW-Beckens möglichst ausführlich wieder zu geben.

Vielleicht hilft es dem ein oder anderen, der auch über Meerwasser nachdenkt aber ganz neu dabei ist, zu verstehen, was alles berücksichtigt werden sollte, wenn man sich dieser Form der Aquaristik widmet.

Da es bei mir beruflich wieder bergauf geht, steht natürlich die Planung eines neuen Beckens an.
Vorab: Diesmal werde ich sehr sorgfältig planen und vor allem blödsinnig viel Geld sparen müssen.
Denn eines habe ich in meiner MW-Zeit gelernt: Man sollte nicht versuchen, an einem MW-Becken zu viel zu sparen, der Schuss geht immer nach hinten los, man hat viel Ärger, kauft doppelt, Tiere gehen ein, man ärgert sich über unzuverlässige Technik und schlimmstenfalls läuft das Becken nicht richtig oder man hat viel Ärger, ohne einen Fehler lokalisieren zu können (chinesische Billiglampe hat ein scheiss Lichtspektrum, Pumpe bringt nicht die versprochene Leistung und ist laut) etc.

Ich plane diesmal ein mittelgroßes Becken.
Die Maße werden sich irgendwo im Bereich 2,00m bis 2,20m Länge, 70 oder 80cm Breite und 60-65cm Höhe bewegen.
Technik natürlich komplett in einem Filterbecken unterhalb.

Im Folgenden versuche ich die Planung in einer sinnvollen Reihenfolge zu strukturieren.

Beckengröße
Wonach richtet sich die Beckengröße bei Meerwasser?
Zum einen natürlich nach den Tieren, die ich halten möchte. Siehe dort.
Zum anderen danach, wieviel Platz man hat und ob der Boden das Gewicht des Beckens tragen kann.
Und auch immer nach den finanziellen Möglichkeiten. Das Becken benötigt eine starke Beleuchtung, die Rückförderpumpe(RFP), der Abschäumer(AS) und die Strömungspumpen(SP) müssen entsprechend dimensioniert sein, im Hinblick auf die gewünschten Tiere kann Ozon nötig sein, eine UV-C-Anlage und ähnliches, natürlich auch passend dimensioniert.
Beckengröße und Beleuchtung hängen auch direkt zusammen. Ich wähle max 65cm Höhe, weil das vom Licht einfach zu durchdringen ist. Höhere Becken stellen ganz andere Ansprüche ans Licht, wenn unten zumindest noch ein paar LPS gedeihen sollen.

Welche Tiere?
Hierüber sollte man sich gründlich Gedanken machen.
Viele Fische? Wenige Fische? Größe/Verhalten der Fische?
Weich- und Lederkorallen? LPS? SPS?
Andere niedere Tiere?
Eine sehr gute Hilfe ist hierbei das deutsche Meerwasserlexikon, auch das Meerwasserforum.info.
Wenn es unbedingt bestimmte Fische sein sollen, muss man die Beckengröße danach planen. Doktorfische (Zebrasoma) haben z.B. in weniger als 500l nichts zu suchen, andere Doktoren wie Acanthurus brauchen i.d.R. vierstellige Literzahlen, über Kaiser braucht man unter 3.000l gar nicht nachdenken.
Will man unbedingt eine Anemone wie z.B. heteractis crispa halten?
Dazu eignet sich ein Artenbecken, wenn man nicht will, daß sich Korallen und Anemone - und damit dem Aquarianer - eines Tages das Leben zur Hölle machen.

Beleuchtung
Hier spielen Beckengröße und Tiere die entscheidende Rolle. SPS brauchen sehr kräftiges Licht, Weichkorallen, Lederkorallen und LPS kommen mit etwas weniger aus.
Ich habe festgestellt, daß es je nach Lampenwunsch u.U. sinnvoll ist, die Beckengröße etwas der am Markt verfügbaren Beleuchtung anzupassen, sonst kann es schwierig werden, für sein Beckenmaß eine passende und bezahlbare Lampe zu finden.
Dabei kann man wiederum beginnen, den Riffaufbau zu planen.
Beispiel:
Will ich nur 3 Riffsäulen in der Mitte einer Fläche von 2mx1m stellen und diese mit SPS besetzen, brauche ich dort natürlich starkes Licht. Der Randbereich ist dann aber nebensächlich, also reicht für das 2mx1m Becken vielleicht eine Lampe, die 1,20mx60cm gut ausleuchtet und am Rand reichen einfache T5-Röhren oder LED-Leisten. Bezieht man die Riffplanung in die Planung der Beckengröße, des Riffaufbaus und der Tiere mit ein, kann man hier unnötig hohe Anschaffungs- und Unterhaltskosten vermeiden.
Mehr zur Beleuchtungsplanung, wenn ich dazu komme.

Filter/Technik
Ziemlich komplex, diesen Punkt werde ich später erweitern.
Zwingend erforderlich ist in meinen Augen immer der Abschäumer (es geht auch ohne, für erfahrene Leute mit entsprechendem Beckenkonzept), eine gute Strömung (es gibt Faustformeln, die man aber je nach Riffaufbau und Tieren getrost vergessen kann - i.d.R. braucht man MEHR, meine Faustformel ist Beckenvolumen x20 = Pumpenleistung in Litern).
Hinzu kommen Medienfilter, Ozonisatoren, UV-C, ggfs. Kalkreaktoren, Dosierpumpen usw., oder aber auch biologische Systeme wie z.B. ein nachts beleuchtetes Algenrefugium, ein seperates DSB usw
Wie gesagt: Dazu später mehr.

Anschaffungs- und Unterhaltskosten
Über die Höhe sollte man sich vorher im Klaren sein.
Je nach Technikaufwand, den man betreibt, muss man pro Liter Beckenvolumen 8-25€ für die Anschaffung planen.
Unter 8€ geht auch, würde ich mir aber niemals antun. 25€ beinhaltet dann schon die teuerste Lampe, ein Schuranbecken, Spielzeuge wie GHL-Profilux inkl. PH-Anoden und weiß der Kuckuck was alles, was man nicht wirklich braucht.

