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Alt 01.05.2010, 23:38   #1
Ferrika
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Standard Wichtige Informationen zur Krebspest und Marmorkrebsen

Die Krebspest ist ein Eipilz, der nur Flußkrebse befällt. Er ist zu 100 % tödlich.

Überträger der Krebspest sind nordamerikanische Krebse wie Procambarus-Arten (Marmorkrebs, clarkii, alleni) und alle Zwergflußkrebse, die aus Nord- und Mittelamerika stammen.

Die o.g. Arten sind zum größten Teil immun gegen die Krebspest, tragen aber oft den Erreger mit sich. Den Trägern ist die Infektion nicht anzusehen. Sie benehmen sich völlig normal und zeigen keinerlei äussere Anzeichen. Besonders nach der Häutung, aber auch im normalen Verlauf der Haltung, werden durch diese Träger Sporen im Aquarium freigesetzt.

Diese Sporen werden durch JEDE Wasseranhaftung übertragen, also sowohl durch Pflanzen, Fische, Garnelen und Deko als auch durch nasse Hände, Käscher oder sonstige Utensilien, die im Aquarium gebraucht werden.

Die Sporen überleben bis zu 16 Tagen ohne Wirt. Sie bewegen sich mit Hilfe einer Geißel im Wasser. Treffen sie auf ein Wirtstier, dringen sie über die Weichteile (Gelenke etc.) ein und werfen die Geißel ab. Im Tier beginnen sie sich zu vermehren.

Ist das Tier nicht immun gegen den Eipilz, beginnen die äusseren Anzeichen einer Infektion damit, daß das Tier den Fluchtreflex verliert. Es ist nicht mehr in der Lage, koordiniert zu laufen, schwankt, kratzt sich auffällig oft an Augen und Abdomen und den Scherengelenken. Nach einigen Tagen verliert es die Gliedmaßen und kurz vor dem Tod bricht der Pilz an Augen und Gelenken durch.

Gegen diese Krankheit gibt es weder Heilmittel noch Vorbeugemaßnahmen. Einziger Schutz ist die strikte Trennung von nordamerikanischen Flußkrebsen und denen aller anderen Kontinente. Auch in der Aquarienhaltung darf man die Tiere unter keinen Umständen zusammenbringen oder Gerätschaften für beide Arten gleichzeitig nutzen. Muß in beiden Haltungsbecken gearbeitet werden, sollte man dazwischen mindestens 24 Stunden verstreichen lassen, bevor man ins nächste Becken greift.

Die sicherste Methode ist, nicht beide Arten gleichzeitig zu halten. Selbst sehr erfahrene Flußkrebshalter haben auf Dauer immer wieder Verluste bei den Nicht-Amerikanern erlitten und die meisten sehen davon ab, beide Arten zu halten.

Die Gefährlichkeit der Krankheit impliziert, daß man bei der Haltung von nordamerikanischen Flußkrebsen einige Vorsichtsmaßnahmen beachtet. Dazu gehört, daß das Wechselwasser grundsätzlich nur über die Schmutzwasserkanalisation entsorgt werden darf. Es ist zwar noch nicht erwiesen, daß Kläranlagen den Eipilz abtöten, aber die Entsorgung über die Regenkanalisation ist viel gefährlicher, da dieses Wasser keinerlei Reinigungsprozeduren unterliegt und ungefiltert ins nächste Oberflächengewässer geleitet wird.

Was geschieht, wenn solches Wasser in ein Oberflächengewässer geleitet wird?
Die Sporen breiten sich für mindestens 14 Tage in diesem Gewässer aus. In dieser Zeit verteilt jedes auf dem Wasser landende Insekt und jeder Wasservogel die Sporen weiter auf umliegende Gewässer. Auch Angler und im Wasser spielende Kinder, die an den nächsten See gehen, tragen diese Sporen weiter. Es entsteht also ein Dominoeffekt, den es dringend zu vermeiden gilt.

Aus oben genannten Gründen ist auch die Haltung im Gartenteich oder in Kübeln auf dem Balkon absolut tabu. Auch hier können Insekten die Sporen weitertragen.

Ebenso muß man peinlichst darauf achten, daß keine freigesetzten Jungtiere mit dem Wechselwasser in die Kanalisation geraten. Es kann durchaus geschehen, daß ein Tier diese Kanalisation überlebt und in freie Gewässer gelangt. Procambarusarten sind äusserst robust und überlebensfähig. Sie überstehen Temperaturen bis 3°. In tieferen Seen, die im Winter nicht ganz durchfrieren, überleben diese Krebse also. Da sie sich viel schneller vermehren als unsere heimischen Krebse, verdrängen sie diese sehr schnell durch Nahrungskonkurrenz, wenn sie sie nicht vorher durch die Krebspest umbringen.

