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Alt 09.08.2019, 20:54   #1
David Teichfloh
 
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Standard Vorstellung UmkehrOsmoseAnlage

Meine UmkehrOsmoseAnlage

Hallo,
jeder weiß ja, was eine Osmoseanlage ist. Deshalb ist dieser Text eigentlich überflüssig. Geht doch einfach ins Netz und erkundigt euch....

Kann irgendwie nicht stimmen. Wie sonst kämen all die Fragen zu Osmoseanlagen hier ins Forum?
Deshalb habe ich mich entschieden, euch meine „kleine“ Osmoseanlage vorzustellen.

Zuerst: der landläufige Begriff Osmoseanlage oder Osmosewasser ist falsch. Das Gerät ist das genaue Gegenteil: eine Umkehrosmoseanlage.

Und nun etwas zum Einsatz. Brauche ich eine Umkehrosmoseanlage überhaupt?
Nein, normalerweise nicht. Wenn es da nicht das Wörtchen ABER gäbe…
aber:
- manche Tiere brauchen ionenarmes Wasser zur Zucht (seltener zur Haltung)
- manchmal sind Stoffe im Trinkwasser, die ich nicht im Aqua haben möchte, wie
= Chlor: das könnte ich aber durch stehenlassen und mittels eines Duschkopfes entfernen
= Kupfer und Schwermetalle: kann ich mittels einen Aktivkohlefilters entfernen
= Nitrat, Phosphat (Polyphosphat, wird zum Schutz der Leitungen zugesetzt, nicht deklarationspflichtig!) und Silikat: kann ich mit speziellen Absorberharzen entfernen
= für das Aqua unbrauchbares Wasser aus einer Hauswasseranlage (Enthärter, Neutraltauscher: Härte wird durch Salz ersetzt): da komme ich um eine Umkehrosmoseanlage nicht herum.
Weitere Stoffe werden ebenfalls durch die Umkehrosmose entfernt: Medikamentenreste (Spuren im Trinkwasser), Trübstoffe (Farbe, Sedimente) und (wieder aktuell) Uran.

Vor dem Kauf…
- Wasserwerte meines Trinkwassers: Chlor? Nitrat? Kupfer? Farbe? Härte? Anderes? Druck?
Wenn es nur um die Härte geht, brauche ich keinen Kohlefilter. Allerdings: der kostet wenig und schützt gut.
- sollte man sich die Anlage in ihrer Gesamtheit genau anschauen. Was brauche ich zusätzlich? Oder ist alles dabei? Habe ich den nötigen Platz (auch für die nötigen Schläuche)? Und die nötige Zeit? Solche Anlagen solle man, ohne besondere Vorkehrungen, nicht unbeaufsichtigt lassen (siehe Überschwemmung).
- wie ist der Anschluß? Kleine Anlagen werden einfach an den Wasserhahn angeschlossen. Unpraktisch, wenn es nur Reinwasser oder Händewaschen gibt!
- Wohin mit dem Abwasser?
- Folgekosten?


Was bedeutet Umkehrosmose?
Es bedeutet, dass, mittels Druck, aus „unsauberem“ Wasser fast „reines“ Wasser gemacht wird. Fast, denn eine Umkehrosmoseanlage hat einen Wirkungsgrad von ca. 95%. Es entsteht also fast reines Wasser. 95% aller anderen Bestandteile des Ausgangswassers werden zurück gehalten.
Nun funktioniert das leider nicht zu 100% . Das Verhältnis zwischen Reinwasser und Abwasser ist etwa 1:2 bis 1:4. Das „Abwasser“ dient auch zur Spülung der Membran, damit deren feine Löcher nicht verstopfen. An dieser Membran erfolgt nämlich die Trennung. Die Löcher sind so klein, das fast nur Wassermoleküle passieren können.
Anlagen für dem Heimgebrauch funktionieren mit dem normalem Hausdruck (min. 3 bar, bis 8 bar) aus dem Wasserhahn und haben einen Effizienz von ca. 1:2 bis 1:4 . Dieses Abwasser hat einen höheren Mineralgehalt und enthält auch alle Stoffe, die den Membran nicht passieren können. Es eignet sich gut als Gießwasser für die Zimmerpflanzen oder einfach für die Toilette. Leider bleibt einem oft nichts anderes übrig, als es wegzukippen.
Industrielle Anlagen arbeiten hingegen mit bis zu 40 bar und einer Effizienz von 1:1 .