Ein sehr wichtiger Punkt, der bei Meerwasser IMMER berücksichtigt werden muss, ist die extrem korrosive Eigenschaft des Salzes. Das schlägt sich in allen Materialpreisen nieder, für mich wäre z.B. ein Holzunterschrank absolut tabu. Es reicht, einmal mit Wasser zu schlabbern so daß dieses ins Holz einzieht - viel Spaß damit. Trocknen wird nicht funktionieren, da das Salz immer wieder Luftfeuchtigkeit anziehen wird...
Normale Eheimschläuche gehen auch nicht, die sondern Gifte ans Wasser ab und nach 6 Monaten wundert man sich über schlappe Korallen und warum die Cyanoplage nicht verschwinden will...
Also nur teure Silikonschläuche.
Wie man sieht, sollte man sich über JEDES Teil Gedanken machen, bevor man versucht, zu sparen.

Die Unterhaltskosten eines Becken liegen zwischen 0,20€/l und 0,50€/l pro Monat.
20 Cent sind die Untergrenze.
Unglaublich?
Kleines Beispiel:
Ich hatte 640W über 700 Litern hängen. Morgens und abends jeweils 1 Stunde Dimmphase, rechnen wir also 11 Stunden volle Leistung (ich hatte auch viele SPS):
11x640 macht 7,05 kW/h am Tag. Bei durchschnittlich 28 Cent je kW/h sind das knapp 2€ pro Tag nur Beleuchtung. 60€ im Monat, macht also schon 8 Cent pro Liter Unterhalt nur für das Licht. Darin nicht eingerechnet, daß man T5 im MW alle 6 Monate tauschen sollte, ergo 8 Röhren je 80W zweimal im Jahr = gut 300€/Jahr allein für die Leuchtmittel.
Hinzu kommen diverse Pumpen, der AS etc, Salze, Wasser (UO-Anlage ist Pflicht), hochwertiges Futter (nix Tetra-Flockenfutter) usw
Ich betone: 20 Cent/l ist die Untergrenze in einem Riffbecken.
Allein das Pflichttestset für die Wasserwerte, die man im MW kontrollieren MUSS, und zwar regelmäßig, kostet gute 150-200€. Auch hier gilt: Nicht sparen. Was nutzt ein billiger Test, wenn er mir Unsinn erzählt und im schlimmsten Fall für Panikreaktionen sorgt, mit denen ich dem Becken mehr schade als alles andere? Tropic Marin ist Standard, beim Phosphattest (der wichtigste) kostet das Set von Gilbers schon 40€, und das ist nur EIN Test.
Finger weg von Sera, Salifert u.a., die taugen im MW nix
Notfallgeld sollte auch immer in der Ecke liegen.
Nein, man kann das Calcium für die SPS NICHT mal für einen Monat weglassen, weil das Taschengeld alle ist. Man kann das Becken auch NICHT mal für zwei Wochen ohne RFP betreiben, bis man die hunderter für eine neue zusammen hat.

Zusammenfassung
Das waren jetzt einige absolute Basics.

Ich hoffe, mit dem Ausbau dieses Threads einigen Leuten helfen zu können.
Es gibt zwar sehr gute Literatur zu dem Thema, aber viele Leute reagieren ja allergisch auf Bücher.
Dazu muss ich sagen:
Wer keine Lust hat zu lesen, hat in der MW-Aquaristik nichts verloren.
Ich möchte hier eher eine Planung beschreiben, in die einiges an Erfahrung mit einfließt und die Zusammenhänge darstellt, die manche Bücher so nicht aufzeigen bzw für die man einen Stapel verschiedenster Bücher lesen müsste.

Dieser Thread soll einem also NICHT das Lesen ersparen (es gibt kein Plug&Play Meerwasser, auch wenn manche Herstller einen das Glauben lassen wollen) sondern nur zusammenfassen und erleichtern.

Die ultimative Weisheit ist von mir natürlich nicht zu erwarten, es gibt im MW mindestens 3 große Philosophien, ich beziehe mich als Basis auf das klassische Berliner System.
Außerdem:
Jedes Becken im MW ist anders, ist sein eigenes kleines Ökosystem und was für ein Becken gilt kann im nächsten schon ganz anders sein.
Eine Allgemeinlösung für alle Fälle kann man also nirgends erwarten.

Wie auch immer:
Vielleicht hilft dieser Thread dem ein oder anderen, auch wenn es VIEL zu lesen werden wird. Ohne dem geht´s nicht (oder hat schon jemand ein MW-Komplettset bei Hornbach gesehen?).
Bis ich mit dem Bau des Beckens beginne, werden vermutlich mindestens 1 1/2 Jahre vergehen. Es dauert so lange, weil ich alles richtig machen will (und 8.000€ brauche...).
Also habt Geduld mit diesem Thread, hier kann auch mal einen Monat lang nix passieren.
Dafür werde ich sehr detailliert berichten, inklusive des Warum und der Kosten.
Die Kosten nicht, um anzugeben oder ähnliches, sondern um jedem klar zu machen, worauf er sich mit Meerwasser einlässt und für welchen Zeitraum - der berühmte Hawaiidoc wird schon mal 30, wenn es ihm gut geht.

Stay tuned.


Geändert von Dumdidum (13.02.2016 um 14:45 Uhr)
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Alt 09.10.2016, 00:35   #2
Dumdidum
 
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Zeit für Teil 2, hab ja lange nix verlauten lassen hier

Ich schnappe mir mal das wichtigste, weil davon eigentlich alles andere abhängt.
Ein paar Sachen reisse ich nur kurz an, weil es für mich nicht in Frage kommt. Bei mir wird es wieder ein Riffaquarium.
Dementsprechend wird sich später alles weitere in diesem Thread auf ein Riffaquarium beziehen und ist nicht allgemeingültig.

