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Alt 25.02.2014, 15:36   #1
Öhrchen
 
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Standard Vorsicht mit neuen Pflanzen in Wirbellosenbecken!

Es passiert leider immer wieder: Beim Händler werden neue Aquarienpflanzen für ein Garnelen/Krebsbecken gekauft. Wie für Aquarien mit Fischen üblich, wird das "Grünzeug" vielleicht kurz gewässert und dann eingesetzt. Doch was ist das ? Die Garnelen (oder Krebse, manchmal sind sogar Schnecken merklich betroffen) fangen an, wild und unkoordiniert herumzuschwimmen, um dann taumelnd zu Boden zu sinken und zu verenden.

Die Ursache ist folgende: Aquarienpflanzen werden in den hierauf spezialisierten Gärtnereien oft mit Pestiziden behandelt, um Schädlinge aus dem Insektenreich fernzuhalten. Das Problem - Pestizide wirken auf praktisch alle Wirbellose, zu denen die Garnelen und Krebse gehören, zuverlässig toxisch. Und da diese Mittel systemisch von der Pflanze aufgenommen werden, reicht es nicht, sie kurz abzuspülen.

Neue Pflanzen sollten mindestens eine, besser zwei, und bei langsam wachsenden Arten (wie Anubia zB) sogar drei Wochen "wässern".
Das heißt konkret: In einem transparenten, nicht zu kleinen Behälter an einem hellen Ort zwischenlagern. Mit häufigen Wasserwechseln in dem Behälter sorgt man dafür, daß abgegebene Giftstoffe auch entfernt (und nicht von der Pflanze wieder aufgenommen) werden. Um den Pflanzen diese Zeit zu erleichtern, sollte der Behälter gut Tageslicht bekommen, bei ganz schnell wachsenden Pflanzen kann auch ein Tröpfchen Dünger mit ins Wasser. Das Wechselwasser darf nicht zu kalt sein.
In der Zeit kann man auch gleich nach eventuellen tierischen blinden Passagieren im Pflanzenbehälter schauen (auch mal abends mit der Taschenlampe): Planarien, Schneckenegel und natürlich auch Schnecken (wobei ich letztere nicht als Schädlinge betrachte) werden alle über Pflanzen eingeschleppt und könnten zu Vorschein kommen.

Nach der Wässerungszeit kann die Pflanze ins endgültige Becken. Sinnvoller Weise so, daß noch eine Weile Licht im Aquarium ist und man das Verhalten der Bewohner beobachten kann. Sollten die Tiere sich auffällig verhalten, die Pflanze sofort wieder entfernen und separat weiter wässern, und im betroffenen Becken einen großen Wasserwechsel machen!

Pflanzen, die nicht gewässert werden müssen, sind sogenannte "InVitro" Pflanzen, diese werden in einem Nährgel quasi steril herangezogen und sind Parasiten-und Pestizidfrei. Der Kauf solcher Pflanzen bietet sich vor allem bei empfindlichen Arten an, die das lange Wässern nicht überstehen würden.
Die zweite Möglichkeit sind Pflanzen aus "laufenden" Becken, also von anderen Aquarianern übernommene Stecklinge oder Pflanzen. Auch bei diesen bietet sich eine kurze "Quarantäne" in einem gut einsehbaren Behälter an - um unerwünschte Mitbringsel tierischer Art mit etwas Glück rechtzeitig zu entdecken. Nicht jeder, der Pflanzen abgibt, ist so ehrlich, und berichtet von Planarien und Co, oder er weiß es nicht, weil in Aquarien mit Fischbesatz solches Gewürm oft schneller gefressen wird, als es zu sehen ist.
Es gibt inzwischen auch einige gewerbliche Anbieter, deren Wasserpflanzen nicht mit Pestiziden behandelt werden. Oder der Händler kann mit Sicherheit sagen, daß die Pflanzen sich schon mehrere Wochen bei ihm im Verkaufsbecken befinden. Das sind Fälle, bei denen man sich überlegen kann, aufs lange Wässern zu verzichten. Aber auch hier gilt: Tiere im Zielbecken beobachten, und bei Auffälligkeiten sofort handeln.

Noch eine kleine Anekdote für die, denen die oben erwähnten drei Wochen Wässerungszeit übertrieben vorkommen….Fällt definitiv unter die Kategorie "Anfängerfehler", obwohl ich zu der Zeit schon ein Jahr lang ein gut laufendes Aquarium hatte.
Ich hatte von einer Messe zwei Sorten Anubias, auf kleine Wurzeln aufgebunden, mitgenommen. Diese wurden drei Wochen in einem Becken in der Einlaufphase gewässert. Also laufender Betrieb, wöchentliche große Wasserwechsel (zu wenig, wie sich zeigte). Nach drei Wochen setzte ich abends (nächster Fehler!) ca 30 Red Fire Garnelen ein. Diese schwammen unruhig herum und sammelten sich dann oben am Filter. Ich dachte mir nichts dabei, schob es auf die neue Umgebung und ungewohnte Wasserwerte. Am nächsten Tag waren 2/3 der Garnelen verstorben. Die Überlebenden fischte ich heraus und setzte sie in ein schon länger laufendes Aufzuchtbecken. Sie erholten sich praktisch sofort, es starben allerdings in den nächsten Tagen vereinzelte Tiere bei Häutungen. Noch heute hat dieser RedFire Stamm mehr Probleme mit Häutungen als meine Yellow Fire Garnelen, die unter fast identischen Bedingungen im Nachbarbecken leben.