Man kann die Anlage einfach so an den Wasserhahn (oder den Waschmaschinenanschluss) anschließen. Aber dann leidet die Lebensdauer erheblich. Denn so sauber ist unser Trinkwasser ja nicht. In der Regel enthält es noch jede Menge mikrofeine Teilchen, die die Membran schnell zusetzen würden. Zudem kommen (leider) oft noch unerwünschte, aber zulässig chemische Stoffe hinzu. Zum Beispiel Kupfer, Schwermetalle wie Blei, Uran, Phosphate und manchmal auch Chlor. Sowie immer häufiger Nitrat oder (Härte)Salze, zum Beispiel aus Hauswasserenthärteranlagen. Bakterien oder Viren spielen hingegen keine so große Rolle. Das Trinkwasser ist schließlich unser best überwachtes Lebensmittel!

Für eine längere Lebensdauer werden der Umkehrosmoseanlage vorgeschaltet:
- Mikrofilter (5µm): das ist ein Feinstfilter oder Sedimentfilter. Er verstopft nach und nach und muss daher regelmäßig ausgewechselt werden. Man erkennt es am nachlassendem Durchfluss.
- Aktivkohlefilter: sind nicht immer nötig, schaden aber auch nicht. Der Aktivkohlefilter soll vor allem vor Chlor schützen. Aktives Chlor, welches in einigen Gegenden „nach Bedarf“, so auch bei mir Zuhause, dem Trinkwasser zugegeben wird, schadet der Membran. Der Kohlefilter hält es zwar nicht zurück, wandelt es aber in H+ und CL- Ionen (also Salzsäure) um. Er wirkt hier als Katalysator.
Schwermetalle und vor allem Kupfer werden hingegen gebunden. So wie viele organische Stoffe auch. (Fast) Alles andere hält die Membran zurück.
Dem Aktivkohlefilter merkt man leider nicht an, wenn er „gesättigt“ ist. Daher sollte er, zusammen mit dem Sedimentfilter, regelmäßig ausgewechselt werden. (Ausnahme: Kupfer. Wenn im Abwasser plötzlich Kupfer zu messen ist, ist der Kohlefilter erschöpft)

Die Membran und der Wasserdruck entscheiden über die Leistungsfähigkeit der Anlage. Je höher der Druck, desso mehr Reinwasser wird erzeugt. Allerdings ist sowohl der Druck, als auch die Druckfestigkeit begrenzt. In normalen Hauswassernetzen herrschen ca. 4 - 5 Bar Wasserdruck. Und dafür sind die Anlagen für uns Nutzer vorgesehen. Die meisten Anlage halten allerdings mehr Druck aus.
Die Membran gibt es in verschiedenen Ausführungen. Meine Anlage schafft ca. 8 l Reinwasser pro Stunde, es gibt sie auch mit 15 l/h und 24 l/h. Andere Hersteller bieten andere Leistungen an. Hausanlagen haben eine erheblich höhere Leistung, kosten aber auch mal schnell 500€.
Dabei fallen allerdings immer die doppelte bis vierfache Menge an Abwasser an!
Also: bei 8 l Reinwasser sind das 16 bis 36 l Abwasser – pro Stunde.

Die Funktion der Membran kann mit einem Leitfähigkeitsmeßgerät überprüft und beobachtet werden. Steigt der Leitwert langsam oder plötzlich an, ist die Membran verbraucht und muss ersetzt werden.
Bei mir hat das Trinkwasser 250µS/cm – das Reinwasser 20µS/cm.