Also:
Welche Tiere will ich überhaupt halten?
Hier muss man sich zwingend ausgiebig informieren, bevor man überhaupt beginnt, ein MW-Becken zu planen.
Die Auswahl an Tieren ist im Meerwasser wesentlich vielseitiger als im Süßwasser.
Es mag vielleicht im SW mehr aquariengeeignete Fischarten geben als im MW, bezieht man aber Korallen, Anemonen, Garnelen, Krabben, Schnecken, Seewalzen, Krebse, Seeigel, Seesterne, Schlangensterne etc mit ein, ist die Vielfalt im MW bedeutend größer als im SW.
Genau diese wundervolle Vielfalt, die viele Leute zum Hobby MW bringt, ist gleichzeitig das größte Problem.

Im Riff bekriegen sich quasi alles und jeder permanent und gleichzeitig. Fische und andere bewegliche Tiere kämpfen um Reviere und Futterquellen, Korallen und höhere Algenarten bekriegen sich auf chemischem Weg, um sich einen Siedlungsplatz zu sichern, nämlich den mit dem für sie besten Licht-/Strömungsverhältnis.
Es zanken sich natürlich nicht alle Fischarten ständig untereinander, aber wenn es drauf ankommt, gibt es im MW wirklich fast keine "harmlosen" Arten.
Manche Arten können auch gar nicht miteinander, manche sind für sich genommen so extrem Revierbildend, daß sie einfach alles angreifen, was im Becken ist - das ganze Becken ist das Revier. Da greifen auch 5cm Fische ausdauernd 15-20cm große, selbst eigentlich wehrhafte Fische an.
Manche Tiere funktionieren, wenn man sie gemeinsam, also gleichzeitig einsetzt.
Als Beispiel eine Erfahrung von mir:
Ich habe einen Zebrasoma flavescens und einen Ctenochaetus tominiensis gemeinsam eingesetzt. Alles prima. Beide neu im Becken, haben sich zusammen eingewöhnt, außerdem zwei sehr verschiedene Doktorarten, Zebrasomas sind dabei meist die ruhigeren Gesellen.
3 Monate später habe ich einen Acanthurus pyroferus eingesetzt, der gerade dabei war, sich umzufärben.
Der Tominiensis hat ihn fast gekillt, voller Einsatz des Skalpells, 2-3cm lange Schnittwunden, hat nur wenige Minuten gedauert. Ich habe meine Frau mit Vollgas zum Baumarkt geschickt, eine Acrylglasscheibe kaufen. Bis sie zurück war, habe ich per Hand im Becken versucht, die beiden auseinander zu halten. Mit wenig Erfolg. Habe mit der Scheibe dann eine Ecke des Beckens abgetrennt. Den Pyroferus konnte ich zu dem Zeitpunkt bereits mit der Hand einsammeln, der war vollkommen fertig. Normalerweise fängt man MW-Fische gar nicht, ein Netz ist eine unnötige Anschaffung...
Die Heilfähigkeit von Doktoren ist verblüffend. Nach einer Woche waren nur noch blasse Narben zu sehen, der Acanthurus war wieder fit.
Also Scheibe weg - und der Acans hat dem Tomi gezeigt, welche Doktorenart die aggressivste im Riff ist, nämlich Acanthurus...
Er war danach der Chef, schnell größer als der Tomi und hat diesen später ignoriert.
Ich habe nie wieder versucht, zu verschiedene Doktoren zu vergesellschaften, und schon gar nicht nacheinander...


Sobald verschiedene Tierarten aufeinander treffen, wird die Sache richtig kompliziert.
Manche Fische fressen Korallen an, mal nur bestimmte Arten, manchmal alle, selten einmal hat aber vielleicht ein bestimmtes Exemplar einer als Korallenkiller verpöhnten Fischart überhaupt keinen Appetit darauf und lässt die Korallen komplett in Frieden - nur um ein Jahr später aus unerfindlichen Gründen plötzlich doch einen riesigen Hunger auf besonders teure und schöne SPS zu bekommen.
Manche Fische fressen Krebstiere und Garnelen.
Ein Drückerfisch killt mit großer Wahrscheinlichkeit den lieb gewonnenen Seeigel.
Es geht aber auch anders. Räuberische Krebs-, Wurm- oder Krabbenarten schnappen sich vielleicht des nachts einen schlafenden Fisch. Oft hat man keine Ahnung, warum plötzlich ein Fisch verschwunden ist, z.B. weil man sich irgendetwas mit dem Lebendgestein eingeschleppt hat, das äußerst scheu und nachtaktiv ist. Dann kann es mitunter Wochen oder Monate dauern, bis man den Übeltäter entdeckt. Oder Korallen werden angefressen.
Das schlimmste, was einem in der Hinsicht passieren kann, sind Fangschreckenkrebse oder dieses Schätzchen hier:
https://www.meerwasser-lexikon.de/ti...rschiedene.htm
Fängt man sich sowas ein, hat man ein echtes Problem.
Ärgerlich genug kann aber auch dieses kleine Biest sein:
https://www.meerwasser-lexikon.de/ti..._sp.htm#kattyp
Ich habe mich mal über einen längeren Zeitraum gewundert, warum meine nützlichen und sauteuren Schnecken immer weniger wurden, bis ich den richtigen Verdacht hatte und dann irgendwann nachts einen Leo erwischt habe...
Korallen, Anemonen und Algen bekämpfen sich auch, dies hauptsächlich über Nesselgifte, mit denen sie sich gegenseitig schwächen und abtöten, Algen überwuchern geschwächte Korallen und schaden diesen, Anemonen nesseln sehr stark und können sich zum Überfluss bewegen, Caulerpa-Algen sondern Caulerpin ab und "versauen" so langsam aber sicher das Wasser, wodurch wiederum die Korallen leiden etc
Aber auch Korallen scheiden diverse Chemikalien aus, und sei es nur, daß sich Teile der Schleimhaut lösen. Dies erschwert z.B. ein dauerhaft erfolgreiches Halten von Weich- und Lederkorallen zusammen mit LPS und SPS, da besonders die SPS darunter leiden.