Das Problem mit den behandelten Pflanzen spricht sich langsam herum, da Nano-Aquarien mit reinem Wirbellosenbesatz immer mehr in Mode kommen, und die Anbieter von Aquarienpflanzen reagieren entsprechend. Es lohnt sich aber, vorsichtig zu sein und sich nicht ohne Weiteres auf die Aussagen von Händlern zu verlassen, damit die Freude an den netten Krebstieren im Aquarium auch lange anhält!

Danke: (1)
Öhrchen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 25.02.2014, 16:29   #2
Dirk Brechmann
 
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Hallo Stefanie,

davon habe ich schon gehört. Auch wenn man Pflanzen für Axolotl kauft sollte man das berücksichtigen. Ich selber habe aber noch nie Probleme gehabt, obwohl ich meine Pflanzen immer direkt ins Becken gebe.
Dirk Brechmann ist offline   Mit Zitat antworten
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Alt 25.02.2014, 20:02   #3
Öhrchen
 
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Hallo,
es scheint "Glückssache" zu sein, ob man Pflanzen erwischt, die so behandelt sind, daß sie für Wirbellose giftig werden. Aber wer es einmal erlebt hat, daß ganze Garnelenpopulationen aufgrund einer einzigen neu eingesetzten Pflanze draufgehen, will das nicht nochmal riskieren... Es ist wirklich ein vermeidbares Risiko.
Öhrchen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.02.2014, 21:09   #4
radlhans
 
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Hallo Stefanie,

Super, dass du das mal zusammengeschrieben hast. Finde ich wichtig.

Ich beantrage bei den Mods, das Thema mal oben anzupinnen! Schneckinger, DarkPanther ?

Hab' genau das kürzlich selbst lernen müssen, wie du weißt (siehe mein Thread dazu). Waren zwar "nur" 10 Red Bees, war aber trotzdem ärgerlich.
Wenigstens hat sich der Laden, wo ich Pflanzen gekauft habe, geldtechnisch erkenntlich gezeigt.

Grüße,
Gerd
radlhans ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.05.2018, 16:27   #5
Lelo
 
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Hallo,
habe diesen alten thread gefunden und bin mit genau diesem thema beschäftigt.
Die Frage die sich mir stellt ist: Wie verhält es sich beim Einfahren eines neuen Garnelenaquariums?
Sollten die Pflanzen vorsichtshalber auch gewässert werden. Oder reicht eine längere Einfahrphase (6-8 wochen)mit ordentlich Wasserwechsel? Oder besteht dann die Gefahr dass sich die Pestizide im Bodengrund/Soil einlagern?
Ein Teil meiner neuen Pflanzen wurde emers gezogen. Was mir Hoffnung macht ist ein ordentlicher Blattlausbefall (Hat ich auch noch nie bei neuen Aquarienpflanzen)
Liebe Grüße, Lena
Ergänzung: Ein Oxydator könnte beim Wässern bestimmt hilfreich sein, indem er dabei hilft Pestizide schneller abzubauen, meint ihr nicht?

Geändert von Lelo (02.05.2018 um 16:59 Uhr)
Lelo ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.05.2018, 17:51   #6
Öhrchen
 
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Hallo,

nach meinen bisherigen Erfahrungen reicht das "mitwässern" im einlaufenden Aquarium nicht. Zumindest, wenn die Pflanzen ordentlich Pestizid eingelagert haben.
Siehe auch mein oben beschriebenes Erlebnis mit den Pflanzen von der Messe...

Pflanzen in einen Behälter, und stur jeden Tag Wasser wechseln, ist viel effektiver.

Wenn die Pflanzen allerdings Blattläuse haben, dürften sie tatsächlich nicht behandelt, oder nicht mehr gefährlich, sein. Wäre zumindest auch meine Logik.

Danke: (1)
Öhrchen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.05.2018, 18:44   #7
Lelo
 
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Also, ich übe mich in Geduld, alle Pflanzen stehen auf der Fensterbank. Ab und an enteck ich noch eine Laus
Lelo ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.05.2018, 18:46   #8
Öhrchen
 
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Mit den Läusen ist Schluss, wenn die Pflanzen submers gehen
Wobei so eine Blattlaus erstaunlich lange unter Wasser überlebt. Bis zu einer Woche und mehr habe ich schon beobachtet
Öhrchen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.05.2018, 18:56   #9
Lelo
 
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Die krabbeln auf der Fensterbank entlang. Bin mal gespannt was mein Freund dazu sagt. Blöderweise sind die Gefäße etwas klein. Ich denke ich werde die Pflanzen morgen im Aquarium ohne Bodengrund wässern.
Grüße
Lelo ist offline   Mit Zitat antworten
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Stichworte
pestizide, pflanzen, wirbellose

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