Wie immer, sollte man die Anleitung beachten. Dabei hilft es, vorher(!) einen Blick auf die Herstellerseite zu werfen – oft sind die Anleitungen veraltet.

Das Reinwasser sollte man nicht in größeren Mengen ins Aqua geben. Für das Auffüllen von Verdunstungswasser eignet es sich schon, aber langsam eingießen! Das habe ich mit meinem Altwasser-Aqua so gemacht (das Reinwasser bezog ich aus einem Werk, wo es hergestellt wurde).
Ansonsten muss es verschnitten oder aufgesalzen werden.
Verschneiden heißt das Mischen mit anderen Wasser. Hier kann man das Trinkwasser verwenden (das Abwasser allerdings nicht). Außer, wenn Kupfer in Trinkwasser ist.
Aufsalzen bedeutet das Einbringen auf entsprechenden Härtesalzen, die es im Handel gibt. Der Vorteil ist das Fehlen von unerwünschten Stoffen. So kann man auch, mit entsprechenden Salzen, die beiden Härten, KH und GH, einstellen.
Man kann das Wasser auch mit Torf oder Torfgranulat aufbereiten.

Reinwasser ist lange haltbar.
Der ph-Wert von Reinwasser liegt bei 7 , allerdings ist es nicht stabil. Dazu fehlen die Pufferhärte.

Kann man dieses Reinwasser trinken?
Ja, kann man. Normalerweise nimmt man die entsprechenden Mineralien mit der Nahrung auf. Es wird allerdings nicht empfohlen, Reinwasser ohne Zusätze nach starker körperlicher Belastung zu trinken.
Und kochen?
Ja, natürlich. Es gibt Gegenden, wo das Trinkwasser seinen Namen eigentlich nicht verdient hat. So kommt es gefärbt oder mit Geschmack aus dem Wasserhahn. Oder es ist steinhart (Betonwasser…).
Das war bei meinen Eltern so. Mit deren Trinkwasser (stark eisenhaltig) konnte man keinen Kaffee oder gar Tee kochen.

Die Kosten:
- die kleinen Anlagen fangen bei ca. 50€ Anschaffungskosten an. Größere Anlagen kosten etwa um die 100€. Hausanlagen hingegen können auch 500€ und mehr kosten.
- die Filter kosten ca. 20€ bis 50€ pro Satz, bei größeren Anlagen mehr.
- die Membran koste um die 50€ bis 200€ - aller 2 - 6 Jahre.
- dazu kommt noch die feste oder flexible Installation. Hier nochmals mein Tipp: auf die Herstellerseite schauen, bevor man anfängt!
- die Wasser-/Abwasserkosten sind zu unterschiedlich, da kann ich nichts machen. Allerdings kostet 1l Reinwasser nur wenig Cent – weniger als Mineralwasser, aber mehr als Trinkwasser….

Umweltfreundlich sind solche Anlagen nicht. Sie arbeiten mit Verbrauchsmaterialen aus Plaste und verbrauchen viel Wasser. Aber das muß jeder selbst entscheiden….

uff ... ein paar Bilder hänge ich an.

Lesefutter: www.drta-archiv.de/osmose/
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David Teichfloh ist offline   Mit Zitat antworten
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Alt 14.08.2019, 21:16   #2
David Teichfloh
 
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Ein Rechenbeispiel
(Filterwechsel nach Herstellerangabe; Wasserverbrauch, -preis bei mir):

- 1. Jahr: 68€ (Anschaffung + 1 Satz Filter); - 2. Jahr: 30€ (2 Sätze Filter);
- 3. Jahr: 65€ (1 Membran + 2 Sätze Filter); - 4. Jahr: 30€ (2 Sätze Filter); usw.
also ca. 50€ pro Jahr.
Pro Monat werden ca. 75l Wasser verbraucht (Reinwasser+Abwasser).
= Gesamtkosten pro Jahr: ca. 60€
- destilliertes Wasser: 5l-Flasche a 1,60€ , pro Monat: 8€
= Gesamtkosten pro Jahr: ca. 96€ (Transport nicht eingerechnet...)
(laut Nutzer halten sowohl die Membran, als auch die Filter länger als die Herstellervorgaben, das ist aber vom Trinkwasser abhängig)