Das als groben Überblick darüber, mit was für Kleinkriegen man in einem MW-Becken rechnen muss.

Man sollte sich also Gedanken darüber machen, welche Art von Becken man einrichten möchte.
Ich unterteile für mich mal folgende Arten:

Riffaquarium
Mein Favorit, weil vielseitig, wenn auch mit entsprechend vielseitigen Problemen.
Hier versucht man, die gesamte Vielfalt zusammen in einem Becken zu halten, also alle möglichen Arten von Fischen, Korallen und allem, was da noch so kreucht und fleucht.
Was man bei der Planung eines solchen Beckens alles berücksichtigen muss, erzähle ich ein anderes Mal ausführlich.

Korallenbecken
Wie der Name schon sagt: Etwas für Leute, die nicht unbedingt Fische wollen (oder nur 1-2 kleine) und den Schwerpunkt auf einen schönen Korallengarten legen.

Fischbecken
Für Leute, die keine Lust auf die aufwendige Korallenpflege legen, aber Fische lieben.

Artenbecken
Kann alles mögliche sein. Fangschreckenkrebse, Tintenfische, in meinen Augen Anemonen etc sind alles Kandidaten für ein Artenbecken.
Einseitig, aber ganz bestimmt deswegen nicht langweilig.


Soviel für heute.
Demnächst werde ich schildern, wie ich mir ein Riffaquarium vorstelle und was ich alles bei der Planung zu berücksichtigen versuche.
Z.B., keine Fressfeinde eventuell irgendwann mal wegen Plagegeistern notwendiger "biologischer Waffen" gegen eben diese Plagegeister zu kaufen - egal wie schön sie sind. Oder keine Fressfeinde eventuell nötiger "lebender Biofilter" zu kaufen. Oder keine möglichen chemischen Zeitbomben zu kaufen, wie z.B. diese hier:
https://www.meerwasser-lexikon.de/ti...ogu.htm#kattyp
- auch wenn die wirklich wunderwunderschön sind...

Ich hoffe, hiermit zumindest einen kurzen Überblick über die unzähligen Gründe, sich !VORHER ZU INFORMIEREN!, gegeben zu haben.

Mehr folgt, ähm, keine Ahnung wann

Dumdidum ist offline   Mit Zitat antworten
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Alt 31.10.2016, 20:41   #3
Dumdidum
 
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Und weiter geht´s

Korallen-, Fisch- und Artenbecken lasse ich hier weg, da ich wieder ein Riffaquarium plane.

Unter einem Riffaquarium verstehe ich ein Becken, in dem man versucht, die Vielfalt eines Riffs zu vergesellschaften, auch wenn dem Grenzen gesetzt sind.

Um die Planung eines Riffaquariums richtig zu schildern, muss ich zwangsläufig alle Faktoren, die für ein MW-Becken wichtig sind, anreissen, also Technik, Chemie etc. Dieser Post wird also etwas "durcheinander" sein, vielleicht widme ich den einzelnen Bereichen später einzelne Posts, um es übersichtlicher zu gestalten.

Wo fange ich nun mit der Planung an?
In meinen Augen die wichtigste Frage ist, wo man in einem Riffaquarium den Schwerpunkt bei den Korallen setzt.
Grob unterteilt gibt es 3 Gruppen von Korallen, die sich stark unterscheiden, unterschiedliche Ansprüche stellen und unterschiedlich schwierig zu halten sind.
Einige Dinge werde ich stark vereinfacht erklären, um die Sache Anfängerfreundlicher zu gestalten.

Leder-/Weichkorallen:
"Anfänger"korallen. Je nach Art benötigen sie nicht unbedingt die stärkste verfügbare Lichtquelle und benötigen auch keine so intensive Wasserpflege wie LPS und SPS, z.B. verbrauchen sie kaum Calcium, da sie keine Kalkskelette aufbauen.
Wenn sie sich wohlfühlen, können sie rasant wachsen, manche Arten wie z.B. Xenien oder manche Cespitularia überwuchern den Riffaufbau regelrecht. Dabei können sie Probleme verursachen, indem sie durch ihr "rücksichtsloses" Wachstum den Kampf um Siedlungsplätze gegen andere Korallen gewinnen und irgendwann nur noch schwer in den Griff zu bekommen sind. Haben sie erst richtig Fuß gefasst (im wahrsten Sinne des Wortes), ist es oft problematisch, sie wieder restlos zu entfernen. Riffgestein ist sehr porös und uneben. Da jeden Geweberest aus den Ritzen zu popeln kann sehr nervig werden, wenn ein Becken wirklich gut läuft und der jeweiligen Koralle ideale Bedingungen bietet, können sich aus Geweberesten neue Kolonien bilden, selbst wenn man die Tiere vorher "mit der groben Kelle" entfernt hat und der Meinung ist, daß da wirklich alles kaputt ist.
Ich spreche da aus Erfahrung, hatte den Ärger mit einer Cespitularia.
Bei Weich- und Lederkorallen sollte man auch an den Platzbedarf der Tiere denken. Es ist nicht ungewöhnlich, daß bei guten Bedingungen aus einem fingergroßen Ableger innerhalb weniger Monate eine Koralle mit 30cm Umfang wird.
Das schöne an diesen Korallen ist aber eben, daß sie so schnell wachsen und ein Becken dadurch schnell füllen, für relativ wenig Geld. Ich persönlich mag auch die Bewegung der Korallen in der Strömung, das ist ein toller Anblick.