Will man ein Aquarium, welches vorher nordamerikanische Krebse beherbergte, mit anderen Flußkrebsen besetzten, muß man dieses mindestens 4 Wochen leer laufen lassen. Danach ist eine gefahrlose Besetzung mit europäischen, asiatischen oder australischen Flußkrebsen möglich.
 
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Alt 04.05.2010, 06:42   #2
Ferrika
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard Wichtige Informationen zu Marmorkrebsen

Marmorkrebse gibt es nur und ausschliesslich in weiblicher Form (zumindest wurde bis heute kein männliches Exemplar gefunden). Sie vermehren sich über Jungfernzeugung (Parthenogenese), das heisst, sie "clonen" sich selbst quasi.

EIN Marmorkrebs kann ca. alle 8 Wochen bis zu 120 Jungtiere bekommen. Jedes heranwachsende Jungtier kann sich ab einem Alter von 6 Monaten ebenfalls vermehren. Das führt, wenn man nicht aufmerksam ist, schnell zu einer nicht mehr überschaubaren Flut von Krebsen im Aquarium.

Marmorkrebse sind Träger der Krebspest. Diese "Pilz"erkrankung ist für jeden Flußkrebs der Welt tödlich, ausser für nordamerikanischen Arten (Procambarus sp. clarkii, alleni, diverse Zwergflußkrebse). Jeder andere Flußkrebs der Welt stirbt bei Kontakt mit dieser Krankheit innerhalb von zwei Wochen. Es gibt kein Heilmittel gegen diese Krankheit.

Die Haltung von Marmorkrebsen erfordert vom Halter ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein und Aufmerksamkeit.

Beim Wasserwechsel muß zwingend darauf geachtet werden, daß kein Jungtier mit dem Wechselwasser in die Kanalisation gelangt. Procambarusarten sind äusserst robust und überleben Temperaturen bis zu 3°. Ein nicht vollständig zufrierender Teich bietet ihnen also den idealen Lebens- und Überlebensraum. Durch ihre exzessive Vermehrung und Fresswut stellen sie allein durch Verdrängung eine ernste Gefahr für unsre einheimischen Arten dar. Die Krebspest tut ein Übriges dazu, unsere einheimischen Krebse in der Umgebung von (Procambarus) Marmorkrebspopulationen vollständig auszurotten. Ein mit Marmorkrebsen besetztes Gewässer ist für alle Zeiten für einheimische Arten verloren. Durch die Wanderungen der Krebse werden davon im Verlauf einiger Zeit auch umliegende Gewässer betroffen, so daß eine Wiederansiedelung einheimischer Arten im immens großen Umkreis nicht mehr möglich ist.

Trägt ein Marmorkrebs Eier, ist es am besten, diese zu entfernen, sofern man die Jungtiere nicht als Futter für andere Tiere nutzen will.
Dazu stellt man eine Schüssel mit handkaltem Wasser bereit, fängt den Krebs aus dem Becken und hält ihn am vorderen Panzer mit Daumen und Zeigefinger fest. Mit dem Mittelfinger klappt man den Fächer auf und streicht mit einer weichen Zahnbürste vorsichtig die Eier in die Wasserschüssel. Dies macht man so früh wie möglich nach Anheftung der Eier, da sie dann noch nicht so fest kleben.

Die Eier müssen anschliessend abgekocht und dann im Biomüll entsorgt werden.

Sind doch einmal Jungtiere geschlüpft, sollte man diese auch so früh wie möglich ausdem Becken sdammeln und in sprudelnd kochendem Wasser abtöten.

Das Gleiche gilt, wenn man die Jungtiere verfüttern will. Diese lebend zu verfüttern, birgt die Gefahr, daß eins dieser Versteckkünstler überlebt und erwachsen wird. Was dann wiederum zu einer Flut von Jungtieren führt.

Es ist also sehr wichtig, sich vor der Anschaffung eines Marmorkrebses (und auch anderer Procambarusarten) über die Besonderheiten zu informieren.

Ein Hinweis zum Schluß: ein Ausbruch der Krebspest (auch im AQ) ist inzwischen meldepflichtig.
Ausserdem steht inzwischen ein Im- und Exportverbot für nordamerikanische Krebse zur Diskussion.
 
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Stichworte
flußkrebse, krebspest, marmorkrebs, nordamerikanische, nordamerikanische krebse, procambarus

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