Eine Anlage muß ja nicht mit Trinkwasser gespeist werden. Es geht auch Regenwasser, Brunnen- oder Flußwasser, ja sogar Abwasser (das eigene oder aus dem Aqua oder … igitt.). Hierzu ist allerdings eine Pumpe nötig, die auch Geld kostet.

da eine ganz neue Anlage "fast" soviel kostet wie eine neue Membran + 2 Sätze Filter, könnte ich mir auch jedes 2. Jahr eine neue Anlage kaufen... was mich auf die Idee bringt, einfach zwei Membranen hintereinander zu schalten...
(Quatsch - ich habs gelesen... hier )

Danke: (2)

Geändert von David Teichfloh (14.08.2019 um 21:21 Uhr) Grund: schlechtReibung .. oder so
David Teichfloh ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.08.2019, 06:58   #3
radlhans
 
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Ein weiteres Rechenbeispiel von mir:

Zu der Frage, was günstiger ist:
a) Senken des pH-Wertes durch CO2-Zufuhr
oder
b) Indirekt senken durch Verringerung der KH mithilfe von Osmosewasser

zeigt sich (Erfahrung am eigenen Becken), dass es (viel) günstiger ist, das über Osmosewasser zu tun!

Erläuterung/Details dazu:
ich hab' mal die Kosten für beide Varianten gegenübergestellt.
Eine Flaschenfüllung CO2 (500g Flasche) kostest mich ca. 7 €.
WW wöchentlich 30 ltr.
Einbezogen habe ich das komplett benötigte Leitungswasser, also bei der Variante mit Osmose auch das Abwasser (Verhältnis 1:1,3 bei mir).
Betrachtungszeitraum: 6 Monate

Bei Variante a)
eine Flaschenfüllung reicht 2 Monate
Kosten innerhalb der 6 Monate (mit Wasser) = ca. 24 €

Bei Variante B):
eine Flaschenfüllung reicht 6 Monate
Kosten innerhalb der 6 Monate (mit Wasser) = ca. 11 €

> Fazit: Variante a) ist mehr als doppelt so teuer!

Natürlich liegt das daran, dass die Kosten für Leitungswasser nur sehr gering sind und in den Mengen kaum Einfluss haben.
Soviel zu den Bedenken, dass die Herstellung von Osmosewasser teuer ist
(ja, ich weiß, Ressourcen-Schonung ist was anderes...).

Und ja, du hast Recht: leider leben wir in einer Wegwerfgesellschaft, wo es günstiger ist, eine neue Anlage zu kaufen, wenn die Membranen erschöpft sind. Meine "Billig-"UOA für knapp 50 € hat ca. 3 Jahre gehalten, bis ich eine solche wieder neu gekauft habe.

Grüße,
Gerd

Danke: (1)

Geändert von radlhans (16.08.2019 um 07:03 Uhr)
radlhans ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.08.2019, 10:32   #4
David Teichfloh
 
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Hi,

und jetzt würde mich interessieren, wie die Kosten bei Ionen-Filter liegen.
Mischbett oder 2-Säulen oder so....
Die Anschaffungskosten sind höher, das weiß ich schon....
David Teichfloh ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.08.2019, 12:42   #5
David Teichfloh
 
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Hi,

Spülventil - nötig oder nicht?

Warum diese Frage?
Weil es UOAs gibt, die gar kein Spülventil haben. Und welche, die eines haben.