LPS oder großpolypige Steinkorallen:
Schon etwas anspruchsvoller in der Haltung, das variiert aber ziemlich stark, je nach Art. Diese Korallen bilden Kalkskelette, aus denen aber aber mehr oder weniger lange, weiche Gebilde herauswachsen. Die wohl bei Anfängern am weitesten verbreiteten Arten dürften Euphyllia und Caulastrea sein.
Auch diese Korallen können bei guter Haltung recht schnell wachsen, nesseln häufig sehr stark und manche Arten fahren regelrechte Kampftentakel aus, meist nachts, um sich vor Fressfeinden zu schützen.
Beim Kauf dieser Korallen sollte man sich vorher genau über die Art informieren, manche bilden sehr stark nesselnde, bis zu 15cm lange Tentakel, die dann nachts andere Korallen in der Umgebung vernesseln würden. Außerdem nesseln manche so stark, daß sich bei Berührung auch der Aquarianer verletzten kann, ein Freund von mir hat sich einmal an einer Blasenkoralle so stark verbrannt, daß es wie ein schwerer Sonnenbrand aussah und er damit sogar zum Arzt musste.
Wichtig bei LPS ist noch, daß sie zwar Skelette bilden, sozusagen als Basis, der Rest aber sehr weich und beweglich ist, die Ränder ihrer eigenen Skelette außerdem oft recht scharfkantig sind.
Das sollte man beim Stellplatz im Becken berücksichtigen. Ungünstig wäre es z.B., wenn die Strömung das Gewebe der Koralle z.B. gegen Steine drückt oder gegen ihr eigenes Skelett. Wird das Gewebe verletzt, kann die Koralle dadurch oft eingehen, oder zumindest der verletzte Polyp, je nach Art.
Manchmal löst auch das Absterben eines Polypen eine langsame Kettenreaktion aus.
Einige LPS benötigen eine aktive Fütterung, da ihnen Licht und Futterreste nicht reichen.

SPS oder kleinpolypige Steinkorallen:
Die anspruchvollsten Korallen. Es gibt zwar auch hier sehr große Unterschiede, aber grundsätzlich gilt:
Starkes Licht und starke Strömung, am besten sogar unregelmäßige Strömung, quasi eine "Gezeitensimulation".
Außerdem ist für SPS i.d.R. eine hohe, absolut stabile Wasserqualität sehr wichtig, viele Arten verzeihen da wenige oder keine Fehler.
Zudem muss das Wasser sehr nährstoffarm sein, heißt, man muss hauptsächlich Nitrat und Phosphat sehr genau im Auge behalten. Beides muss vorhanden sein, weil es auf der einen Seite auch Nahrung für die Korallen ist, auf der anderen Seite nehmen es SPS einem sehr schnell übel, wenn die beiden Werte steigen.
In einem SPS-Becken sollte Nitrat nur mit 2-3mg/l vorhanden sein und Phosphat sollte am besten irgendwo unter 0,05mg/l liegen.
Nitratwerte von 5mg oder Phosphatwerte von 0,05-0,07mg werden kurzzeitig auch toleriert, sollten aber nicht lange so "hoch" bleiben.
SPS reagieren noch auf andere Dinge empfindlich, dazu später mehr.

Die "Sondergruppe": Anemonen
Auch hier gibt es sehr viele verschiedene Arten. Manche sind richtige Seuchen, die einem ein ganzes Becken versauen können, allen voran die berüchtigten Glasrosen. Dann gibt es welche, die in meinen Augen ein Artenbecken benötigen, und zwar ein großes. Z.B. die beliebten, weil wunderschönen Heteractis magnifica.
Andere wiederum sind u.U. auch in einem Riffbecken zu vergesellschaften, z.B. Entacmaea quadricolor.
Die vielen verschiedenen Krustenanemonen bilden nochmal eine eigene Gruppe. Dort gibt es sehr schöne, farbenfrohe Arten, i.d.R. sind sie leicht zu halten.
Zwei Hauptprobleme mit Krustenanemonen müssen aber erwähnt werden.
Zum einen die EXTREM giftigen Arten wie Palythoa und Protopalythoa. Ich will hier nicht zu weit ausholen, man kann mehr an anderen Stellen lesen. Die Krusten bilden eines der effektivsten Gifte der Welt, Palytoxin. Dieses Gift kann auf mehreren Wegen in den Körper aufgenommen werden. Über die Atmung, z.B. als Aerosol, über die Schleimhäute, über den Magen, über Hautverletzungen. Dann greift dieses Gift auf unterschiedliche Weise an. Die Nervenbahnen, das Gehirn, die inneren Organe. Über die Nerven natürlich auch das vegetative Nervensystem, also Atmung, Herz/Kreislauf usw.
Diese Tiere sollten sich nur sehr erfahrene MW-Aquarianer zulegen und auch diese sollten sich sehr gut überlegen, ob sie diese Tiere wirklich halten wollen.
Will sagen: Krusten nur dann kaufen, wenn EINWANDFREI geklärt ist, um welche Art es sich handelt.
Ansonsten: Finger weg!
Das andere Problem ist der "Unkrauteffekt".
Krusten können unglaublich wuchern, das ganze Becken überwachsen, dabei alles andere plattmachen und einem die Freude am Becken gründlich vermiesen. Krusten sind plötzlich nicht mehr schön, wenn man nix anderes mehr im Becken hat. Von daher sollte man Krusten auf seperaten Steinen halten, die man irgendwo in sicherem Abstand vom restlichen Aufbau auf den Boden legt.