Wozu dient dieses Ventil?
Dazu muß ich etwas weiter ausholen. (das folgende ist ein Denkbeispiel!)
Vereinfachen wir eine UOA auf ihren Mittelpunkt, die Membran. Die Membran trennt einen Behälter in zwei Teile. Auf der linken Seite kommt, oben, das Wasser rein und kann, unten, wieder abfließen. Allerdings nicht einfach so! Dort, am Abwasserausgang, sitzt ein Reduzierventil. Es läßt nur eine gewisse Menge an Wasser durch und sorgt so dafür, dass sich in der linken Kammer ein Druck aufbaut. Dieser Druck sorgt dafür, dass das Wasser - und nur das Wasser - durch die Membran hindurch kommen können. Die Membran ist also nichts anderes als ein sehr feiner Filter. In der linken Kammer sammelt sich also das reine Wasser und kann nach unten, über einen seperaten Abgang, abgeführt werden.

Lassen wir diese UOA in bester Form sein: Sie hat ein Verhältnis von 1:1 und hält alles außer Wasser in der linken Kammer zurück.
Aus 2 Liter Wasser werden also 1 Liter Reinstwasser und 1 Liter Abwasser.
Da alles andere außer Wasser in der linken Kammer zurück bleibt, kommt es zu einer Aufkonzentrierung.
z.B.: das Speisewasser hat eine GH von 16. Das Reinstwasser hat eine GH von 0. Also verbleibt in der linken Kammer Abwasser mit einer GH von 32.
Dieses Abwasser wird über das Reduzierventil abgeführt.

Jetzt stellen wir die Wasserzufuhr ab, der Druck sinkt, es wird kein Reinstwasser mehr produziert.
In der linken Kammer ab verbleibt das hoch angereichterte Abwasser - die Membran darf ja nicht trocken fallen.
Dieses Konzentrat kann, unter Umständen, zu Ausfällungen führen. In unserem Beispiel könnte also Kalk ausfallen. Er würde sich überall absetzten - auch auf der Membran. Das kann sie verstopfen oder gar beschädigen.
Und genau das wollen wir ja nicht. Daher gibt es , nach dem Abwasserabgang und vor dem Redizierventil ein Spülventil.
Das Spülventil umgeht das Reduzierventil und öffnet somit den freien Auslauf. Wird es geöffnet, sinkt der Druck in der linken Kammer ab und gleichzeitig läuft viel Wasser durch - die Kammer und damit die Membran, wird gespült (daher der Name des Ventils). Damit wird die Konzentration aller Stoffe im Wasser reduziert (auf das Niveau des Speisewassers) und somit weitgehend ein Ausfällen verhindert.

Das Spülventil dient also in erster Linie dazu, die Lebensdauer unserer Membran zu verlängern. Sinnvoll - die Membran ist für gewöhnlich der teuerste Teil einer UOA.
Wenn die UOA aber gar kein Spülventil hat? Die Hersteller geben hier an, dass das Reduzierventil in diesem Fall etwas "großzügiger" eingestellt ist. Somit läuft mehr Wasser durch, als erforderlich wäre. Und die Membran wird ausreichend gespült.

Mein Meinung: ich bezweifle diese Darstellung. Hier geht es einfach um Kosten.

Allerdings: bei weichem bis zu mittelhartem Wasser funktioniert das recht gut. Hier reichert sich nicht soviel an, dass ein Ausfallen droht.
Dennoch: die Hersteller geben ja Wechselintervalle vor - und tun diese aus gutem Grund. So sollen die Vorfilter aller 6 Monate gewechselt werden. Und die Membran selbst aller 2 Jahre. So wird sichergestellt, dass die Anlagen gut funktionieren - unabhänig davon, mit welchem Wasser sie gespeist werden.
Für uns Nutzer bedeutet dies Sicherheit.