Warum die grobe Unterteilung in Gruppen?
Soll ein Becken wirklich gut laufen, sollte man sich mit den Korallen mehr oder weniger auf eine Kategorie festlegen und nicht alles wild durcheinander mischen.
Abgesehen davon, daß die Korallen sehr unterschiedliche Anforderungen an Technik wie Licht und Strömung (die wichtigsten Faktoren) stellen, beeinträchtigen sie sich auf sichtbare und unsichtbare Weise gegenseitig. Ich gehe hier ebenfalls nicht ins Detail und nenne nur ein paar Sachen "anfängerfreundlich" (der Profi darf hier über mich lachen ).
Man wird z.B. kaum Becken finden, in denen Weichkorallen und SPS in gleicher Zahl dauerhaft erfolgreich miteinander gehalten werden. Gründe sind u.a. "C-Waffen", die beide einsetzen oder auch der Schleim, der von Weichkorallen abgesondert wird und SPS überhaupt nicht schmeckt.
Es kann aber auch an der Strömung liegen. Eine SPS fühlt sich vielleicht vor dem Auslass einer 10.000l Pumpe pudelwohl, während eine LPS sich fühlt wie ein Luftballon, aus dem man die Luft lässt. Eine SPS geht vermutlich ein, wenn vorher in Strömungsrichtung eine Pilzlederkoralle steht, die gerade abschleimt. Wenn mich mein völlig verrotzter Nachbar anniest, werde ich auch krank.
Korallen können auch verbrennen. Während eine Acropora sich 10cm unterhalb der Oberfläche bei 250W HQI vielleicht so richtig wohlfühlt, werden viele LPS oder andere Korallen dort sehr schnell verbrennen.
Das zeigt, daß alleine durch die Technik bezogen auf das Becken und den Riffaufbau unterschiedliche Lebensräume geschaffen werden können.
Weichkorallen und LPS lassen sich oft gut vergesellschaften, aber auch da ist etwas Erfahrung nötig.
In einem 1.500l Becken voller SPS werden eine handvoll Weichkorallen auch nicht schaden. Umgekehrt ist es unwahrscheinlich, daß eine handvoll SPS in einem Weichkorallenbecken gut gedeihen.
Es gibt kein festes Gesetz für das Vergesellschaften von Korallen, aber die grobe Richtung sollte stimmen. Alles ganz wild durcheinander funktioniert meistens nicht, je größer das Becken und je leistungsfähiger die Technik, desto eher ist aber auch so ein wildes Durcheinander möglich.
Ein weiterer Faktor ist die Wasserqualität. Wieder einmal stark versimpelt ausgedrückt bedeutet das: Je anspruchsvoller die Korallen, desto weniger Fische.
Fische = Futter/Detritus = Nährstoffe.
Robusten, aquariengewöhnten Korallen sind 10mg/L Nitrat und 0,1mg/l Phosphat völlig egal, SPS zeigen einem sofort die rote Karte.
Ich gehe dabei vom durchschnittlichen Anfängerbecken aus. Bei entsprechendem Aufwand (top Abschäumer, Filter, hervorragender Beckenbiologie etc) lassen sich durchaus viele Fische in einem SPS-Becken halten, als Anfänger sollte man das aber ohne Hilfe nicht sofort ausprobieren.

Weiter geht es im nächsten Post, aber da ich gerade ein großes Aquarium besichtigen durfte, in dem man viele Dinge prima live sehen konnte, folgt hier nun noch eine Galerie mit Beispielen für Sachen, die ich erzählt habe.
Bilder sagen mehr als tausend Worte, auch wenn die Qualität der Fotos schlecht ist. Leider nur Handycam, außerdem war nur noch Blaulicht an.
Ich hoffe, man erkennt durch meine Erklärungen trotzdem genug, um zu verstehen, wovon ich eigentlich dauernd laber


Vermutlich Vernesselungsschäden an einer mir unbekannten SPS.
Wahrscheinlich verursacht durch die Weichkoralle rechts daneben, die nun wegen des abnehmenden Lichts größtenteils zusammengezogen ist. Durch die Strömungsrichtung berühren die beiden sich tagsüber aber mit Sicherheit:
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Kampftentakel einer LPS.
Dieses lappenartige Zeugs rechts daneben ist übrigens eine Ohrschwammart, ebenfalls eine Plage, die ähnlich wie Krusten rasend schnell wachsen kann, zum Glück aber nicht nesselt und meistens "nur" frei werdenden Siedlungsraum überwuchert. Dann kaum noch zu entfernen. Man sieht ihn eigentlich überall auf diesen Bildern, ist in dem Becken ein echtes Problem (auch wenn man ihm nachsagt, Schadstoffe zu filtrieren und zu binden):
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Hier eine Anemone, davon kommen noch mehr. Welche es genau ist, kann ich nicht bestimmen. Sieht aus, wie ein Ableger, der sich abgeschnürt hat und sich von der Strömung irgendwo hin treiben lassen hat. Wozu das führen kann, sieht man später:
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Kampf SPS (links) gegen Weichkoralle (rechts).
Man beachte, wie verkümmert und dünn die Arme der Weichkoralle wirken, welche mit der SPS in Kontakt kommen.
Schäden an der SPS konnte ich nicht erkennen. Wer hier den "Nesselkrieg" gewinnt, ist offensichtlich.
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Abgestorbene Skelettteile einer mir unbekannten SPS. Schlecht zu erkennen auf dem Foto bei dem Licht, aber man sieht, daß das "frei" gewordene Skelett sofort von Algen und Cyanos überwuchert wird. Algen sind immer die allerersten, die frei gewordenen Siedlungsraum beanspruchen.
Dies kann die ohnehin schon geschwächte Koralle weiter stressen und die von mir oben erwähnte Kettenreaktion auslösen, wodurch die gesamte Koralle ihr Gewebe verliert. Es kann aber auch gut gehen...
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Hier der Grund, warum man mit Anemonen (je nach Art) und Korallen in einem gemeinsamen Becken sehr vorsichtig sein sollte. Die große Umrandung zeigt eine Tischkoralle, die so gut wie tot ist, es ist kaum noch Gewebe auf dem Skelett (vermutlich eine Montipora foliosa oder hodgensi, aber bei den mickrigen Resten kaum noch zu bestimmen). Die kleinen Kringel zeigen Anemonen. Wie es dazu gekommen ist, daß die Anemonen in der Koralle sitzen, kann man nicht sagen.
Ich rate mal drauf los: Die beiden großen Pilzlederkorallen (Sarcophyton, nehme ich an) wachsen wesentlich schneller als die SPS, haben diese beschattet und damit dafür gesorgt, daß manche Bereiche abgestorben sind. Vielleicht noch verschlimmert dadurch, daß sie gleichzeitig die Strömung, also Wasserbewegung und damit Nährstoffversorgung der SPS behindert haben. Sind erstmal Teile tot, können Anemonen dort einen Platz finden (sie setzen sich normalerweise nicht auf lebendes Gewebe) und beschleunigen u.U. durch ihre Nesselkraft das Absterben der geschwächten SPS.
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Hier ein Phänomen an einer meiner Lieblings-SPS, der "Milka".
Komplettes Ausbleichen im unteren Bereich. Hier wohl grad erst geschehen, da das Skelett noch nicht von neuen Organismen besiedelt wurde. Kann verschiedene Ursachen haben. Selbstbeschattung, was ein typischer Effekt von reiner LED-Beleuchtung bei SPS wäre (je nach Lampe, Linsen etc). Mangelnde Strömung und dadurch schlechte Nährstoffversorgung. Man kann noch weiter grübeln.
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Hier sieht man mal, wie GROß eine Korallenkolonie werden kann. (Man beachte die Doktoren). Sollte man langfristig bedenken, bevor man eine solche Koralle in ein Nano setzt
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Noch ein Beispiel für fröhlich wachsende Korallen. Man beachte den Putzer und den Pseudanthias auf dem Bild (als Anhaltspunkt).
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Hier nehme ich mal ein Thema vorweg, welches eigentlich erst in einem späteren Post kommt:
Viele Fische werden GROß. (Man beachte den Hawaiidoc im Hintergrund). Egal, was der Händler erzählt um Kasse zu machen: Ein Paracanthurus (also Dorie...) hat NICHTS in einem 500l Becken zu suchen, denn die wird genauso groß...