Aber: so ein Spülventil nachzurüsten, ist einfach und nicht teuer. Man braucht dazu zwei T-Verteiler und ein Absperrhahn. Die T-Verteiler werden vor und nach dem Reduzierventil eingebaut und mit dem Absperrhahn verbunden.
Wird der Hahn geöffnet, wird das Reduzierventil überbrückt, es entsteht ein Bypass, und man kann spülen.
Besonders bei hohen Härtewerten im Wasser sollte man das auch tun. Empfohlen wird, sowohl vor, als auch nach der Gewinnung von Reinstwasser zu spülen. Die Zeit reicht von wenigen Sekunden bis zu 15 Minuten - je nach Speisewasser.
Bei Nichtnutzung sollte man mind. 1x im Monat spülen.

Beispiel: mein Sonderfall mit der Reihenschaltung von zwei Membranen. Mein Speisewasser ist mit GH=6 noch weich - ich brauch Reinwasser auch nicht wegen der Härte (sondern wegen des Nitrat-Gehaltes). Das erreicht Verhältnis ist 1:0,9 .
Ich habe kein Spülventil an meiner Anlage. Doch jetzt werde ich es nachrüsten - bestellt sind die Sachen schon.
Bilder folgen....

David Teichfloh ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.08.2019, 16:30   #6
David Teichfloh
 
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Der/die Vorfilter einer UOA

Vor nahezu jeder UOA sind ein bis drei Vorfilter vorgeschalten. Diese Filter haben die Aufgabe, die empfindliche Membran zu schützen.
Wovor?

1) vor Teilchen. In unserem Trinkwasser (und erst recht in anderem Wasser) befinden sich kleine und kleinsten Teilchen. Die meisten davor sind für uns unsichtbar. Deshalb wird einer UOA ein Sedimentfilter vorgeschalten. Wobei es sich zugleich um einen Feinfilter handelt. Dieser Filter hält Teilchen bis zu eine Größe von 5µm zurück.
Nötig ist das, da diese Teilchen sich auf der Membran ablagern können. Oder sie, wenn sie scharfkantig sind, sogar zerstören können.
2) vor Chlor. Unsere Membran sind empfindlich gegen Chlor. Nicht mehr so empfindlich wie früher, aber immer noch empfindlich genug. Daher wird der UOA ein Aktivkohlefilter vorgeschalten. Er wirkt, gegen Chlor, als Katalysator und verbraucht sich dabei nicht. Das Chlor wird dabei in seine Ionen umgewandelt und reagiert mit dem Wasser zu Salzsäure.
Heute wird Chlor nur noch „bei Bedarf“ eingesetzt. Da aber die Aktivkohlefilter nicht mehr so teuer sind, sollte man ihn trotzdem einsetzen – wer weiß, wann die Wasserwerke den „Bedarf“ erkennen? Und eine zerstörte Membran ist mehrfach teuer als ein Aktivkohlefilter.
3) andere chemische Stoffe wie
- Kupfer; - Eisen; - Phosphat, aber kein Polyphosphat; - Reste von Medikamenten; - andere Schwermetalle (wie Uran); - organische Schadstoffe und anderes mehr
4) manche Anlagen haben nun noch einen weiteren Feinstfilter vorgeschalten. Er hält Teilchen bis zu einer Größe von 1µm zurück. Auch das dient dem Schutz der Membran. Er ist jedoch nicht immer erforderlich.

Diese Vorfilter halten nicht ewig, sie müssen regelmäßig ausgetauscht werden. Die Hersteller geben hier einen Zeitraum von 6 Monaten vor.
Bei dem Sedimentfilter kann man das feststellen: er verstopft langsam. Wenn der Durchfluß durch die Anlage, also Reinwasser UND Abwasser, nachläßt, muß er ausgetauscht werden.
(Achtung: wenn nur die Menge des Reinwassers nachläßt, kann die Membran verstopft sein und muß dann getauscht werden!)
Beim Kohlefilter ist das leider nicht so einfach – mit der Ausnahme, dass Kupfer im Trinkwasser vorhanden ist. Das kann man messen. Tritt es im Abwasser auf, ist der Kohlefilter gesättigt und muß getauscht werden.
Normalerweise tauscht man die beiden Vorfilter immer gemeinsam.

Die Lebendauer der Filter ist stark abhängig vom Speisewasser. Wenn Brunnenwasser eingesetzt wird, müssen die Filter öfter getauscht werden, da dieses Wasser in der Regel nicht so sauber wie Trinkwasser ist.
Allerings es kann auch sein, dass die Filter länger halten – dass muß man ausprobieren.

Weder der Sedimentfilter, noch der Aktivkohlefilter können regeneriert werden. Sie sind Verbrauchsmaterial.
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Danke: (2)

Geändert von David Teichfloh (21.08.2019 um 16:34 Uhr)
David Teichfloh ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.08.2019, 12:06   #7
David Teichfloh
 
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Die Membran

Das Herzstück einer UOA ist die Membran. Sehr vereinfacht ausgedrückt, ist das ein sehr feiner Filter. Die Löcher sind so klein, dass nur Wassermoleküle durchpassen. Aber da tun sie nicht von allein – da muß Druck dahinter stehen.
Der Osmotische Druck von Trinkwasser liegt bei ca. 2,8 Bar (der von Meerwasser kann bis zu 30 Bar betragen). Erst wenn der Leitungsdruck auf die Membran diesen Druck übersteigt, kann Reinwasser gewonnen werden. Daher funktionieren UOAs erst ab 3 Bar Wasserdruck. Und sie funktionieren umso besser, je höher der Druck ist.

Hier gibt es Grenzen, die vom Material vorgegeben werden. Unsere kleinen UOAs sind für Wasserdrücke bis zu (6)8 Bar ausgelegt (einige halten aber auch mehr aus – aber ich möchte es nicht probieren). In der Industrie werden UOAs mit 30 bis 100 Bar „gefahren“.

Es gibt einen Zusammenhang:
- je höher der Wasserdruck, je reiner ist das gewonnene Wasser
- je höher der Wasserdruck, je mehr Reinwasser kann pro gleicher Zeiteinheit gewonnen werden
- je höher der Wasserdruck, je weniger Restwasser fällt an

Öfters werden höhere Leistungen einfach durch einen Druckerhöhungspumpe erreicht.
Dennoch gibt es auch Nachteile: - die Pumpen kosten erst einmal Geld; - sie sind Membranpumpen und nicht für Dauerbetrieb ausgelegt; - sie sind laut.

Die Membran ist empfindlich. Chemische und mechanische Einflüsse können sie zusetzten oder gar beschädigen. Aus diesem Grund werden vor die Membran Vorfilter geschalten.
Der Sedimentfilter/Feinfilter holt alle Teilchen größer 5µm aus dem Wasser.
Der Aktivkohlefilter holt chemische Unreinheiten, besonders aber Chlor, aus dem Wasser.
Wo keine Chlor (auch nicht zeitweise!) im Wasser ist, kann man auf den Kohlefilter verzichten. Da sich allerdings alle Wasserwerke vorbehalten, „bei Bedarf“ Chlor zur Desinfektion zuzusetzten, sollten man das nicht tun.

Manche UOAs haben ein Spülventil. Das ist vor allem im harten und sehr hartem Wasser eine sinnvolle Einrichtung.

---------------------------------------------------

Schläuche und Gehäuse

(gilt nur für kleine Anlagen ohne festen Behälter und Druckerhöhungspumpe!)
sowohl die Gehäuse, also auch die Schläuche sind auf den Betriebsdruck=Wasserdruck ausgelegt. Vom Wasserhahn bis zum Eingang Memebranbehälter muß das auch so sein. Ab den beiden Ausgängen für Reinwasser und Abwasser ist das nicht mehr erforderlich. Hier kann man auch weiche Schläuche (4mm) einsetzen. Zu beachten ist aber, dass alle Schläuche fest sitzen.
Man darf da ruhig mal dran ziehen.
Oft wird empfohlen, als Abgangsschläuche Luftschläuche zu verwenden. Nach meinen Versuchen geht das allerdings nicht – sie haben einen zu geringen Außendurchmesser. Abhilfe schafft hier ein Schlauchverbinder.
Zunächst wird an den Abgängen ein kurzes Stück der Druckschläuche verwendet, welches, mit dem Verbinder mit dem Luftschlauch verbunden wird.