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So, genug geschwafelt für heute, mehr demnächst mal wieder.

Dumdidum ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.12.2016, 12:50   #4
Dumdidum
 
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Weiter geht´s

Ich möchte nun also wieder ein Riffaquarium aufbauen mit möglichst großer Artenvielfalt.

Ich versuche, die Beckenplanung so zu schildern, wie man sie in meinen Augen betreiben sollte, unter Berücksichtigung von
a) Was will ich für Tiere halten
und
b) was lässt mein Budget zu.

Zu b) ist anzumerken, daß ich nach meinen Erfahrungen die Auffassung vertrete, daß ich mir meinen Wunsch entweder so leisten kann, daß es den Tieren wirklich gut geht und ich keinen regelmäßigen Ärger mit dem Becken habe. Ich würde nicht mehr am falschen Ende sparen, denn damit tut man weder sich selbst noch den Tieren einen Gefallen.
Ich führe nun also Kosten mit auf, so kann man sehen, wie sich die Sache entwickelt und womit man rechnen sollte.


Da ich u.a. möglichst viele Fische halten möchte, darunter auch größere wie z.B. Doktoren und sehr schwimmfreudige wie z.B. Lippfische, soll das Becken möglichst groß werden.

Und da ist man schon an dem Punkt, daß man die benötigte Technik sofort berücksichtigen muss.

Warum?
Ich fange mit der Beleuchtung an.
Irgendein tolles Beckenmaß kann einen vor das Problem stellen, daß man keine Lampe findet, die zu dem Beckenmaß passt. Das kann entweder teuer werden, weil man auf Lampen angewiesen ist, die man eigentlich nicht haben wollte. Das kann sehr teuer werden und man ist irgendwie unzufrieden. Oder man bekommt das Becken nicht vernünftig ausgeleuchtet, was im MW besonders blöd ist.

Welche Beleuchtung will ich nun?
Ganz einfach: ATI Hybrid.
Diese Lampen bilden m.M.n. das beste Preis/Leistungsverhältnis sowohl im Unterhalt als auch im wirklich genialen Licht für´s Becken. Durch die Hybridtechnik aus T5 Röhren und LEDs haben diese Lampen sowohl eine sehr hohe Lichtstärke als auch eine gute, gleichmäßige weil immer noch diffuse Ausleuchtung. Keine Abschatten der Korallen, kein unnatürlicher Wuchs, angenehm für das Auge. Die ATI Hybrid hat eine programmierbare Steuerung, durch die man Zeiten, Dimmung, Lichtspektrum etc exakt seinem Becken anpassen kann.
ATI bleibt dabei bezahlbar, im Gegensatz zu manch anderen Herstellern.
Außerdem durfte ich den Mann hinter den Lampen schon persönlich kennenlernen. Er ist kein Industrieller, sondern selbst sehr engagierter und begeisterter Aquarianer mit großem Fachwissen und vor allem: Großartigem Service.
Das ist in der MW-Aquaristik wichtig, weswegen ich nie irgendwelchen Chinaschrott kaufen würde. Ich habe eine 8x80W Sunpower von ihm hier, die ist mal ausgefallen. MW ohne Licht ist SEHR schnell SEHR schlecht...
Ein Anruf. Am anderen Ende ein Blick auf´s Display und die Frage: Sie sind aus Bochum? Ist ja nicht so weit von Hamm, wenn sie Zeit haben, setzen sie sich ins Auto.
Also habe ich das getan. Ein Techniker hat die Lampe sofort repariert, währenddessen habe ich mit Oliver vor seinen Ausstellungsbecken Kaffee geschlürft und über das Hobby philosophiert
Da die Lampe noch nicht alt war, musste ich noch nicht mal etwas zahlen...
Lampe morgens kaputt und abends schon wieder in Betrieb.
Perfekter Service, SEHR wichtig bei MW.

Wohin soll die Reise also gehen?
200x70x65cm.
Passt gut ins Wohnzimmer und bietet genug Schwimmraum. 65cm ist eine Höhe, die normale Lampen gut ausleuchten können, es sind keine extra starken (und teuren) Lampen nötig.
Eine Tiefe von 70 ist noch gut zu handhaben, man kann sich darüber beugen und kommt hinten noch gut dran.
Passend dazu die ATI Hybrid mit 4x80W T5 und 4x75W LED.
Wer googled schreit nun: Aber Moment, die hat eine Flächenangabe von 170x75cm, passt doch gar nicht zum Becken!
Doch.
Ich klebe ja keine Korallen an die Scheibe und will dort auch nicht das Algenwachstum perfektionieren.
Damit kommt der nächste Faktor ins Spiel, den man berücksichtigen muss: Wie soll mein Riffaufbau aussehen? Der kommt in die Mitte des Beckens, leicht nach hinten versetzt. Zu den Scheiben lasse ich einen relativ großen Abstand, als Schwimmraum und damit Korallen später nicht zu schnell gegen die Scheiben wachsen.
Somit reicht die o.g. Lampe, ich brauche nicht auf jedem cm² Boden 100% Leistung.