Der Membranbehälter darf auch nur mit Handkraft festgezogen werden. Der beiliegende Ringschlüssel ist nur für das Öffnen!
Alle Schraubverbindungen sollten dicht gesetzt werden. Hier sollte man Teflonband oder ein anderes Dichtband einsetzten. Bitte denkt daran: die Anlage ist aus Plaste!
Wenn vorhanden, sollen die Sicherungsringe immer eingesetzt werden – sie gehen gern verloren.
Die Anlage sollte, besonders bei transportablen Anlagen, regelmäßig einer Sichtprüfung unterzogen werden. Und, bei Gebrauch, auf Undichtheiten überprüft werden. Hilfe für sehr leichte Undichtheiten verschafft ein Blatt Papier, welches man unterlegt.
Ohnehin sollten die Anlage nicht ohne Aufsicht betrieben werden – es sei denn, sie kann in einem Raum betrieben werden, wo ein Wasseraustritt keinen Schaden anrichten kann. z.B. ein Waschkeller.

So, ich hoffe, ich hab alles.
Danke für Eure Aufmerksamkeit!

Danke: (2)
David Teichfloh ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 31.08.2019, 18:19   #8
Otocinclus2
 
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Hallo David,

ich hoffe, du nimmst es mir nicht übel, wenn ich mit dem nachfolgenden Hinweis ein wenig in deine wirklich sehr ausführlichen und detaillierten Ausführungen "hineingrätsche".

In meiner Vorstellung der aktuellen aquaristik 4/2019 (https://www.zierfischforum.info/allg...rpraxis-2.html) hatte ich u.a. auf den Beitrag von Heiko Blessin (Weichwasser selbst gemacht) hingewiesen.

Blessin erläutert darin m.E. sehr anschaulich, wie eine Umkehrosmoseanlage funktioniert und welche Vorteile sie bietet, zeigt aber auch ihre Grenzen auf.

Auf Seite 65 des Heftes macht er eine sehr interessante Beispielrechnung auf:

"Wenn Sie Ihr Leitungswasser mit Umkehrosmosewasser mischen möchten, um einen Kompromiss zu erzeugen, lässt sich dies wie folgt berechnen:

Sie möchten 60 Liter Wasser mit 5° dGH erzeugen. Ihr Leitungswasser hat z.B. 15° dGH. 15:5 ist 3, wenn Sie 60 durch 3 teilen,erhalten Sie 20 - das ist die Menge Leitungswasser, die Sie dafür brauchen, mit Umkehrosmosewasser bis auf 60 l auffüllen, fertig.

Sie haben 10 Liter Umkehrosmosewasser (0° dGH) und möchten ein Wasser von 5° dGH herstellen; Ihr Leitungswasser hat z.B. 15° dGH. 15:3 ist 3, 3x10 ist 30, aber 10 haben Sie schon, also 20 Liter zugeben."

(Kleine Anmerkung nebenbei: Blessin kann tatsächlich "Umkehrosmosewasser" schreiben! )

Das Heft 4/2019 ist aktuell noch im Zeitschriftenhandel erhältlich. Und mit etwas Glück kann man es hier nach Erscheinen des nächsten Heftes, also nach dem 11.09.2019, gratis als Probeheft bekommen:
https://www.daehne.de/probeheft-aquaristik


Gruß
Otocincclus2

Danke: (2)
Otocinclus2 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 31.08.2019, 19:07   #9
David Teichfloh
 
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Hi Otocincclus2 ,

ist völlig in Ordnung, deine Ergänzung.
David Teichfloh ist offline   Mit Zitat antworten
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