Kosten bis jetzt:
Ausgehend von einem Glasbecken, Front und rechte Seite Optiwhite (will ich haben wegen Farbechtheit), Ablaufschacht mit 3 Bohrungen für´s Technikbecken:
Ca. 1.000€, je nach Aquarienbauer.
ATI Hybrid: Ca. 1.600€ inklusive Röhren.
Unterhalt bei 100% Leistung der Lampe über 10 Stunden und 50% für weitere 2 Stunden:
ca. 55€ pro Monat Stromkosten und ca. 160€ im Jahr für Leuchtmittel. T5 Röhren sollten bei MW ca. halbjährlich getauscht werden, da sie sich recht schnell abnutzen. Das menschliche Auge nimmt dies nicht wahr, die Korallen aber sehr wohl.

Was als nächstes?
Das Technikbecken. Man kann MW-Aquarien auch anders betreiben, aber mit Technikbecken ist´s am besten (meine Meinung).
Wie sich das genau gestalten wird, puzzel ich gerade noch aus, aber als erstes muss natürlich ein Abschäumer da rein. Bei vielen Fischen ein leistungsstarker.
Da meine Erfahrung ganz klar zeigt, daß man nie am falschen Ende sparen sollte und guter Service wichtig ist, kommen für mich nur zwei Hersteller in Frage:
ATI und Royal Exclusiv. Geniale Technik bei beiden, die halten die Leistung, die sie versprechen, sind langlebig, gut zu reinigen und für mich mit dem Auto in einer Stunde erreichbar. Ich will keinen Abschäumer von Herstellern, die nur glauben, zu wissen was sie tun.
Ich will einen haben, bei dem der Hersteller WIRKLICH weiß, was er tut.
Einen ATI Powercone bis 1.000l habe ich noch hier und war immer zufrieden damit, werde aber beim nächsten Becken einen neuen anschaffen. Warum? Ich will Leistungsreserven, deswegen ein AS bis 1.500l.
Also entweder ein ATI Powercone 250i oder ein RE Double Cone 250.
RE ist Technik in absoluter Perfektion und Klaus Jansen ist immer ansprechbar und bietet ebenso perfekten Service, allerdings ist das preislich Luxusklasse. der Double Cone liegt bei ca. 1.050€, der ATI Abschäumer bei rund 450€.
Ich werde mich wohl für ATI entscheiden, auch wenn mir RE lieber wäre. Nachteil: In erster Linie die lautere Pumpe und Luftansaugung, was im Wohnzimmer auf Dauer schon nerven kann, geringere Lebensdauer als RE (Pumpe).

Kosten Abschäumer:
Ohne Controller für die Luftmenge ca. 450€, auch hier ist ATI in Sachen Preis/Leistung kaum zu schlagen.
Unterhalt: Ca. 6,50€ Strom pro Monat.

Nun muss das Wasser aus dem Technikbecken wieder zurück nach oben, also ist eine Rückförderpumpe nötig.
Da habe ich eines gelernt: KEINE KOMPROMISSE!
Also eine Royal Exclusiv, Red Dragon 3 Mini Speedy 50 Watt / 5,0m³

Kosten RFP:
Ca. 600€.
Unterhalt: Bei voller Leistung ca. 10€ Strom pro Monat.

Der nächste wichtige Punkt:
Wasserbewegung, oder besser: Strömung.
Da gibt es diverse Faustformeln. Je nach Riffaufbau und Korallendichte ist meine persönliche Formel: Mindestens 20x Beckenvolumen als Leistung, also in meinem Fall rund 18.000l/h oder besser gleich 20.000.
Das ist am Anfang, mit wenig und kleinen Korallen viel zu viel.
Also regelbar.
Meine Wahl, da ich mit diesem Hersteller gute Erfahrungen habe und die Kosten überschaubar sind:
2x
Tunze Turbelle Nanostream 6095 mit Controller, zusammen bis zu 26.000l/h

Kosten Strömung:
Ca. 350-400€
Unterhalt: ca. 4,50€ Strom pro Monat.


Gesamtkosten bis hierhin:
Ca. 4.000€.
Unterhalt pro Monat: rund 90€ Stromkosten und Leuchtmittelwechsel.


Soweit die grundlegende Technik.
Details zum Technikbecken und weiterem Kleinkram wie Heizung, Dosierpumpe und ähnlichem kommen in einem weiteren Thread.
Dort werde ich ich auch meine Gedanken zu den Technikelementen detailliert beschreiben.

Wie im ersten Thread schon erwähnt:
Ich möchte hier nicht mit astronomischen Preisen und Kosten beeindrucken, sondern möchte jedem, der ernsthaft über MW-Aquaristik nachdenkt, aufzeigen, worauf er sich einlässt, was wichtig ist und was für enorme Kosten auf einen zukommen, besonders bei "richtigen" MW-Becken, also Riffaquarien ab 500l aufwärts (alles darunter ist im MW "Nano"
Ich weiß, wovon ich rede, denn ich musste mein super laufendes und geliebtes Becken vor zwei Jahren leider wegen eines Jobwechsels auflösen, da ich die 150-200€ pro Monat nicht mehr stemmen konnte. Und das war nur ein 700l Becken.
Mir blutet deswegen bis heute das Herz.

Und wieder einmal:
Bis zum nächsten Mal

Danke: (5)

Geändert von Dumdidum (03.12.2016 um 17:33 Uhr)
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